Nicht übertragbare Krankheiten bedrohen Welt-Entwicklung

12. Februar 2013, 13:44
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Es gibt einfache Mittel, um Leiden wie Herzinfarkt, COPD, Diabetes oder Krebs vorzubeugen - Kritik an Tabak-, Nahrungs- und Getränkeindustrie

"Herzinfarkt & Co.", chronische Lungenkrankheiten (COPD), Diabetes und Krebs bedrohen die Entwicklung der Menschheit. Die weltweiten Kosten dürften sich von 6,3 Billionen US-Dollar (4,71 Billionen Euro) im Jahr 2010 auf 13 Billionen US-Dollar (9,72 Billionen Euro) im Jahr 2030 erhöhen.

Einfache Maßnahmen wie das Zurückdrängen des Tabak- und Alkoholkonsums, Reduzierung von Salz in der Ernährung, Vermeidung von Übergewicht und Bereitstellung wirksamer und kostengünstiger Behandlungsmöglichkeiten könnten Abhilfe bringen, stellen jetzt Experten in einer Serie von Beiträgen in der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" fest.

Nicht übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch

Die Situation hat sich gewandelt: Den größten Teil ihrer Geschichte war die Menschheit am meisten durch Infektionskrankheiten bedroht. Jetzt sind weltweit die nicht übertragbaren Krankheiten auf dem Vormarsch - am stärksten in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die das massenhafte Auftreten von chronischen Krankheiten wirtschaftlich am wenigsten verkraften können.

"Laut den jüngsten Schätzungen starben im Jahr 2010 weltweit 34,5 Millionen Menschen an nicht übertragbaren Krankheiten, das machte 65 Prozent der insgesamt 52,8 Millionen Todesfälle aus. Im Jahr 2030 könnten die nicht übertragbaren Krankheiten mehr als 50 Millionen Todesfälle fordern", heißt es in einer Zusammenfassung.

George Alleyne von der Pan American Health Organisation in Washington: "Gesundheit ist essenziell für die Menschen, um zu einer nachhaltigen Entwicklung, zu Produktivität und zu wirtschaftlichem Wachstum beizutragen und sich auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel einzustellen." Das alles sei durch diese Entwicklung bedroht.

Überschaubare Kosten für vorbeugende Maßnahmen

Laut Ruth Bonita von der Universität von Auckland, Neuseeland, und ihren Co-Autoren lägen die wichtigsten Maßnahmen in einem Zurückdrängen des Tabakkonsums, der Reduzierung der Salzaufnahme mit der Ernährung auf Länderebene sowie der Bereitstellung entsprechender günstiger Behandlungsmöglichkeiten für Herzkranke und Schlaganfallpatienten beziehungsweise Risikopersonen.

Nicht mehr als ein bis zwei US-Dollar (ca. 0,75 bis 1,50 Euro pro Einwohner, Anm.) pro Einwohner und Jahr würden solche Maßnahmen kosten. Eine Verringerung des Salzkonsums um generell 15 Prozent über zehn Jahre hinweg würde durch das Verhüten von Bluthochdruck in 23 Staaten, auf die 80 Prozent der Belastung durch nicht infektiöse Krankheiten entfallen, 8,5 Millionen Todesfälle verhindern.

Kritik an Nahrungs-, Getränke- und Alkoholkonzernen

"Multinationale Nahrungs-, Getränke- und Alkoholkonzerne nutzen ähnliche Strategien wie die Tabakindustrie, um die öffentliche Gesundheit zu unterminieren und sollten Regeln unterworfen werden", heißt es im "Lancet". Durch Verkauf und aggressive Marketingmaßnahmen von Tabak, Alkohol und Fertigmahlzeiten und -Getränken würden diese Wirtschaftszweige zu treibenden Faktoren der Entwicklung werden.

Um die Problematik der nicht ansteckenden Krankheiten speziell in den Entwicklungs- und Schwellenländern in den Griff zu bekommen, müssten auch die notwendigen Mittel dazu bereitgestellt werden: zum Beispiel bewährte, wirksame Medikamente auf der Basis von Generika. Hans Hogerzeil von der Universität Groningen betont, dass generisches Insulin in Ländern mit niedrigem und mittlerem Bruttoinlandsprodukt fünf bis acht Mal billiger sein könnte als derzeit für die neuesten Originalprodukte bezahlt wird.

Kombinationspräparate für Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiko, wie Blutdruckmittel-, Anti-Cholesterin- und Blut verdünnende Substanzen in einer "Polypill", könnten für Kosten von einem Dollar (ca. 0,75 Euro) pro Einwohner und Jahr 18 Millionen Todesfälle innerhalb von zehn Jahren in den ärmsten Staaten verhindern helfen. (APA/red, 12.2.2013)

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    Multinationale Nahrungs-, Getränke- und Alkoholkonzerne nutzten ähnliche Strategien wie die Tabakindustrie, um die öffentliche Gesundheit zu unterminieren, heißt es im "Lancet".

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