Marco Rubio: Strohhalm der Republikaner

Porträt12. Februar 2013, 13:50
21 Postings

Der Sohn kubanischer Einwanderer hält Dienstagabend die Gegenrede zu Obamas State of the Union Address

Als zweiter Redner hinter US-Präsident Barack Obama aufzutreten ist keine leichte Aufgabe. Marco Rubio wird es Dienstagabend in Washington trotzdem wagen. Der Republikaner wird für seine Partei auf die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation (State of the Union Address) antworten. Zuhören wird der gesamte US-Kongress - also Senatoren und die Abgeordneten des Repräsentantenhauses.

Jährlich stellt der Präsident bei dieser Rede sein Programm für das kommende Jahr vor. Jedes Wort wird dabei auf die Goldwaage gelegt: Wie oft redet Obama übers Klima? Was wird er zur wirtschaftlichen Situation sagen? Wird er gegen die Waffenlobby Stellung beziehen oder sich zu den Drohnenangriffen äußern?

Republikanischer Cover-Boy

Der Redner der Oppositionspartei tritt dabei naturgemäß in den Hintergrund. In den vergangenen Jahren gingen Bobby Jindal, Mitch Daniels und Paul Ryan nach Obama ans Rednerpult. Namen, die bis auf Paul Ryan, der für das Amt des Vizepräsidenten kandidierte, einer größeren Öffentlichkeit unbekannt geblieben sind. Diesmal allerdings schicken die Republikaner Marco Rubio in den Ring. Der 41-jährige Jurist gilt als die große Zukunftshoffnung einer Partei, die nach der erneut verlorenen Präsidentschaftswahl ihre Wunden leckt. Das Magazin "Time" hob Rubio sogar auf das aktuelle Cover. In großen gelben Lettern steht über dem Bild Rubios: "Der republikanische Retter".

Verlorene Stimmen zurückbringen

Erst seit zwei Jahren vertritt Rubio als Senator den Bundesstaat Florida in Washington. Zuvor war er Sprecher des Repräsentantenhauses von Florida. Sein Erfolg bei der Kongresswahl 2010 beruhte auch auf der Unterstützung der erzkonservativen, staats- und steuerfeindlichen Tea-Party-Fraktion innerhalb der Republikanischen Partei.

Nun soll Rubio, der in Miami geborene Sohn kubanischer Einwanderer, Wählerstimmen zurückholen, die der Grand Old Party im vergangenen Jahrzehnt verloren gegangen sind: die der Hispanics und der Jungen. Seine Rede am Dienstagabend wird er zweisprachig halten - auf Englisch und Spanisch.

Der Weg zur Staatsbürgerschaft

Das Thema, mit dem er derzeit zu punkten versucht, scheint ihm auf den Leib geschneidert: Immigration. Rubio ist einer der acht Senatoren, die einen überparteilichen Vorschlag zur Reform der US-Einwanderungspolitik ausgearbeitet haben. Rubios Standpunkt: Die rund elf Millionen illegal Eingewanderten sollen die Möglichkeit bekommen, die US-Staatsbürgerschaft zu erhalten. Allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen: Die Grenzen der USA sollen dicht sein, die Arbeitserlaubnis der Einwanderer muss überprüfbar sein und Einwanderer, die auf legalem Weg in die USA kommen, dürfen nicht benachteiligt werden.

Wechselnde Standpunkte

Rubios Standpunkt zur Einwanderungspolitik war nicht immer derselbe. Noch vor der Präsidentschaftswahl war er ein erbitterter Gegner des von Obama vorgeschlagenen "Dream Act", der minderjährigen Kindern von illegal Eingewanderten einen Weg zur US-Staatsbürgerschaft bieten soll. Sein aktueller Standpunkt ist eine Gratwanderung: Auf der einen Seite darf er die konservativen Hardliner der Republikaner nicht vergraulen, andererseits soll er mit einem eher liberalen Standpunkt die Republikaner für Hispanics wieder wählbar machen.

Bei Themen abseits der Einwanderungspolitik weicht Rubio nicht von der aktuellen Parteilinie der Republikaner ab. Er spricht sich gegen eine Erhöhung der Staatsschulden aus und nennt Obamas Gesundheitsreform wirtschaftlichen Selbstmord.

Strohhalm oder Retter

Rubios Kritiker nennen ihn einen Opportunisten. "Marco Rubio macht, was auch immer gut für Marco Rubio ist", sagte Raul Martinez, ein Demokrat aus Florida, zum Magazin "Time". Auch seine aktuelle Beliebtheit könnte ihm zum Nachteil gereichen. Zwar wird schon über eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2016 spekuliert, aber ein neues Gesicht, das schon so früh dermaßen viel Aufmerksamkeit bekommt, bietet in den kommenden vier Jahren auch viel Angriffsfläche. Ein Wahlkampf als junges, unverbrauchtes Talent ist dann kaum mehr möglich. Es bleibt also abzuwarten, ob Rubio der Retter der Republikaner ist oder lediglich ein weiterer Strohhalm, an den sich die Konservativen klammern. Nur eines ist sicher: Zumindest am Dienstagabend wird er Obamas Nachfolger sein. Am Rednerpult. (Michaela Kampl, derStandard.at, 12.2.2013)

Share if you care.