Freiwillige Demission zuletzt 1294

11. Februar 2013, 19:34

Coelestin V. fühlte sich dem Amt nicht gewachsen

Von den bisher 265 Päpsten verzichteten nur die allerwenigsten auf das Amt – Kirchenhistoriker nennen eine Zahl von vier bis sechs Päpsten in 21 Jahrhunderten. Der letzte unstrittig freiwillige Rücktritt eines Oberhauptes der katholischen Kirche ereignete sich 1294, also vor über sieben Jahrhunderten. Damals dankte der erst fünf Monate zuvor zum Kirchenoberhaupt gewählte Eremit Coelestin V. ab, weil er sich dem Amt des Pontifex maximus nicht gewachsen fühlte. Er starb 1296 und wurde später heiliggesprochen.

Zum ersten Rücktritt eines Papstes kam es 88 oder 97 nach Christus: Clemens I. war einer der ersten Nachfolger des Apostels Petrus als Bischof von Rom – und damit Papst.

Im Mittelalter machten sich vor dem Konzil von Konstanz (1414 bis 1418) drei Päpste das Amt streitig: Johannes XXIII., Benedikt XIII. und Gregor XII. Das Konzil, das die Einheit der Kirche retten sollte, setzte die ersten beiden ab, auch Gregor XII. wurde gezwungen, auf sein Amt zu verzichten.

Von den Päpsten seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatten Pius XII. (1939–1958), Paul VI. (1963–1978) und Johannes Paul II. (1978– 2005) einen schriftlichen Amtsverzicht vorbereitet. Pius XII. wollte die Kirche damit angesichts einer allfälligen Entführung seiner Person durch Hitlers Truppen absichern.

Ein Amtsverzicht führt, so wie der Tod des Papstes, zur Sedisvakanz. Im Canon 332, Paragraf 2 des kirchlichen Gesetzbuches Codex Iuris Canonici (CIC) heißt es: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird."

Neben dem Verzicht kennt das Kirchenrecht auch die Möglichkeit der "völligen Behinderung des römischen Bischofsstuhls". Dabei ist gemäß Canon 335 ebenso zu verfahren wie im Fall einer Sedisvakanz. (red/DER STANDARD, 12.2.2013)

Share if you care
1 Posting
"il gran rifiuto"

Es gibt in Inferno III,60 den berühmten Satz:

...l'ombra di colui / che fece per viltade il gran rifiuto,

von dem die meisten meinen, Dante habe Coelestin V. gemeint und ihn in die Vorhölle (l'Antinferno) verbannt weil er durch seinen Rücktritt Schlimmeres ermöglicht hat (nämlich seinen als "Fuchs" kritisierten Nachfolger).

(http://it.wikisource.org/wiki/Divi... /Canto_III )

Was denkt wohl Benedikt - der Coelestin angeblich sehr verehrt u. Dante vermutlich auswendig kann - darüber?

Hier dazu interessantes (und aktualisiertes) Lesefutter:
http://it.wikipedia.org/wiki/Che_... an_rifiuto

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.