Schlagerfestival lenkt vom Wahlkampf ab

Blog12. Februar 2013, 14:36
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Berlusconi forderte eine Verschiebung des Schlagerfestivals von San Remo, weil es die Aufmerksamkeit vom Wahlkampf abzieht

Der überraschende Rücktritt des Papstes hat Italiens ermüdenden Männerwahlkampf ins Abseits gedrängt. Im "Corriere della Sera" begann die Politik am Dienstag erst auf Seite 20 - was viele Italiener durchaus begrüßen. Doch nun droht den Wahlkämpfern eine weitere Durststrecke von fünf Tagen. Der Grund: Das traditionelle Schlagerfestival von San Remo beansprucht die Aufmerksamkeit der italienischen Familien.

Das sülzige Festival gilt als einzige nationale Schlagerparade und zieht trotz Kritik fünf Abende lang Millionen Italiener in seinen Bann. Zwar wird es nur im ersten Programm der RAI live übertragen - doch angesichts der Einschaltquoten will niemand gleichzeitig auf anderen Sendern um Stimmen werben. Das ärgert vor allem Silvio Berlusconi, der darin eine Gefährdung demokratischer Rechte sieht. Der Cavaliere hält die beiden Moderatoren des Festivals, Fabio Fazio und Luciana Litizzetto, für Kommunisten und die mehrtägige Veranstaltung für eine linke Show, die dem Partito Democratico zugute kommt. Berlusconi forderte eine Verschiebung der biederen Großveranstaltung, weil sie ihn "an der Kommunikation hindert". Sein Hausblatt "Il Giornale" wettert seit Tagen gegen San Remo: "Ein kommunistisches Festival, zu dem nur Gegner von Berlusconi geladen sind." (Gerhard Mumelter, derStandard.at, 12.2.2013)

  • Die italienische Sängerin Dolcenera mit ihrem Lied 'Ci vediamo a casa'. Während der mehrtägigen Show sitzen zahllose Italiener zu Hause vor ihren Fernsehgeräten und kümmern sich nicht um Politik.
    foto: epa/claudio onorati

    Die italienische Sängerin Dolcenera mit ihrem Lied 'Ci vediamo a casa'. Während der mehrtägigen Show sitzen zahllose Italiener zu Hause vor ihren Fernsehgeräten und kümmern sich nicht um Politik.

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