Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Fast alle der 118 Kardinäle, die zur Wahl des neuen Papstes zusammenkommen werden, sind stockkonservativ, einige aufgeschlossen. Stockkonservativ: Das heißt, sie sind gegen die Frauen-Ordination, gegen die Homo-Ehe, gegen Pille und Kondom. Als "aufgeschlossen" gelten jene Kardinäle, die in der seelsorglichen Praxis bereit sind, Kompromisse einzugehen. Dazu zählt der bereits 79-jährige Kölner Kardinal Joachim Meisner, seit er im Falle der Vergewaltigung einer Frau die "Pille danach" erlaubt hat.
Für die Papstwürde ist er zu alt. Denn auf einen alten Papst folgt meistens ein "junger", das heißt, einer um die 60. Dazu kommt, dass es wohl ausgeschlossen ist, erneut einen Deutschen mit dem höchsten Amt der katholischen Kirche zu betrauen. Weshalb die Italiener nach allgemeiner Einschätzung alles daransetzen, einen der Ihren zum Oberhirten zu wählen - zum ersten Mal seit 1979, als Johannnes Paul I. vom Patriarchat von Venedig in den Vatikan berufen wurde.
Nicht weniger als 28 Italiener zählt das Kardinalskollegium derzeit, viele von ihnen allerdings Kurien-Pensionisten, nur wenige sind aktive Erzbischöfe in großen italienischen Städten. Ihr Favorit ist der 71-jährige Angelo Scola, Erzbischof von Mailand und zuvor Patriarch von Venedig. Er gehört ebenfalls zu den "Aufgeschlossenen", während der zweite italienische Favorit, der 70-jährige Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, ein militanter Gegner der Homo-Ehe und aller genannten Änderungen ist. Genua war immer wieder ein Hort des Konservativismus wie im Falle von Giuseppe Siri, dem Gegenspieler der späteren Päpste Luciani und Wojtyla im jeweiligen Konklave.
Die Position des Kardinaldekans, die Joseph Ratzinger einnahm, als nach dem Tod des polnischen Papstes am 8. April 2005 die Papstwahl vorbereitet werden musste, hat diesmal der ehemalige Kardinal-Staatssekretär (Regierungschef) des Vatikan, Angelo Sodano, inne. Bei ihm laufen also diesmal die Fäden zusammen. Wahlberechtigt ist er mit 85 nicht mehr.
Sein Nachfolger im Staatssekretariat, Tarcisio Bertone, vorher Erzbischof von Genua, ist im Alter Ratzingers, als dieser zum Papst aufstieg. Von ihm wird gesagt, er habe sich mit Benedikt auseinandergelebt, der Fußballfan gilt als ein Machtmensch - insofern das Gegenteil zum Theologen aus Deutschland.
Kompromisskandidaten im Kreis der Italiener sind der Erzbischof von Florenz, Giuseppe Betori (65), ferner Paolo Romero von Palermo, ein Kirchendiplomat, sowie Gianfranco Ravasi, der "Kulturreferent" des Vatikan. Die beiden letzteren sind um die 70.
Wer sind mögliche Kandidaten von außerhalb Italiens? Die amerikanische Kirche möchte endlich einmal zum Zug kommen. Angesichts der gerade in katholischen Kreisen geschätzten Präsidentschaft Obamas eine Chance. Doch der New Yorker Kardinal Timothy Dolan (70), gleichzeitig Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, ist ein erklärter Gegner von Barack Obama und ein Vertreter jener Bischöfe, die den rechtsradikalen Pius-Brüdern entgegenkommen möchten. Deshalb taucht manchmal der Name eines Außenseiters auf: Daniel DiNardo (63) ist Erzbischof von Houston in Texas. Er lebte in den 1980ern als Mitarbeiter der Bischofskongregation in Rom.
Im Unterschied zu früheren Papstwahlen gibt es diesmal keinen hervorstechenden Kandidaten aus Südamerika, sieht man ab von dem immer wieder genannten argentinischen Oberhirten Jorge Mario Bergoglio, in dessen Amtszeit jedoch die Zahl der Mitglieder der Evangelikalen (Protestanten) geradezu explodiert ist.
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn dürfte, wenngleich in Rom wie in den USA ungemein gut vernetzt, keine besondere Rolle spielen. Er ist ein "Nachbar" Benedikts, was wahrscheinlich nicht alle im Kollegium so genau unterscheiden können.
Die Ankündigung des Papst-Rücktritts wirft indessen ein interessantes Licht auf die deutschen Bischofsspiele. Erst kürzlich fragte die Frankfurter Allgemeine Zeitung, warum der Kölner Kardinal Joachim Meisner, Strippenzieher bei den meisten Ernennungen, mit 79 noch immer im Amt ist. 75 ist die Altersgrenze. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Papst schon länger an Rücktritt denkt - was auch zu Überlegungen geführt haben mag, wie die Zukunft seines wichtigsten Mitarbeiters Georg Gänswein (56) aussieht.
Papst Johannes Paul II. hatte noch zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass sein engster Substitut, Stanislaus Dziwisz (73), Erzbischof von Krakau wurde – jener Erzdiözese, die Wojtyla viele Jahre geleitet hatte. Diesem Vorbild könnten nun die Bischofskongregation und der künftige Papst folgen.
Wer immer zum neuen Papst ausgerufen wird - die Wahl zieht sicher einen Umbau der Kurie mit sich, weil Bertone erstens im Pensionsalter ist und zweitens zu sehr - berechtigt oder unberechtigt - mit den Skandalen der letzten beiden Jahre in Verbindung gebracht wird.
Und was ist mit dem Patriarchen von Venedig? Nicht nur Papst Johannes Paul I. kam von dort, sondern auch Johannes XXIII. Der neue Patriarch seit Jänner 2012, Francesco Moraglia (59), ist noch nicht Kardinal. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 12.2.2013)
Franziskus feiert mit Palmweihe Beginn der Karwoche mit zehntausenden Gläubigen
Aufräumen in der Vatikanbank ist eine der dringlichsten Aufgaben des neuen Papstes
Umarmung nach der Landung mit dem Hubschrauber und gemeinsames Gebet: "Wir sind Brüder"
Priester soll über fast 30 Jahre bis zu 23 Buben missbraucht haben
Ferenc Jalic beschuldigte Franziskus, ihn an die argentinische Militärjunta ausgeliefert zu haben
"Positive" Überraschungen auf dem Stuhl Petri, ein "bisschen" Schadenfreude, künftig lateinamerikanische Akzente in der katholischen Kirche und "bald" neue Bischöfe für Österreich
Am Mittwochabend wurde der Welt der Argentinier Jorge Bergoglio als neuer Papst präsentiert. Eindrücke vom Petersplatz
An der Spitze der römisch-katholischen Kirche steht erstmals in ihrer zweitausendjährigen Geschichte ein Papst aus Lateinamerika
Das Konklave sorgt für eine Riesenüberraschung. Erstmals in der Kirchengeschichte wählte das Konklave einen Lateinamerikaner zum Oberhaupt der Katholischen Kirche
85-Jähriger verlässt sein Amt am 28. Februar - Erster freiwilliger Amtsverzicht eines Pontifex maximus
Reformer setzten sich mit Bergoglio im Konklave durch - Niederlage für Scola und Scherer
Neues Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche erhält Insignien der päpstlichen Macht - Zahlreiche prominente Gäste
Eindrücke aus den ersten Tagen des Pontifikats von Papst Franziskus
Mit einem Lateinamerikaner als Papst hofft die katholische Kirche auf neue Sogwirkung
76-jähriger Papst Franziskus aus Argentinien wandte sich zum ersten Mal an das Kirchenvolk
Welcher der Kardinäle sitzt in welcher Kongregation? Welche Ämter und Räte gibt es?
Es gibt im Kardinalskollegium mehr Italiener als Afrikaner und Asiaten zusammen
Dass man aus der Historie nicht lernt. Dass sie ein Personalproblem hat, weiß die "Kirche" ja schon seit Jahrhunderten. In der Führung dann auch Greise ohne Perspektiven und Visionen zu positionieren wird früher oder später zu einem Ende führen. Das jahrhundertealte Erfolgsmodell ist schon längst in die Jahrhunderte gekommen. Begreifen die das nicht? Naja, selber schuld. Wirklich jammerschade, wenn als einzig dominante religiöse Geisteshaltung dann nur mehr diejenige, vor der wir alle Angst haben in Europa übrigbleibt. Also Greise, bei allem Respekt vor dam Alter tun uns keinen guten Dienst. Aber, als Dienstleister haben sie sich ja auch nie geshen...
die geistigen führer im islam (egal welche ausrichtung) sind auch "lauter alte männer" - nur als beispiel angeführt
das ist also keine spezialität der rkk
es war immer schon so, das die "weisen alten" die führung hatten, bzw beratend tätig waren - stichwort ältestenrat, weisenrat, usw
Die BBC hat auch interessante "Kandidaten" auf ihrer Homepage stehen. Deckt sich zum Teil mit den hier genannten Namen. Ein Name, den ich schon paar Mal gesehen habe, ist noch jener von Kardinal Turkson aus Ghana. Ansonsten wird dort auch Schönborn genannt als bester "nichtitalienischer" Kandidat Europas übrigens.
"Wahlberechtigt ist er mit 85 nicht mehr."
wahlberechtigt nicht, aber sehr wohl wählbar. ich kann's mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, daß es ein erst 60jähriger werden wird. denn dann können sich fast alle kardinäle des konklave darauf gefaßt machen, vermutlich nie mehr selber ein weiteres konklave mitzuerleben.
zu den kandidaten aus der dritten welt: da muß man schon sagen, daß die meisten ultrareaktionär sind. wenn man sich einen liberaleren papst wünscht, käme da wohl nur ein europäer oder nordamerikaner in frage.
Braco ( http://derstandard.at/135830557... nder-Blick ) wäre doch ein guter Nachfolger: gebender Blick (macht sich super bei urbi&orbi), redet nicht viel, also konsenstauglich, und würde sich auch durch seine minimalistische art recht langsam verschleissen ....
ich haette da einen vorschlag:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... _Brian.jpg
Auf sämtlichen österr. Tageszeitungen wird vom Rücktritt eines betagten Mannes von seiner Funktion berichtet.
Mir ist gar nicht bewusst, WIE SEHR die Kirche im europ. Raum Einfluss auf öffentliche, objektive (?) Medien besitzt.
..... wo ein riesiges mediales Rätselraten um den zukünftigen Präsidenten der UDSSR stattfand.
So wird auch dieses mal wieder die Frage zu kurz kommen: Warum schafft es diese Gemeinschaft wieder nicht, eine offenen Diskurs über die brennenden Fragen unserer Zeit zu initiieren?
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.