Serbien: Affäre um Mafia-Kontakte weitet sich aus

12. Februar 2013, 11:33
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Ermittler untersuchen auf Zypern Kontakte vom reichsten Serben Miskovic zum flüchtigen Kokain-König Saric

Belgrad - Die in Serbien tobende Affäre um Kontakte von Politikern, Polizisten sowie Geschäftsleuten zur Mafia weitet sich aus. Serbische Ermittler haben in diesem Zusammenhang nun auch den reichsten Serben, den Chef der Delta-Holding Miroslav Miskovic, unter die Lupe genommen. Ein Ermittlerteam hält sich laut der Tageszeitung "Danas" derzeit auf Zypern auf, um die Kontakte zwischen einer dortigen Firma von Miskovic mit dem flüchtigen "Kokain-König" Darko Saric zu untersuchen.

Laut einem Bericht der Kriminalpolizei soll Saric zwischen 2007 und 2009 rund 100 Mio. Euro in eine von Miskovic in Belgrad errichtete Wohnsiedlung investiert haben.

Miskovic befindet sich wegen Finanzmachenschaften bei der Privatisierung von Straßenunternehmen seit Dezember in Untersuchungshaft, Saric ist seit Ende 2009 flüchtig.

Die Ermittlungen gegen Regierungs- und Polizeifunktionäre, unter ihnen Premier Ivica Dacic, die Kontakte zu Angehörigen der Mafiagruppe um Saric unterhalten hatten, sollen laut der Tageszeitung "Blic" auch zeigen, ob dabei eventuell auch Staatsgeheimnisse verraten wurden.

Dacic gab Kontakte zu

Dacic hatte vor zehn Tagen seine gut vier Jahre zurückliegenden Kontakte mit dem Geschäftsmann aus dem Umfeld von Saric, Rodoljub Radulovic, zugegeben. Er sei als Innenminister von den Nachrichtendiensten nicht davor gewarnt worden, behauptet Dacic. Sein damaliger Kabinettschef Branko Lazarevic steht laut "Blic" unterdessen unter dem Verdacht, Radulovic Informationen über laufende Polizeifahndungen übermittelt zu haben.

Mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit hat sich nun der inzwischen ebenfalls flüchtige Radulovic gemeldet. Er habe keine Kontakte zu Darko Saric und seinem Clan. Er sei an keiner Straftat mit auch nur "einer einzigen Promille" beteiligt, ließ Radulovic laut dem Boulevardblatt "Vecernje novosti" wissen.

In Serbien wird Radulovic des Schmuggels von 1,8 Tonnen Kokain verdächtigt. Seine Geschäfte auf Florida sollten laut früheren Belgrader Medienberichten vor Jahren mit Klagen und der Beschlagnahmung seines Vermögens abgeschlossen worden sein.

Vorwürfe, Kontakte zur Mafia zu unterhalten, muss unterdessen auch die zwischen 2004 und 2008 regierende nationalkonservative Demokratische Partei Serbiens (DSS) von Vojislav Kostunica über sich ergehen lassen. In jener Zeitspanne soll der "Kokain-König" Saric intensiv am Privatisierungsprozess in Serbien teilgenommen haben, um sein Drogengeld zu waschen. Es dürfte sich um Hunderte Millionen handeln. Die genaue Summe des Drogengeldes, das durch die Privatisierung, allen voran in der nordserbischen Provinz Vojvodina, gewaschen wurde, ist noch nicht festgestellt worden. Für den Privatisierungsprozess waren in der Regierung DSS-Spitzenfunktionäre zuständig. Die Partei von Kostunica wies unterdessen die Vorwürfe zurück, von Saric eineinhalb Jahre lang mit 220.000 Euro monatlich finanziert worden zu sein. (APA, 12.2.2013)

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