Kulturgut Opernball

Glosse11. Februar 2013, 18:18
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Nachtragende Worte

Der Fasching ist  also gegessen, lachhafte Veranstaltungen werden heute Nacht zu Ende geschunkelt, Schenkel weich geklopft, Sohlen durchtanzt. Und dann wäre es aber richtig fein, würden sich die (kultur-)politischen Akteure und Akteurinnen wenn schon nicht verbale Enthaltsamkeit, so doch zumindest eine gewisse fastenzeitliche Denkpause verordnen, ehe sie zu reden beginnen.

In diesem Sinne ein paar nachtragende Worte zum Opernball, wo aufgeräumte Gockln und niedergeschminkte Gansln lauter lustige Sachen sagten. Nein, keine Zustandsanalysen von Alfons Haiders Fragetechniken und Englischkenntnissen, die bleiben vor, nach und während des Faschings gleich.

Wirklich besorgniserregend ist der auf dem Opernball grassierende allgemeine Sprechdurchfall, der sich da im Laufe des Abends in bereitgehaltene Mikrofone entlädt. So sagte etwa die für Österreichs Kunst und Kultur zuständige Ministerin sicht- und hörbar euphorisch, der Opernball sei DAS Kulturgut Österreichs, auf das wir alle "einfach stolz" sein sollten.

Nicht Leistungen Kunstschaffender aller Sparten sollten uns nach Ministerinnenrat also stolz machen, sondern Ballgewalze und Societygesülze. Das ist eine treffende Zustandsbeschreibung der Kulturpolitik. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 12.2.2013)

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