Wider das Klischee BummelstudentIn

Leserkommentar12. Februar 2013, 17:08
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Warum BummelstudentInnen meistens unfreiwillig bummeln

Party, ausschlafen, Uni verpasst: So sieht bei vielen Studierenden den Klischees Außenstehender zufolge der Alltag aus. Sie machen keine Prüfungen, erscheinen nur sporadisch im Universitätsgebäude und nehmen auch sonst ihr Leben als ordentliche Studierende nicht ganz so ernst. Durch den Besuch von Vorlesungen, die dem eigenen Interesse entsprechen, auf neue Gedanken zu kommen ist einem Abschluss in absehbarer Zeit vorangestellt. "Ich studiere, um zu studieren", lautet das Motto. Ob man dann auch irgendwann einmal eine nennenswerte Berufsausbildung vorweisen kann, ist sekundär.

Es ist schon richtig, dass es an österreichischen Universitäten eine Vielzahl solcher StudentInnen mit Desinteresse an einem ernst zu nehmenden Studienerfolg gibt. Oder Studierende, die sich für zig Studienrichtungen inskribieren, aus Mangel an Entscheidungskraft oder einfach aus Lust und Laune, um so manche "Zu-viel-Freizeit-Periode" zu überbrücken.

Vorstellung versus Realität

Dabei ist aber immer zu bedenken, dass Kritik meist von Personen erhoben wird, die nicht studieren oder schon vor langer Zeit studiert haben und deshalb keinen wirklichen Einblick in die aktuelle Situation an den Universitäten besitzen. Endlose Schlangen vor überfüllten Hörsälen und StudentInnen, die sich mit Mühe und Not noch in die Säle zwängen und zwei Stunden am Boden sitzend verbringen, bestimmen das tägliche Geschehen an den Universitäten.

In früheren Jahren war es auch noch bedeutend einfacher, neben der Berufstätigkeit zu studieren, da es die vielen aneinander geknüpften Voraussetzungsketten noch nicht gab. Wer heute neben dem Studium einen Job hat, wird es ziemlich schwierig haben, in Mindeststudiendauer - die, nebenbei bemerkt, eng bemessen ist - seinen Abschluss zu machen.

Schwierige Finanzierung

Hier könnte man einwerfen, dass StudentInnen vor ihrem Abschluss nicht arbeiten müssen, sondern sich lieber voll und ganz ihrem Studium widmen sollten. Würden viele ja auch, wären da nicht ständig steigende Mietzinse, hohe Preise für Gas und Strom und die sich stetig erhöhenden Kosten für Lebensmittel.

Übungen und Seminare mit begrenzter Teilnehmerzahl, die dann eventuell nicht einmal jedes Semester angeboten werden, sind oftmals weitere Faktoren, die einen schnellen Studienabschluss verhindern. Aber auch anfängliche - durchaus erlaubte - Fehlstarts bei der richtigen Studienwahl können einem raschen Abschluss in die Quere kommen.

Es gibt sicher genügend Studierende, die ein unbeschwertes Dasein fristen und unbekümmert in den Tag hineinleben. Sie aber alle in einen Topf zu werfen und das Wort "Bummelstudent" auf alle, die trotz guten Willens nicht innerhalb der vorgegebenen Studiendauer ihren Abschluss schaffen, anzuwenden ist eine schlichte Verfälschung der Tatsachen. Denn nicht alle bummeln freiwillig. (Carina Keplinger, Leserkommentar, derStandard.at, 12.2.2013)

Carina Keplinger ist Studentin.

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