Behörde zieht Moskaus Superjet aus dem Verkehr

12. Februar 2013, 12:37
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Nächster Rückschlag für das russische Prestigeprojekt, den Superjet 100: Die Behörden ziehen vier Maschinen aus dem Verkehr

Auf der Luft- und Raumfahrtshow Aero India 2013 demonstrierte Russland mit einem Großaufgebot Stärke: neue Kampf- und Transporthubschrauber, Luftabwehrraketen und Jagdflugzeuge von Suchoi. Im militärischen Bereich ist der russische Luftfahrtsektor nach wie vor Spitze, und der asiatische Markt verspricht riesigen Absatz. Auf diesen Markt hofft auch der zivil genutzte Superjet 100, der in Bangalore am Rande der Militärmaschinerie ebenfalls präsentiert wird.

Ein interner Mängelberichts beim größten Kunden Aeroflot wirbelte allerdings jüngst Staub auf: Die Chefetage sei alles andere als zufrieden mit dem neuen Prestigeobjekt der zivilen russischen Luftfahrt. 40 Prozent der technischen Störungen bei Aeroflot-Flügen ereigneten sich mit dem Superjet, obwohl diese Maschinen nur acht Prozent des Fuhrparks ausmachen, hieß es zuletzt. Ausfälle gab es bei der Klimaanlage und dem Steuersystem, mehrfach versagte das Fahrgestell beim Ein- oder Ausfahren. Die staatliche Luftfahrtholding OAK als Eigentümerin des Superjet-Herstellers Suchoi versichert, dass die Mängel inzwischen behoben wurden.

Weiterer Rückschlag

Jetzt kommt allerdings der nächste Rückschlag: Russlands Luftfahrtamt zog laut der Nachrichtenagentur dpa vier Superjet-Maschinen aus dem Verkehr. Bei Tests seien wieder Probleme mit dem Fahrwerk und den Flügelklappen festgestellt worden, teilte das Luftfahrtamt mit. Aeroflot müsse neue Flugtauglichkeitszertifikate für die vier Maschinen vorlegen. Die Nachweise würden bis Ende Februar vorliegen, kündigte indes Suchoi an. Möglicherweise handle es sich um Konstruktionsfehler.

Derzeit gibt es rund 180 Bestellungen für den 27 Millionen Euro teuren Flieger. Um profitabel zu sein, müssten noch weitere 100 Aufträge eingehen. Im Herbst hat die russische Regierung ein gigantisches Investitionsprogramm abgesegnet, um im Luftfahrtsektor mit Europäern und Amerikanern mitzuhalten. So hofft Russland, seinen Marktanteil bei Zivilflugzeugen weltweit auf 3,2 Prozent zu steigern. Insgesamt investiert die russische Regierung bis 2025 rund 30 Milliarden Euro in die Branche. (red, derStandard.at, 12.2.2013)

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    Der Superjet 100 gilt als das modernste russische Passagierflugzeug. Sein Makel: Eine Mängelliste, die sich sehen lassen kann.

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