Auf der Meisterstraße per Hand nach Lech

12. Februar 2013, 16:31
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Der Schuster bleibt bei seinen Leisten, und der Bäcker verdient sich sein Brot, wenn in Luxushotels edles Handwerk einzieht

Das Hirschgeweih kann man sich nicht nur an die Wand hängen, es macht sich auch auf der Nase ganz gut - als Brille, nicht im Ganzen. Wie des Jägers Stolz zur Sehhilfe wird, kann man zurzeit im Hotel Sonnenburg in Oberlech sehen. Dort, bei der kunstsinnigen Familie Hoch, hat nämlich der Goiserer Optikermeister Manfred Pamminger seine Werkstatt auf Zeit eingerichtet und fertigt vor interessierten Skiurlaubern Maßbrillen von puristisch bis trachtig.

In Pammingers Heimatort Bad Goisern entstand vor zwölf Jahren mit dem Zusammenschluss von neun Handwerksbetrieben die "Meisterstraße Austria". Seither suchen Nicola und Christoph Rath in ganz Österreich Betriebe für ihr Netzwerk. Insgesamt 360, vom Kleinstbetrieb bis zur Manufaktur mit Geschichte, gehören mittlerweile zur Dachmarke. Und weil Tirol und Vorarlberg noch weiße Flecken auf der Handwerkskarte sind, machten sich die Raths mit elf Meisterstraßen-Mitgliedern in den Semesterferien erstmals auf in den Westen.

Meister der Vermittlung

"Meisterstraße in Residence" heißt das Projekt. In zwölf Lecher Tophotels zeigen Meisterinnen und Meister aus Wien, Salzburg, Oberösterreich, Kärnten, Tirol und aus der Steiermark ihr Können und ihr Produkte. Es gehe um das Vermitteln einer fremden Kultur, wenn man die Gäste mit regionalen Produkten und Handwerkstraditionen vertraut mache, sagt Ideengeber Bernhard Wallmann. Der Touristikberater weiß um die Auswüchse touristischer "Kulturvermittlung" - er war einst Tourismusdirektor von Mayrhofen im Zillertal. Lech, wo man sich ohnehin der Exlusivität verschrieben habe, sieht er als den passenden Ort, Qualitätshandwerk zu präsentierten und den "Informationsfluss zwischen Hotellerie und Handwerksbetrieben zu fördern".

In Hotels, wo Einkaufsbutler und Freizeitdesigner zum Standard gehören, ist die direkte Präsenz von Produzenten aber durchaus noch ungewöhnlich. So wird etwa der Wiener Schuhmacher Harald Kammel beim Fertigen seiner Maßschuhe in der Lobby des Burghotels Oberlech nicht nur von Gästekindern bestaunt.

Bei einem Dorfrundgang lässt sich gut Handwerkschauen. Ein möglicher Ausgangspunkt ist der Ortsteil Omesberg. Im Kristiania, dem Hotel der Kunstsammlerin Gertrud Schneider, erklärt Porzellanmalerin Teresa Keller mit charmanter Geduld, wie die feinen Röschen aufs Augartenporzellan kommen - und macht ganz Interessierten auch gleich Mut, einen der Malkurse in der Wiener Porzellanmanufaktur zu besuchen.

Vom Bäcker zur Post

Dann zur Backstube Gotthard, dem ersten und bisher einzigen Lecher Meisterstraßen-Betrieb. Im Café der Bäckerfamilie Walch malen Heidi Kleiner und Albert Lechner Schilder und Tafeln nach Wunsch. Gleich nebenan im Hotel Post (Stammherberge der niederländischen Königsfamilie) ist der Hofschneider der Gastgeberfamilie Moosbrugger, der Ausseer Georg Haselnus mit seinen Trachten zu Gast. Geschneidert wird auch vis-à-vis bei Schneiders im Hotel Arlberg - hier nimmt Stefan Wimmer aus Schleedorf Maß fürs Dirndl. Beim Nachbarn in der Krone macht Designer Thomas Rettl auf k. u. k., Kilt und Karo.

Über den Lechbach hinüber geht's in den Almhof Schneider. Dort, im passenden Ambiente der Vinothek, wird Glas graviert. Seit zwei Generationen sind die Schneiders und die Lobmeyrs aus Wien geschäftlich verbunden. Erstmals können sich Almhof-Gäste von Andreas Rath (sechste Lobmeyr-Generation) in die immer seltenere Kunst der Kupferradgravur einweihen lassen.

Hinter dem Almhof, im Aurelio, dem Luxushotel von Oleg Deripaska, wird manches geschmiedet, aktuell ist es Silber, und zwar von Könnern der Wiener Silbermanufaktur. In der Nachbarschaft, im Hotel Angela, residiert wieder Augarten. Und weiter den Tannberg hinauf, im Hotel Hinterwies wartet Christian Fuchs, Buchbinder aus Saalfelden auf Bibliophile. Die ganz Sportlichen wandern dann noch nach Zug hinein. Zu Fuß, auf Langlaufskiern oder mit dem Pferdeschlitten. Wie auch immer man zur Roten Wand von Joschi Walch kommt: Tina Hinteregger erwartet einen mit Hemden der Wäschemanufaktur Babitsch zum Wechseln.

Die "Meisterstraße in Residence" in den Hotels Almhof Schneider, Angela, Arlberg, Aurelio, Burghotel Oberlech, Gotthard, Hinterwies, Kristiania, Krone, Post, Rote Wand und Sonnenburg findet das nächste Mal von 3. bis 10. August 2013 statt. (Jutta Berger, Album, DER STANDARD, 9.2.2013)

Informationen: Meisterstrasse Austria

  • Der Wiener Harald Kammel in seiner Werkstatt. In der Lobby des Burghotels Oberlech arbeitet er ebenfalls an leisen Sohlen.
    foto: meisterstrasse og

    Der Wiener Harald Kammel in seiner Werkstatt. In der Lobby des Burghotels Oberlech arbeitet er ebenfalls an leisen Sohlen.

  • Im Rahmen des Projekts "Meisterstraße in Residence" zeigen zwölf Lecher Tophotels Meisterinnen und Meister aus Österreich ihr Können und ihr Produkte.
    foto: meisterstrasse og

    Im Rahmen des Projekts "Meisterstraße in Residence" zeigen zwölf Lecher Tophotels Meisterinnen und Meister aus Österreich ihr Können und ihr Produkte.

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    foto: meisterstrasse og
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