Real vs. ManUnited - das Spiel, auf das die Welt wartet

12. Februar 2013, 15:56
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Real vs. ManUnited: Ein Mann steht beim verfrühten Höhepunkt im Bernabeu besonders im Fokus: CR7 - Dortmund gastiert bei Schachtar Donezk, Trainer Klopp verspricht nach 1:4 gegen HSV eine Trotzreaktion

Madrid/Manchester - Für viele etwas zu früh kommt es am Mittwoch (20.45 Uhr/live Puls 4 und derStandard.at) im Achtelfinale der Champions League zum Match zwischen Real Madrid und Manchester United. "Das ist das Spiel, auf das die Welt wartet", sagte etwa José Mourinho. Sportlich mindestens ebenbürtig dürfte das zweite Spiel des Tages einzuschätzen sein, in dem Schachtar Donezk Borussia Dortmund empfängt (20.45 Uhr/live ZDF).

Im Bernabeu-Stadion wird einer besonders im Fokus stehen: Cristiano Ronaldo trifft erstmals auf jenen Klub, bei dem sein Aufstieg vom Talent zum Weltstar begann. Und gerade rechtzeitig für das Duell mit den seit 14 Pflichtspielen ungeschlagenen Engländern ist der Mann aus Madeira in Hochform: 13 Pflichtspieltore gelangen ihm 2013 bereits, am Wochenende beeindruckte er beim 4:1 gegen den FC Sevilla mit einem Hattrick.

Eine bemerkenswerte Steigerung im Vergleich zum November und Dezember. Gerade im Herbst schienen die Bande zwischen Ronaldo und Real reißgefährdet, CR7 ließ durchblicken, er fühle sich in Madrid "unglücklich". Spekulationen über eine Rückkehr nach Manchester ließen nicht lange auf sich warten, ebenso wie das Dementi Ronaldos. Er wolle alles für Madrid geben.

Madrids letzte Chance

Sieht man vom nationalen Cup ab, ist Europa heuer für Real die letzte Chance auf einen Titel, das ist auch dem Portugiesen klar. "Die Champions League mit Madrid ist eine sehr spezielle Sache, und wir wollen den zehnten europäischen Titel." Mit Manchester United hat er das 2008 schon geschafft

In England nahm die große Karriere des von Sporting Lissabon gekommenen Portugiesen Fahrt auf, in sechs Saisonen gelangen ihm unter Alex Ferguson in 292 Spielen 118 Tore. Zahlen, die er in Madrid freilich längst übertroffen hat (182 Goals in 179 Partien). Sein Durchschnittswert von 1,02 Toren pro Spiel ist zudem höher als jener der noch vor ihm liegenden Legenden Alfredo di Stefano (0,77) oder Ferenc Puskas (0,93).

Die Statistik spricht generell klar für Real, das sich in den vier bisherigen Duellen mit ManU drei Mal durchsetzen konnte. Lediglich 1967/68 behielten die Engländer im Semifinale des Meisterbewerbs die Oberhand - und gewannen in der Folge zum ersten von drei Mal die wertvollste Trophäe im europäischen Klubfußball.

Der bisher letzte Vergleich im CL-Viertelfinale 2002/03 ging mit dem Gesamtscore von 6:5 an die Spanier. In Old Trafford gelangen dabei Ronaldos brasilianischem Namensvetter drei Treffer. Von den Spielern, die damals am Platz standen, sind lediglich Ryan Giggs und Rio Ferdinand im Aufgebot ihres Teams, Iker Casillas fällt auf Seiten Reals derzeit verletzt aus.

"Herausforderung" Donezk

Am Mittwoch kommt es aber auch zum Duell zweier großer Trainer, die sich mit viel Respekt begegnen. "Ich fühle mich privilegiert, sein Freund zu sein, weil er einer der wichtigsten Menschen im Fußball, aber vor allem ein guter Mensch ist", sagte Madrids Mourinho, der beim 2:0-Erfolg Manchesters über Everton am Sonntag spioniert hatte und auch als Nachfolger von Ferguson bei den Red Devils gehandelt wird.

Dortmund reist nach der verpatzten Generalprobe gegen Hamburg (1:4) mit Sorgen zum Revier-Duell nach Donezk am Mittwoch. Jürgen Klopp fiel das Lächeln noch schwer, als sich der Tross in die 2200 Kilometer entfernte Bergbaumetropole der Ukraine aufmachte. Doch ist der Trainer des deutschen Meisters von einer Trotzreaktion seiner Mannschaft überzeugt.

"Es wird eine große Herausforderung für uns. Wichtig ist, dass wir in der Defensive wenig zulassen", sagte Klopp kurz vor dem Abflug. Er weiß aber, dass "es schwer wird gegen die Mischung aus Erfahrung, Spielfreude und Qualität" der Offensive beim ukrainischen Double-Gewinner. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stellte klar: "Eine Spitzenmannschaft muss mit Rückschlägen leben können, und wir wollen ja eine sein." Mit den Erfolgen in der diesjährigen Gruppenphase über Real Madrid und Manchester City hat die Borussia nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht.

Winterpause kommt Ukrainern in die Quere

Dortmund hat in sechs Partien gegen ukrainische Klubs noch keine Niederlage bezogen, gewann das bisher einzige Duell mit Schachtar (3. CL-Qualirunde 2001/02) mit dem Gesamtscore von 5:1. Aber das war gestern. Erst am letzten Spieltag verspielte Schachtar im Herbst beim 0:1 gegen Juventus Turin den Sieg in der Gruppe E, schmiss aber den punktegleichen Titelverteidiger Chelsea aus dem Bewerb. "Natürlich können wir die CL gewinnen", tönte Kapitän Darijo Srna.

Nicht weniger als acht Brasilianer stehen in dem mit üppigen Zuwendungen des Oligarchen Rinat Achmetow alimentierten Kader des UEFA-Cup-Siegers von 2009. Darunter auch Winter-Zugang Taison, der mit Charkiw in der Europa League zuletzt auch Salzburg und Rapid Probleme bereitete.

Ein Vorteil für die Deutschen könnte sein, dass Donezk wegen der seit Ende November anhaltenden Winterpause der Rhythmus fehlt. Zwölf Testspiele in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Spanien sollten dieses Manko ausgleichen. Trainerfuchs Mircea Lucescu ist freilich skeptisch: "Wir sind noch nicht bereit für die Borussen."

Der 67 Jahre alte Rumäne, seit 204 im Amt, gilt als Vater des Aufschwungs. Er führte Donezk zu sechs seiner bisher sieben Meistertitel - zuletzt dreimal in Folge. Und der nächste Triumph ist bereits greifbar. In der laufenden Saison führen die Orange-Schwarzen die Tabelle der ukrainischen Premier League nach 18 Spieltagen souverän mit 17 Siegen und nur einer Niederlage (51 Punkte, 52:9 Tore) mit 13 Zählern Vorsprung vor Dnipropetrowsk und 14 Punkte vor Rekordmeister Dynamo Kiew an. (APA/sid/red, derStandard.at, 12.2.2013)

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    Glory Days: Mit seinen Manchester-Mates hat Christiano Ronaldo die Champions League schon einmal gewonnen.

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    Mircea Lucescu gibt sich vor dem Dortmund-Spiel skeptisch, Titelverteidiger Chelsea hat Donezk aber schon auf der Abschussliste.

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