Zehn Feministinnen an Klagemauer festgenommen

12. Februar 2013, 11:15
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Organisation WOW fordert gleichberechtigtes Tragen von Gebetsschals und Thora für Frauen

Jerusalem - Zehn jüdische Feministinnen, die entgegen der Religionsgesetze an der Klagemauer Gebetsschals und eine Thorarolle trugen, sind von der Polizei festgenommen worden. Wie Sprecherin Luba Samri von der Reformgruppe "Women of the Wall" (WOW) berichtete, waren am Montag rund hundert Frauen bedeckt mit Schals mit Zipfelquasten zur Klagemauer gezogen, um dort zu beten und zu singen. Am Ende der Zeremonie seien zehn von ihnen beim Verlassen des abgesperrten Geländes in der Jerusalemer Altstadt festgenommen und auf einer Polizeistation verhört worden.

Oberster Gerichtshof bekräftigt Vorrechte der männlichen Orthodoxen

Die "Women of the Wall" treten einmal pro Monat mit solchen Aktionen für die Gleichberechtigung der gläubigen Jüdinnen beim Gebet am heiligsten Ort ihres Glaubens ein. Der Oberste Gerichtshof Israels hatte bekräftigt, dass die Gebetsschals mit den Schaufäden und das Tragen der Gebetsrolle den Haredim, also den männlichen ultra-orthodoxen Juden, vorbehalten ist. Zuwiderhandlungen können mit bis zu sechs Monaten Gefängnis und rund 2.300 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Auch singen dürfen die Jüdinnen an der Klagemauer nicht. Rabbiner haben die Befürchtung geäußert, der weibliche Gesang könne bei den abgetrennt gleich nebenan betenden Männern sexuelle Gefühle erzeugen. Die Klagemauer ist die westliche Begrenzungsmauer des Zweiten Tempels der Juden, den die Römer im Jahr 70 zerstörten, wobei nur dieser bauliche Rest erhalten blieb. 

Jahrzehntelanges Engagement

WOW setzt sich seit 1988 für gleiche Rechte von Männern und Frauen an der Klagemauer ein. Wiederholt wurden an der Klagemauer Frauen wegen unerlaubten Gebetsaktivitäten verhaftet, berichtet RP-Online. Zwar ist es Frauen im abgetrennten Bereich erlaubt zu beten, sie dürfen jedoch nicht aus der Heiligen Schrift, der Torah, vorlesen oder die traditionellen Gebetsutensilien der Männer nutzen. (APA/red, dieStandard.at, 12.2.2013)

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    Nach dem gemeinsamen Gebet wurden fünf Aktivistinnen der WOW-Gruppe von der Polizei abgeführt.

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