Nordkorea droht nach Atomtest mit weiteren Aktionen

12. Februar 2013, 18:51
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Dritter Versuch doppelt so stark wie Explosion im Jahr 2009 - Sicherheitsrat verurteilt Test

Pjöngjang/Seoul - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat den jüngsten Atomtest Nordkoreas als schwerwiegende Verletzung der bestehenden Resolutionen verurteilt. Der Sicherheitsrat werde als Antwort auf das Vorgehen des kommunistischen Regimes unverzüglich mit der Ausarbeitung "angemessener Maßnahmen" beginnen, erklärte der Vorsitzende des höchsten UN-Gremiums, Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan, nach einer Dringlichkeitssitzung am Dienstag in New York. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, sagte, die USA und ihre Verbündeten strebten an, die Sanktionen gegen Nordkorea weiter zu verschärfen.

Nordkorea rechtfertigte den Atomtest als Akt der Selbstverteidigung gegen eine aggressive Politik der USA und drohte  mit einer weiteren Eskalation. "Dieser Atomtest war nur die erste Antwort, die wir mit äußerster Zurückhaltung gegeben haben", erklärte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums am Dienstag über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Sollten die USA weiterhin auf Feindseligkeit setzen und die Situation verschärfen, sei Nordkorea gezwungen, stärkere zweite und dritte Antworten zu geben, sagte der Ministeriumssprecher.

Unter Verletzung mehrerer UN-Resolutionen hatte das kommunistische Regime in der Nacht auf Dienstag seinen dritten Atomtest unternommen. Experten zufolge war er deutlich stärker als die Tests 2006 und 2009 und hatte gut ein Drittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Noch am Dienstag sollte ein Dringlichkeitstreffen des UN-Sicherheitsrats stattfinden. Dabei dürften weitere Strafmaßnahmen gegen Nordkorea auf der Tagesordnung stehen.

UNO: Atomtest doppelt so stark wie 2009

Die UNO-Behörde zur Überwachung des Atomwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) sprach von einem doppelt so starken Ereignis wie beim letzten Atomtest der Nordkoreaner im Jahr 2009. Der Vorfall habe eine seismische Stärke von 5 erreicht. Die Explosion sei wie die beiden vorhergegangenen nordkoreanischen Atomtests knapp unter der Erdoberfläche erfolgt.

Die Behörde will in den kommenden 48 Stunden weiter nach schlagenden Hinweisen auf eine Kernwaffenzündung suchen. Bis dahin spricht CTBTO weiter von einem "Ereignis". Als einziger sicherer Beweis gilt der Nachweis von Radionukleiden in der Luft. Diese Messungen werden laut CTBTO zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen.

Plutonium oder Uran?

Bisher ist nicht bekannt, ob es sich bei dem Test am Dienstag ein Plutonium- oder ein Uransprengsatz verwendet wurde. Auch hier hoffen Beobachter auf Luftproben, die eine eindeutige Bestimmung erlauben würden. Beim Atomtest 2009 wurden allerdings keine Radionukleide festgestellt. Unterirdische Atomtests, wie sie Nordkorea durchführt,  setzen weniger Strahlung frei als Explosionen an der Erdoberfläche.

Laut KCNA handelte es sich um einen miniaturisierten und leichteren Sprengsatz. Das deutet auf einen Plutonium-Sprengsatz hin, der kompakt gebaut werden kann, wie es für Raketen-Sprengköpfe benötigt wird.Allerdings verfügt Nordkorea nur über äußerst beschränkte Plutoniumvorräte, weil 2008 die Herstellung des Schwermetalls im Versuchsreaktor Yongbyon eingestellt wurde.

Obwohl die nordkoreanische Regierung jahrelang die Existenz eines Urananreicherungsprogrammes bestritt, konnten Forscher der Stanford University 2010 eine Halle voll Zentrifugen besichtigen, schreibt der Atomexperte Siegfried S. Hecker in "Foreign Policy ". Offiziell dient die Anlage der Herstellung von Brennstäben für Atomkraftwerke.

"Künstliches Erdbeben"

Südkoreanische Experten hatten zuvor in Nordkorea ein "künstliches Erdbeben" der Stärke 4,9 registriert. Das berichtete am Dienstag die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap und löste damit Vermutungen aus, dass Nordkorea seinen angekündigten Atomwaffentest vollzogen haben könnte.

Die Erschütterung war laut Yonhap in der Region registriert worden, in der das nordkoreanische Testgelände Punggye Ri liegt. Auch US-Geologen registrierten das Beben. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, Ursache für die Erschütterungen könne eine Atomexplosion mit einer Stärke von sechs bis sieben Kilotonnen oder mehr sein. Die norkoreanische Nachtrichtenagentur KCNA meldete schließlich, ein miniaturisierter Sprengsatz mit großer Stärke sei gezündet worden.

Obama: Nordkorea bedroht Weltfrieden

US-Präsident Barack Obama hat den neuen Atomtest Nordkoreas als extrem provokanten Akt verurteilt. Er gefährde die Stabilität in der Region. Das nordkoreanische Atomprogramm sei zudem eine Bedrohung der Sicherheit der USA und der ganzen Welt. "Die USA werden weiterhin alle Schritte unternehmen, die notwendig sind, um uns und unsere Verbündeten zu verteidigen", erklärte der Präsident am Dienstag.

Russland verurteilt Test

Nach dem neuen Atomtest in Nordkorea hat Russland die Führung in Pjöngjang unter Androhung weiterer Sanktionen zum Verzicht auf ihr Raketenprogramm aufgefordert. Der Kreml in Moskau rief die internationale Gemeinschaft zu einer angemessenen Reaktion auf den "groben Verstoß" gegen Resolutionen des Weltsicherheitsrates auf. Das teilte Präsident Wladimir Putins Berater Juri Uschakow nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag mit. Möglich seien neue Sanktionen gegen Nordkorea, wie russische Außenpolitiker sagten.

"Wir verlangen, dass Nordkorea diese widerrechtlichen Handlungen einstellt und komplett auf das Atomraketenprogramm verzichtet", sagte Uschakow. Die Entwicklung sei besonders angesichts der bisher "guten nachbarschaftlichen Beziehungen" beider Länder bedauerlich.

Auch China protestiert

Auch Nordkoreas engster Verbündeter China hat am Dienstag seine "entschiedene Ablehnung" des neuerlichen Atomtests ausgedrückt. China trete für die Nicht-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel ein und wolle die Verbreitung von Atomwaffen verhindern, teilte das chinesische Außenministerium mit. China hatte bereits Nordkoreas Atomtests in den Jahren 2006 und 2009 verurteilt, das nordkoreanische Regime aber weiter unterstützt.

Experte befürchtet Weitergabe

Der US-Experte Siegfried Hecker fürchtet, dass Nordkorea womöglich seine Kenntnisse in der Atombombentechnologie verkaufen könnte, etwa an die Iraner, die mit dem Wissen der Asiaten keinen Sprengsatz testen müssten. Hecker sagte laut "Spiegel Online" am Dienstag: "Wenn Pjöngjang seine Testerfahrungen an Teheran weitergibt, genauso wie es mit der Raketentechnologie geschah, dann würde die atomare Bedrohung, die von Iran ausgeht, erheblich wachsen."

"Aktion hoher Intensität" angekündigt

Laut Yonhap hatte Nordkorea die USA und China vorab von dem Test informiert. Nur wenige Stunden vor dem "künstlichen Erdbeben" hatte KCNA eine "Aktion hoher Intensität" angekündigt. Auch wenn der KCNA-Bericht einen Atomtest nicht explizit erwähnte, heizte er doch Spekulationen über einen baldigen Test an. Verbunden mit Drohungen gegen die USA hatte Nordkorea Ende Jänner offiziell einen neuen Atomwaffentest angekündigt, jedoch kein konkretes Datum genannt. Dem isolierten Staat ist es durch UN-Resolutionen verboten, Atom- und Raketentechnik zu entwickeln.

Nordkorea könnte nach Meinung südkoreanischer Geheimdienste bald weitere Atomtests abhalten, berichtete Yonhap am Dienstag. Das südkoreanische Verteidigungsministerium kündigte indes an, die eigenen Bemühungen und die Kooperation mit den USA bei der Geheimdienstarbeit weiter zu verstärken. (APA/Reuters, 12.2.2013)

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  • Der erfolgtreiche Atomtest wurde auch im nordkoreanischen Fernsehen verkündet
    foto: ap photo/ahn young-joon

    Der erfolgtreiche Atomtest wurde auch im nordkoreanischen Fernsehen verkündet

  • Seismografen maßen Erdbeben.
    foto: reuters/toru hanai

    Seismografen maßen Erdbeben.

  • Der Atomtest fand im Nordosten des abgeschotteten Landes statt.
    foto: epa/yonhap

    Der Atomtest fand im Nordosten des abgeschotteten Landes statt.

  • Die US-Luftwaffe entsandte umgehend Aufklärer, um eventuelle Strahlung zu dokumentieren. Hier eine RC-135V/W bei der Landung im japanischen Okinawa
    foto: epa/hitoshi maeshiro

    Die US-Luftwaffe entsandte umgehend Aufklärer, um eventuelle Strahlung zu dokumentieren. Hier eine RC-135V/W bei der Landung im japanischen Okinawa

  • Der Bildschirm eines Mitarbeiters der CTBTO in Wien zeigt die Messergebnisse verschiedener Stationen 
 
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Der Bildschirm eines Mitarbeiters der CTBTO in Wien zeigt die Messergebnisse verschiedener Stationen

     


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