Spekulationen um Rücktritts-Motive von Benedikt XVI.

Gerhard Mumelter aus Rom
12. Februar 2013, 18:28
  • Ein als Schweizergardist verkleidetes Kind am Petersplatz in Rom. Der 12. Februar ist übrigens der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten.
    foto: reuters/rossi

    Ein als Schweizergardist verkleidetes Kind am Petersplatz in Rom. Der 12. Februar ist übrigens der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

  • Der Petersdom in der Vatikanstadt wurde prompt von einem Blitz getroffen.
    foto: reuters/ansa/ alessandro di meo

    Der Petersdom in der Vatikanstadt wurde prompt von einem Blitz getroffen.

  • Aktivistinnen der ukrainischen Frauenrechtsgruppe Femen feiern in der Pariser Kathedrale Notre Dame die Demission des Papstes.
    foto: reuters/charles platiau

    Aktivistinnen der ukrainischen Frauenrechtsgruppe Femen feiern in der Pariser Kathedrale Notre Dame die Demission des Papstes.

Konflikte in der Kurie, seltsame Machenschaften, geheime Dossiers und Fälle von Verrat

Die Italiener sind unerreichte Meister der "dietrologia", der Tendenz, hinter allem politische, mysteriöse Hintergründe zu vermuten. So verwundert es kaum, dass der "Corriere della Sera" dem Rücktritt des Papstes am Dienstag 19 Seiten seiner Ausgabe widmet.

"Conflitti, manovre, tradimenti" - neben der bloßen Berichterstattung wuchern Spekulationen über Konflikte in der römischen Kurie, über seltsame Machenschaften, geheime Dossiers und Fälle von Verrat.

Palium auf Coelestins Grab

Warum legte Benedikt XVI. zum Beispiel bei einem Besuch in L'Aquila sein Pallium - jenes Amtsabzeichen in Form einer über die Schultern gelegten Schleife - auf das Grab von Coelestin V., jenem Papst, der vor über 700 Jahren zurückgetreten war? Trägt sich Ratzinger wirklich mit der Absicht, noch vor seinem Abgang zum Monatsende eine neue Enzyklika zu veröffentlichen? Warum hat die in die Schlagzeilen geratene Vatikanbank IOR noch immer keinen neuen Chef?

Auch am Dienstag pilgerten die Vatikanisten in die TV-Studios, doch der Star war nicht darunter: Giovanna Chirri, die Kirchenexpertin der Nachrichtenagentur Ansa, die am Montag den Coup ihres Lebens gelandet hatte. "Ich habe im vatikanischen Pressebüro das Konsistorium zur Heiligsprechung der Märtyrer von Otranto verfolgt. Während der Rede von Kardinal Angelo Amato habe ich mich mit Kollegen unterhalten", erzählt die promovierte Philosophin. "Hellhörig wurde ich erst, als der Papst nach den rituellen Formeln noch eine ungewohnte Erklärung abgab."

"Ich konnte es kaum glauben"

Der 56-jährigen Journalistin kamen ihre Lateinkenntnisse zugute: "Als ich hörte, was er sagte, bin ich aufgesprungen. Ich konnte es kaum glauben und war total aufgeregt." Chirri rief sofort die Redaktion an und diktierte eine Flash-Meldung: "Papst tritt am 28. 2. zurück." Um 11.46 Uhr ging die sensationelle Nachricht um die Welt.

Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte am Dienstag, dass der Papst bis Monatsende alle geplanten Termine einhalten werde. Die Aschermittwochsprozession wurde indes in den Petersdom verlegt. Vorher werde der Papst seine gewohnte Audienz abhalten. Am Donnerstag werde er sich mit Priestern treffen. Die letzte Generalaudienz am 27. Februar wird am Peterplatz stattfinden, da eine große Menschenmenge erwartet wird. Eine offizielle Verabschiedung des Papstes sei nicht vorgesehen. Die Wahl des Nachfolgers, das Konklave, soll Mitte März beginnen, und noch vor Ostern soll es einen Papst geben.

Lombardi dementierte die Spekulationen um eine neue Enzyklika. Auf eine Frage wusste der Vatikan-Sprecher noch keine Antwort: mit welchem offiziellen Titel der Heilige Vater nach seinem Rücktritt anzusprechen sein wird.

Papst animiert zu Wetten

Wie schon vor acht Jahren nimmt der Online-Wettanbieter Paddypower auch diesmal Tipps für das Konklave an. Österreichs Kardinal Christoph Schönborn liegt mit 16:1 gut im Rennen. Kaum Chancen hat der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins: Der "Papst der Atheisten" hat eine Quote von 666:1 - wohl kein Zufall. Noch reicher könnte man mit U2-Sänger Bono Vox werden: Würde er Papst, könnte man den Wetteinsatz vertausendfachen. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 13.2.2013)

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Benedikt XVI

Meine Meinung dazu ist das wir schlechte Zeiten entgegen gehen und der Papst weiß einiges darüber das die ganze Menschheit noch nicht wissen darf.Und seine gesundheit ist nur eine ausrede.

klar doch.

deswegen geht er in Pension, setzt sich in sein geheimes Raumschiff und sieht sich die schlechten Zeiten denen sie entgegengehen aus der Ferne an.
lol - wie die Jugend so gerne sagt.

der Papst will nur sicher stellen, dass auch der richtige papst nach seinem Tod gewählt wird

auch wenn er nicht bei der Wahl teilnehmen darf, einen Einfluss darauf wird er haben!

Chronik der Ereignisse Februar 2013

Anfang Februar: Heino veröffentlicht ein neues Album und wird plötzlich zu einer Mischung aus Rapper und Punkrocker.
14.02.13: der Papst tritt zurück.
20.02.13: die große Koalition in Österreich beschließt massive Budgetkürzungen bei Föderalismus u. öffentlicher Verwaltung; die FPÖ fordert eine Arbeitserlaubnis für Asylwerber.
21.02.13: Saudi-Arabien und Iran trennen Religion und Staat.
28.02.13: Mag. Grasser geht in U-Haft.

Gibts fuer die Femen in der Ukraine nichts mehr zu demonstrieren?

Man muss ganz ehrlich sagen, dass ihm die Entscheidung wahrscheinlich nicht leicht gefallen sein wird und für diesen Schritt hat er meinen vollsten Respekt. Und wie das mein Vorposter schon so schön geschrieben, er macht den Platz frei für jemand anderen, der noch etwas verändern kann. Auch sollte die Gesundheit im Vordergrund stehen und wenn es tatsächlich diese sein sollte, die ihn zum Rücktritt bewegt hat, dann sei es so und dann ist die Entscheidung sicher besser für ihn!

Seltsam: Sie sagen "ganz ehrlich" etwas was Sie in Wirklichkeit nur vermuten können.

Typisch polnisch - typisch deutsch

Arbeite seit Jahren in beiden Ländern: der Unterschied im Zugang zu und der Lösung von Problemen spiegelt sich in erstaunlich typischer Weise bei den bei den beiden Päbsten Woytila und Ratzinger wider:
Der eine erträgt leidend, duldend sein Schicksal, der andere erkennt, dass er seine Organisation/der Gesellschaft nicht mehr "vorwärts bringen" kann und tritt aktiv zurück.

Was besser ist möge jeder für sich entscheiden, zu akzeptieren sind aber beide Wege.

Eine Verschwörungstheorie ist noch nicht aufgetaucht:

Wie wär's wenn's aus des Papstes (Genetiv - wie?) Vergangenheit irgendwo ein dunkles, sagen wir "Pünktchen" aufgetaucht wäre.

Theoretisch nur, sozusagen mit Unschuldsvermutung, wie man hierzulande so gern in letzter Zeit sagt.

Was soll denn noch auftauchen? Das alles weiß man ja bereits:

Der Papst war in der Hitlerjugend.

Der Papst hat als Chef der Glaubenskongregation mehr als 20 Jahre lang systematisch missbrauchende Priester geschützt und damit systematisch Missbrauch gefördert.

Der Papst hat die Intrigen im Vatikan, die schlimmer sein dürften als je zuvor, nicht im Griff
(Er wurde jahrelang von seinem Diener ausspioniert.)

Die Vatikanbank war und ist ein Hort der mafiösen Geldwäsche
(1970 gab es undurchsichtige Geschäfte mit der Mafia, 1982 wurde ein führender Banker (Roberto Calvi) und seine Sekräterin umgebracht, 2010 ermittelt die italienische Finanzpolizei wg. Geldwäsche, die Bilanz wird bis heute nicht offengelegt, im Mai 2012 trat Tedeschi zurück, den der Papst eingesetzt hatte um aufzuräumen).

Verschwörungstheorie

EKELERREGEND !

som etwas taucht im Vatikan nie auf

siehe nur z.B. die Frauengeschichten der diversen Päpste (Borgia).

Aber der Film "Habemus Papam" hat ja auch schon die Selbstzweifel des Herrn Ratzinger angedeutet

Die Deutschen haben halt eine Rücktrittskultur.

Der Papst geht in Rente...

...und in China fällt ein Fahrrad um....gähn...wen interessierts ?

Das weltweite Interesse ist gigantisch.

Aber wer zu borniert ist, solche simple Tatsachen anzuerkennen, muss das natürlich auch kundtun - schliesslich muss der Standard Leser ja auch wissen, wie hinterwäldlerisch der Poster Kindl ist.

abgesehen, dass ich zu themen, die mir am a...lerwertesten vorbeigehen, nicht poste,

wäre die zeit reif für alternativen zum fahrradl/reissackl/china-spruch.

zb:

... und in kolumbien haben's a kilo koks verkauft.

oder

... und in wien ist dem bürgermeister ein achterl rot umgefallen

oder

... und in afrika hat ein pavian einen sonnenbrand gekriegt.

oder

... und in thailand hat sich einer eine filzlaus eingefangen.

oder

... und in kärnten hat ein politiker das handerl aufgehalten.

vielleicht fällt einem noch was besseres ein. lustloses gegenstände umschmeißen in china ist definitiv out. ;-)

Aber Ihr Posting soll jemanden interessieren? gähn...

...wen interessiert...

...noch dieser Chinaspruch?...gäähn

in China (Peking) kann man doch

vor lauter Smog nicht einmal ein Fahrrad mehr sehen. Da fallen eher Chinesen um wegen des Drecks in der Luft

Das ist doch die einzige verbliebene Möglichkeit lange als Papst im Gedächtnis zu bleiben - und Benedikt ist wirklich kein uneitler Papst. Dieser Aspekt könnte bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt haben.

Das ist ein 85jähriger der nur noch mit brüchiger Stimme leise spricht und auf einem Holzpodest durch den Petersdom geführt wird, aber trotzdem spekulieren etliche über die Rücktrittsgründe.
Der Papst kann den Job offensichtlich eh nicht mehr ganz ausfüllen und seine Berater und Mitarbeiter machen die Arbeit. Da ist es doch besser, er tritt zurück und es wird ein offizieller Nachfolger definiert.

Ist schon klar, aber dennoch neu.
Der Papst hat ja auch gewusst, was auf ihn zukommt, als er die Wahl angenommen hat.

Bei all den Vorfällen der letzten Jahre muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, um hinter dem Rücktritt mehr zu sehen, als gesundheitliche Probleme.

"Konflikte in der Kurie, seltsame Machenschaften, geheime Dossiers und Fälle von Verrat"

genau das sind meine Assoziationen zum Wort "Vatikan".
Passt.
Eher nicht würde ich dazu aber Begriffe wie "Menschenliebe" assoziieren.

Der Papst hat von der Existenz der Roosvelt-Aliens auf dieser Erde erfahren und deshalb seinen Glauben verloren. Das ist die Wahrheit. Die hier gezeigte selektive Auswahl von Spekulationen ist beschämend und einem Qualitätsblatt unwürdig.

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