Werberat-Bilanz 2012: Am meisten Unmut über sexistische Werbung

12. Februar 2013, 13:37
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13 Kampagnen wurden 2012 zum Stopp aufgefordert, 25 Auftraggeber zu mehr Sensibilität aufgerufen - Werberat gegen "Retusche-Verordnung" - Gremium künftig auch für politische Kommunikation, aber nicht für partei- und wahlpolitische Werbung, zuständig

Wien - Der Österreichische Werberat hatte 2012 viel zu tun. Insgesamt wurden 173 Entscheidungen zu Beschwerden über Werbekampagnen getroffen, 13 davon wurden mit einem Stopp belegt, bei 25 Kampagnen wurden die Auftraggeber aufgerufen, sensibler zu sein. Es sind meist kleine und mittlere Unternehmen, die gegen den Ehrenkodex des Werberats verstoßen. Geworben wird hier etwa mit einer nackten Frau für Skischuhe oder mit "Holz vor der Hütte" für Brennstoff, illustriert mit einem weiblichen Oberkörper. 12 von 13 Unternehmen sind dieser Stopp-Aufforderung gefolgt. 

Es gebe heute eine größere Sensibilität für sexistische Werbung als früher, sagt Straberger. Das sei auch ein Grund, warum die Anzahl der Beschwerden von Jahr zu Jahr steige. 2012 wurden 347 Beschwerden beim Werberat eingereicht, im Jahr davor waren es 278. 

Pro-Ethik-Siegel als 'State of the Art' bei der Auftragsvergabe

Vor allem große Unternehmen würden sich immer mehr an die Selbstregulierung halten. Straberger verweist auf das Pro-Ethik-Siegel, das im Oktober 2012 eingeführt wurde. Rund 40 dieser Auszeichnungen seien mittlerweile verliehen worden, darunter Auftraggeber wie die ÖBB, Casinos Austria, Rewe Group, Deichmann, Herold oder Raiffeisen. Träger dieses Siegels verpflichten sich, "die ethischen und moralischen Grundsätze des Ethik-Kodex der Österreichischen Werbewirtschaft zu unterstützen. Ziel sei es, das Pro-Ethik-Siegel der Werberwirtschaft als 'State of the Art' bei der Auftragsvergabe zu etablieren".

Gegen Retusche-Verordnung

Geschlechterdiskriminierende Werbung war auch im vergangenen Jahr der Hauptgrund bei Beschwerden, gefolgt von Ethik & Moral, Rassismus, Gewalt, Irreführung und Täuschung und Gefährung von Kindern und Jugendlichen. Dem Vorschlag von Frauenministerin Heinisch-Hosek zu Kennzeichnungspflicht für retuschierte Werbefotos kann der Werberat wenig abgewinnen. "Der ÖWR spricht sich klar gegen eine Retusche-Verordnung", sagt Straberger. Man setze auch hier auf Selbstregulierung und Bewusstseinsbildung und gegen gesetzliche Bestimmung. Straberger kündigt eine sogenannte "Retusche-Ampel" auf der Homepage des Werberats an. Diese Plattform soll exemplarisch Veränderungen durch Bildretuschen zeigen und so zu einer Sensibilisierung beitragen.

Selbstregulierung bei Onlinewerbung

Wie schon 2011 waren auch im vergangenen Jahr TV-Spots am häufigsten von Werberatsentscheidungen betroffen, knapp gefolgt von Plakaten. Der Bereich Online würde hier stark zulegen, immer mehr Menschen beschweren sich über Werbemaßnahmen im Internet. Die Selbstregulierung im Bereich Online wird auch in den kommenden Monaten zentrales Thema sein. Gemeinsam mit anderen Interessensvertretungen soll das Thema Selbstbeschränkung von verhaltensorientierter Internet-Werbung, Stichwort Cookies, Tracking, bearbeitet werden.

Politische Werbung

Ende Jänner hat der Werberat auch die Erweiterung des Zuständigkeitsbereichs beschlossen. Im Wahljahr 2013 wird das Gremium zwar nicht für partei- und wahlpolitische Werbung zuständig sein, sehr wohl aber über die Kommunikation zur Information der Bürger durch öffentliche Stellen urteilen. Straberger: "Nicht zuletzt aufgrund des neuen Medientransparenzgesetzes scheint eine Neuinterpretation der Kompetenzen des ÖWR für politische Werbung sinnvoll". (ae, derStandard.at, 12.2.2013)

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Österreichischer Werberat

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  • Stopp gefordert, noch immer online: "Kurvenwunder" von Mikrobelag - es geht um Straßenbau.
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  • Beschwerdegründe 2012.
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  • Betroffene Medien 2012.
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