Mobile Seismometer in Bhutan installiert

17. Februar 2013, 20:36
posten

Über die Krustenverdickung in der Region ist bislang nichts bekannt

Bern - Ein temporäres seismologisches Netzwerk wurde in Bhutan von Forschern des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) sowie der ETH Zürich installiert. Damit sollen Erkenntnisse zur Erdbebengefährdung des kleinen Königreiches im Himalaya gewonnen werden. Die Daten von 38 Seismometern, die Messungen bis zu einer Tiefe von 70 bis 90 Kilometern vornehmen können, sollen Einblicke in die Struktur der lokalen Erdkruste geben.

Die Erdkruste im südlich von Bhutan gelegenen Indien weise eine mittlere Dicke von etwa 35 Kilometern auf. Im nördlich gelegenen Tibet sei die Kruste bereits doppelt so dick. Wie es aber um die Krustenverdickung dazwischen, also in Bhutan, steht, ist laut Projektleiter György Hetenyi vom SED nicht bekannt. Unterschiede in der Dicke könnten auf Bruchlinien hinweisen, die wiederum eine Einschätzung der Erdbebengefährdung erlauben würden.

Kleinere Erschütterungen, aber keine schweren Erdbeben

"Seit längerem verspüren die Bhutaner immer wieder kleinere Erschütterungen", sagte der SED-Projektleiter. Genau lokalisieren konnte man sie jedoch bisher nicht. In den letzten 120 Jahren seien in Bhutan keine Erdbeben von einer Magnitude über 8 auf der Richterskala gemessen worden. Das letzte größere Beben vom September 2009 hatte eine Stärke von 6,3 und forderte rund ein Dutzend Todesopfer.

Das Fehlen starker Erdbeben kann laut Hetenyi zwei Gründe mit unterschiedlichen möglichen Auswirkungen haben. Entweder hätten sich über Jahrhunderte aufgebaute Spannungen einfach noch nicht entladen, oder die tektonischen Platten entlang der Verwerfung zwischen Indien und Tibet glitten harmonisch übereinander.

Finanzielle Mittel gesucht

Die Forscher werden ihre seismologischen Messungen bis zum Frühjahr 2014 weiterführen. Danach werden die mobilen Forschungsinstrumente voraussichtlich abgebaut. Für ein permanentes Netzwerk zur Erdbebenmessung fehlen Bhutan laut Hetenyi die nötigen finanziellen Mittel. Der SED werde sich deshalb gemeinsam mit anderen Ländern darum bemühen, dieses Finanzierungsproblem zu überwinden. (APA/red, derStandard.at, 17.2.2013)

Share if you care.