Schwarzer Spezialist für Graubereiche

11. Februar 2013, 21:38
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Das Teilgeständnis, mit dem Ex-Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer in die Verhandlung um manipulierte Aktienkurse ging, war wohl eher der Prozesstechnik geschuldet, denn dem Unrechtsbewusstsein. Denn selbst bei seiner Befragung beteuerte der Nachrichtentechniker, der an der WU im zweiten Bildungsweg den Magister nachholte, dass es keinen Masterplan gab, um den strauchelnden Kurs der Telekom-Aktie zu pushen.

Für eine Spontanaktion war die über die Euro Invest Bank aufgestellte Hilfsaktion freilich recht generalstabsmäßig. Das Brokerhaus orderte just in den letzten Minuten am letztmöglichen Handelstag so viele Telekom-Aktien, dass der Kurs die Zielschwelle übersprang. Anders als seine früheren Vorstandskollegen Heinz Sundt und Stefano Colombo wollte sich Fischer recht gut an die Vorgänge vor neun Jahren erinnern. Man habe sich um die Früchte für die Sanierungsarbeit beim trägen Ex-Monopolisten gebracht gesehen, daher die Aktion.

In Graubereichen bewegte sich Fischer in seinen zehn Telekom-Jahren oft. Wahlkampfhilfe für so gut wie jede Partei, um lockere Gesetze für die marktbeherrschende Telekom zu erwirken. Den "Markt" (und die Eigentümer) ausloten, um Konkurrenten wie E-Tel relativ teuer kaufen zu können. Die Suche nach einem Telekomregulator, der den Kundenverlust der TA nicht extra beschleunigt – im Rückblick erscheint kaum ein Deal supersauber. Sponsern ließ der passionierte Golfer alles, das dem 1998 von der ÖVP als Gegenpart zum roten Werner Kasztler installierten Fischer (partei-) politisch nützte – selbst den Zwergverein FC Sierning im Heimatort von ÖVP-Chef Wilhelm Molterer. Bei den Millionen, die TA an (und über) das Agenturnetzwerk Hochegger/Valora verteilte, fiel vieles nicht auf.

Ein Flop war bereits der erste (und letzte) Auslandszukauf im Festnetz, des Providers Czech Online 1999. Fischer zog sich den Zorn des Großaktionärs Telecom Italia zu. Der Versuch, ihn zu stürzen misslang – wie andere Ablöseversuche auch – dank Bundesrat und Alcatel-Mann Harry Himmer, Fischers Draht zu ÖVP und Industriellenvereinigung. Nummer 1 wurde Fischer dennoch nie. 2000 wurde ihm A1-Chef Heinz Sundt vor die Nase gesetzt, 2006 dessen Nachfolger Boris Nemsic. Als der 2008 nach Moskau ging, war auch die Karriere des 60-jährigen verheirateten Vaters eines Sohnes zu Ende: Der Korruptionsskandal war ausgebrochen.  (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 12.2.2013)

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    Hat mehr als ein Handicap bei Gericht: Rudolf Fischer.

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