Kreative warten auf Förderungen

11. Februar 2013, 20:24
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In der Kreativwirtschaft zeichnet sich ein leichter Rückgang an Betrieben ab

Wien – Er sei erst jüngst aus Asien zurückgekehrt, und es gingen einem die Augen auf, was sich dort alles tue, sagt Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer. So habe China die USA als größter Welthandelspartner überholt, die USA seien als Wirtschaftsstandort günstiger als Europa. Und den Eu-ropäern bleibe nichts anderes übrig, als anderswo besser zu sein: in der Vernetzung und Kreativität.

In Österreich stellt sich mittlerweile jedes zehnte Unternehmen auf das weite Feld der Kreativwirtschaft. Es sind Designer, Architekten, Video-, Filmemacher ebenso wie Werbeagenturen, Verlage und Softwareentwickler. Zwei Drittel der 38.400 Betriebe sind freilich Ein-Personen-Unternehmen, und die Branche sorgt lediglich für drei Prozent der Umsätze der Gesamtwirtschaft. Was in Relation gesehen zu wenig sei, wie Leitl sagt.

An Dynamik fehlt es nicht. Zwischen 2008 und 2010 verzeichneten Österreichs Kreative mit sechs Prozent ein um dreimal höheres Wachstum als der Rest der Wirtschaft. Das geht aus dem Montag veröffentlichten fünften Kreativwirtschaftsbericht hervor. Die Zahl ihrer Beschäftigten stieg zugleich um 2,7 Prozent auf rund 130.500, während der übrige Ar- beitsmarkt weitgehend stagnierte.

Sieben von zehn Unternehmen erzielen Gewinne. Der Anteil der Betriebe mit positivem Betriebser- gebnis in der Gesamtwirtschaft beläuft sich auf nur 63 Prozent, errechnete die KMU Forschung. Der höhere Gewinn der Kreativen liegt freilich im vergleichsweise niedrigen Materialaufwand begründet. Wobei der Anteil der Personalkosten mit 29 Prozent wiederum größer ist als in anderen Branchen.

Neuer Scheck à 5000 Euro

Zentrum der wirtschaftlich genutzten Kreativität ist Wien. Mehr als 40 Prozent der Betriebe siedeln sich in der Bundeshauptstadt an. VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht auch im ländlichen Raum Potenzial. Basis dafür seien jedoch mehr Kooperationen mit Klein- und Mittelbetrieben. "Es gibt hier viel Luft nach oben."  Zu Kooperationen anregen soll ein neuer Kreativwirtschaftsscheck. 300 Mal 5000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Ein Testlauf in Salzburg ließ 70 Betriebe darum ansuchen, 20 kamen zum Zug.

An anderer Front herrscht freilich Verunsicherung. Es geht um das Förderprogramm Evolve. Mit 25 Millionen Euro dotiert, läuft es seit 2008. 17 Millionen Euro sind bisher ausgeschöpft. Der Rest soll heuer ausbezahlt werden. Zusagen über eine Fortsetzung der Initiative über 2013 hinaus gibt es bisher keine. Gespräche mit dem Finanzministerium über eine Verlängerung seien auf gutem Wege, sagt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums dem Standard. Leitl fordert erneut mehr alternative Finanzierungswege: Österreich sei hier Schlusslicht in der EU, kleinere Betriebe bräuchten neue Zugänge zum Kapitalmarkt.

Erste Schätzungen für 2011 zeigen einen leichten Rückgang kreativer Betriebe. Besonders starken Rückzug erlebten die Bereiche Buch, Musik und künstlerische Tätigkeiten. Spezialisten für Werbung, Design, Games- und Softwareentwicklung wurden mehr. Vor allem rund um Videos und Filme tummeln sich neue Spieler. Bei Radio, Fernsehen und Verlagen sank die Zahl der Beschäftigten. Architekten erlitten harte Einbußen der Bruttowertschöpfung. In der Werbung fiel das Umsatzminus am stärksten aus.(vk, DER STANDARD, 12.2.2013)

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