Pestizid-Rückstände in österreichischem Mehl nachgewiesen

12. Februar 2013, 10:29
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Greenpeace fand elf positive Proben, AGES spricht von drei - Laut Lebensministerium wurden seit 2009 keine Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat mehr gefunden

Eine Untersuchung sorgt für Widersprüche. Der Hintergrund: Das Umweltbundesamt in Wien hat in allen elf von ihm getesteten österreichischen Mehl- und Backwarenprodukten das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat oder ein Abbauprodukt davon gefunden. In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Das Lebensministerium verlautbart dagegen, dass die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) das Pestizid seit dem Jahr 2009 in keiner Getreideprobe nachweisen konnte.

"Greenpeace ist auf ein offensichtliches Versagen der amtlichen Kontrollen gestoßen. Wir fordern den zuständigen Minister Stöger auf, umgehend ein verbessertes Monitoring-Programm für Glyphosat-Rückstände in Getreideprodukten zu initiieren und die Daten zu veröffentlichen", erklärte Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster in einer Aussendung.

Drei positive Proben

Auf Nachfrage von derStandard.at will die AGES in den Jahren zwischen 2009 und 2012 in insgesamt drei der von ihr untersuchten Proben Rückstände nachgewiesen haben. Dabei sei die Konzentration aber jedes Mal unter dem gesetzlichen Grenzwert gelegen. Den Unkrautvernichter konnte man in den vergangenen Jahren laut der AGES-Sprecherin auch in Hülsenfrüchten und Ölsaaten nachweisen. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass sämtliche gefundenen Rückstände nicht gesundheitsgefährdend seien.

Greenpeace: Anteil über der Nachweisgrenze

Das Umweltbundesamt hat für seine Studie sieben Mehle wie "Fini's Feinstes Weizenmehl" und "Universal Farina Weizenmehl" auf Glyphosat untersucht, außerdem vier Gebäckarten. Laut Greenpeace stammte das Mehl zu einhundert Prozent aus österreichischer Landwirtschaft. Die gefundene Konzentration des Pestizides lag dabei jedes Mal deutlich über der Nachweisgrenze. Diese definiert, in welcher Konzentration zum Beispiel ein Pestizid in einer Probe vorhanden sein muss, damit es nachgewiesen werden kann.

Zwar war die nachgewiesene Konzentration in keinem Fall gesundheitsgefährdend, doch zeigen die Werte laut Greenpeace, dass das Pestizid noch immer flächendeckend in der österreichischen Landwirtschaft eingesetzt wird. Für Greenpeace-Sprecher Schuster ist "jeder Pestizidrückstand in Lebensmitteln unerwünscht". Immerhin gebe es den Verdacht, dass der Wirkstoff das Erbgut von Menschen und Tieren schädige.

Grenzwerte für Glyphosat

In den elf Proben, die Greenpeace testen ließ, betrug der Maximalwert an Glyphosat 46 Mikrogramm pro Kilogramm. Der österreichische Grenzwert für Glyphosat liegt im konventionellen Anbau je nach Art des Getreides zwischen 100 und 20.000 Mikrogramm pro Kilogramm.

Glyphosat und sein wichtigstes Abbauprodukt AMPA (Aminomethylphosphonsäure) sind laut der Umweltschutzorganisation vor allem aufgrund ihrer hohen Wassergefährdungsklasse ein großes Problem. Glyphosat wirkt als Totalherbizid, das alle Pflanzen abtötet, mit denen es in Kontakt kommt. Traditionell wird es in der Landwirtschaft vor der Aussaat eingesetzt, in den vergangenen Jahren aber auch zusätzlich rund zehn Tage vor der Ernte von Weizen und Soja. (bbl, derStandard.at, 12.2.2013)

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    Alle vom Umweltbundesamt untersuchten Mehlsorten wiesen Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf.

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