Mali steuert auf Guerillakrieg zu

11. Februar 2013, 18:21
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Vertriebene Islamisten melden sich im Norden zurück

Der Kopf des Attentäters lag noch einen Tag lang im Sand, bevor ihn jemand wegräumte. Der Islamist hatte sich am Samstag bei einem Kontrollposten der malischen Armee vor der Stadt Gao in die Luft gesprengt, ohne für weitere Opfer zu sorgen - der zweite Selbstmordanschlag in wenigen Tagen.

Und das war nur das Vorprogramm für Malis Armee, die nach dem Abzug der französischen Truppen Städte wie Timbuktu oder Gao sichert. Mehrere Dutzend Islamisten der Gruppe Mujao griffen am Sonntag das Stadtzentrum von Gao an und lieferten sich Gefechte mit Straßenposten.

Ende Jänner hatten sie die Stadt geräumt, um eine offene Konfrontation mit den französischen Elitesoldaten zu vermeiden. Jetzt setzen sie auf Guerillataktik gegen die malische Armee. In Gao beschoss am Montag laut Augenzeugen ein französischer Hubschrauber eine Polizeistation, in der sich Islamisten verschanzt hatten.

Aus malischen Armeekreisen verlautete zudem, auf Straßen bei Gao seien mehrere Personenminen entdeckt worden. US-Militärexperten erklärten der New York Times, die Lage erinnere an die Kämpfe in Afghanistan, wo sich Taliban- und Al-Kaida-Einheiten in das Gebirge von Tora Bora zurückgezogen hatten, um die Alliierten von dort aus mit einer Guerillataktik zu bekämpfen. Frankreichs Parlamentsminister Alain Vidalies meinte am Montag, die Gegenwehr komme "nicht völlig überraschend"; niemand habe mit einem "leichten Krieg" gerechnet. Erstaunter sind Experten, wie aktiv die Mujao-Islamisten in der Gegend um Gao sind. Bisher vermutete man die Haupttruppen in den Bergen des Adrar des Ifoghas an der algerischen Grenze.

Außenminister Laurent Fabius gab am Montag zu, dass die Lage um die größeren Städte wie Gao "nicht völlig gesichert" sei. Pariser Militärexperten sind zunehmend skeptisch, ob die malischen Truppen dafür aufkommen können. Zerstrittene Einheiten hatten sich vergangene Woche in der Hauptstadt Bamako lieber interne Scharmützel geliefert, als an die Front zu fahren. Auch die westafrikanische Einsatztruppe Misma ist noch kaum operativ. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 12.2.2013)

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