"Schatzerl" oder "Schatzi"? Grazer untersuchen Kosenamen

17. Februar 2013, 20:56
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Dabei sollen auch Stereotypen in der Geschlechterbeziehung unter die Lupe genommen werden

Graz - Kosenamen sollen der Liebe Ausdruck verleihen, indem sie das Gegenüber mit Worten liebkosen. Unter vier Augen sind sie gerne gehört, wenn sie in der Öffentlichkeit benutzt werden, führt dies jedoch oft zu peinlichen Situationen. Der Grazer Sprachwissenschafter Rudolf Muhr versucht jetzt, den sehr privaten emotionellen Wortschatz in Österreich zu erfassen.

Menschen in Paarbeziehungen tauschen nicht nur Zärtlichkeiten, sondern auch liebevolle Benennungen aus. "Kosenamen symbolisieren in vertrauter Umgebung die Beziehung, die zwischen den Partnern herrscht und sind etwas sehr Intimes. Gerade daher ist die Datenlage dazu nicht nur im österreichischen Deutsch unzureichend", schilderte Muhr, Leiter der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch an der Universität Graz im Gespräch. Zurzeit könne man keine fundierten Aussagen darüber machen, wie häufig Kosenamen in Paarbeziehungen verwendet werden. Ebenso wenig ist bekannt, aus welchen Bereichen sie bevorzugt entlehnt werden. "Wir wollen schauen, was in diesem Bereich wirklich los ist", so Muhr.

Top-Kosenamen in Deutschland

Für Deutschland hat im Jahr 2008 die Universität Augsburg eine Erhebung durchgeführt und eine Top-Liste erstellt. Nach dieser führt "Schatz" vor Entlehnungen aus der Tierwelt wie "Maus", "Hase", "Bär" und "Spatz". "Wenn die Begriffe möglicherweise in Österreich die selben sind, würde die Koseform sicherlich nicht so, sondern in der für Österreich typischen Verkleinerungsform des Substantivs zur Anwendung kommen: Also "Schatzerl" oder "Schatzi", "Haserl" oder "Hasi", hielt Muhr fest.

Ob die angeführten Beispiele im österreichischen Deutsch überhaupt - noch - eine Rolle spielen, will Muhr mit seinen Studierenden unter anderem untersuchen: "Die Studierenden werden dafür im persönlichen Bereich recherchieren, sie werden Großeltern, Tanten und Onkel befragen und die Ergebnisse aufbereiten." So könnte sich vielleicht auch eine zeitliche Entwicklung des Kosenamengebrauchs nachzeichnen lassen.

Stereotypen in der Geschlechterbeziehung

Die Studierenden sollen aber auch Stereotypen in der Geschlechterbeziehung unter die Lupe nehmen: "Mauserl kann negativ behaftet sein: unscheinbar und harmlos", so Muhr. Zu vermuten sei, dass - wenn überhaupt - nicht überwiegend Männer nicht mit dieser Koseform angesprochen werden. Der Sprachwissenschafter hat daher einen Psychoanalytiker in sein Team einbezogen, um auch Fragen nachzugehen wie: "Warum vergibt man zwei unterschiedlichen Menschen ein und denselben Kosenamen? Kann die Intimsprache Quelle für Beziehungsstörungen sein?"

Besonderen Wert will Muhr auf die Unterschiede zwischen den drei deutschsprachigen Ländern - Österreich, Deutschland, Schweiz - legen. "Regional unterscheiden sich Kosenamen enorm: In Deutschland habe ich bei erster Recherche Kosenamen gefunden, die hierzulande nur seltsam wirken würden: Schweinchen, Herz oder Herzchen." (APA, 16.2.2013)

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    "Schatz" oder "Schatzi" - oder doch eher "Maus" und "Hase"? Grazer Forscher widmen sich Kosenamen in Österreich.

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