Kasino- statt Palastrevolution in Monaco

11. Februar 2013, 18:42
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Partei der Croupiers zieht erstmals ins Parlament ein und kämpft für die Abtreibung

Monte Carlo - Ein Hauch von "monegassischem Frühling" weht durch das Fürstentum an der Côte d'Azur. Gewiss, es ist kein eigentlicher Volksaufstand, nicht einmal eine Palastrevolution. Wenn schon, eine Kasino-Revolution: Die Croupiers von Monaco haben erstmals den Einzug ins Parlament geschafft. Ihre Partei Renaissance erzielte einen der 24 Sitze im "Nationalrat", dem Parlament des Zwergstaates. Die angestammte Partei Horizon Monaco kommt auf 20 Sitze, die Union Monégasque auf drei Sitze.

Die Croupiers setzen sich in erster Linie für die Wahrung ihrer Privilegien ein. Wer an den Spieltischen der Kasinos über die Roulettekugel herrscht, verdient mit Trinkgeld in der Regel an die 200. 000 Euro im Jahr. 2011 hatten sie bereits gestreikt, um für eine Erhöhung ihres Mindestlohns auf 10.000 Euro im Monat einzutreten. Jetzt können sie ihre Anliegen im Parlament verteidigen.

Forderung nach Abtreibung

Furore machte aber vor allem die Forderung der Croupiers, die Abtreibung in Monaco zuzulassen. Für das tiefkatholische Fürstentum ist das geradezu revolutionär. Es soll deswegen in der Kantine des Parlamentsgebäudes sogar zu einem Handgemenge gekommen sein. Die Anhänger des Fürsten - Horizon Monaco und Union Monégasque - halten das Thema Abtreibung für sekundär.

Am Lauf der Geschichte wird dieses Wahlresultat nicht viel ändern - nicht einmal in Monaco selbst. Die Verfassung des Operettenstaates billigt dem Parlament nur ein paar Budgetkompetenzen zu; für den Rest ist und bleibt das ehemalige Piratengeschlecht der Grimaldis zuständig - derzeit Fürst Albert II. Von den 35.000 Einwohnern haben nur 7000 eingesessene Bürger das Wahlrecht.

Das Parlament kann nicht einmal die Regierung ernennen - sie wird von französischen Funktionären ausgeübt, die hauptsächlich darauf achten, dass die in Monaco wohnenden Franzosen dem Pariser Fiskus brav ihre Steuern zahlen. Alle anderen Ausländer leben in Monaco steuerfrei. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 12.2.2013)

  • Monacos Croupiers feiern: Ihrer Partei "Renaissance" ist bei den Wahlen erstmals der Einzug ins Parlament des Zwergstaates gelungen.
    foto: epa/foster

    Monacos Croupiers feiern: Ihrer Partei "Renaissance" ist bei den Wahlen erstmals der Einzug ins Parlament des Zwergstaates gelungen.

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