Die Air Force One und das Hundefutter

11. Februar 2013, 18:02
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Prozess gegen 49-Jährigen, der Investoren um 1,4 Millionen Euro geprellt haben soll

Wien - Mit der Air Force One, dem Jet der US-Präsidenten, hat man im Wiener Straflandesgericht gemeinhin selten zu tun. Marion Zöllner, Vorsitzende im Schöffenprozess wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges gegen Kurt S., ist daher auch einigermaßen erstaunt, als das Flugzeug am Montag mehrmals zur Sprache kommt. Dieser internationale Bezug ergibt sich aus den Aussagen von Helmut S., der sich als eines der Opfer des Angeklagten sieht.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1999. Damals überzeugte der 49-jährige Angeklagte Investoren, dass sie mit seiner Erfindung, einem Werkstoff, der Treibstoffexplosionen verhindern soll, das große Geld machen können.

"Ich habe ihm ein 500.000-Schilling-Sparbuch gegeben, ein paar Monate später hätte ich dann 750.000 Schilling zurückbekommen sollen", erzählt Zeuge S. dem Senat. "Da hat halt die Gier zugeschlagen. Heute genier ich mich dafür, dass ich das geglaubt habe."

Es ist wohl nur ein schwacher Trost, dass er nicht der Einzige war. Über 1,4 Millionen Euro soll der Schaden laut Staatsanwalt Michael Radasztics betragen. Denn im Jahr 1999 müsse dem Angeklagten klar gewesen sein, dass die Serienproduktion seiner patentierten Erfindung unmöglich unmittelbar bevorstehen könne. Tatsächlich wurden erst Jahre später die ersten Prototypen des XC-5, eines "explosionssicheren 5-Liter-Reservekanisters", hergestellt.

Die Gründe der Verzögerung waren vielfältig. Erst wurde es mit dem geplanten Produktionsstandort in Liechtenstein nichts, dann wurde eine Fabrikshalle in Kärnten nicht bezugsfertig, erst nach der Miete einer Halle in Niederösterreich wurde die erste Maschine bestellt.

Die besichtigte Zeuge S.: "Dort wurden dann Fotos für die Prospekte gemacht, ich habe eine Jacke mit Firmenlogo bekommen. Die teuerste Windjacke der Welt", sagt er mit Galgenhumor. Eigentlich ist er undankbar, denn für seine umgerechnet mehr als 36.000 Euro Investition hat er schließlich auch Aktien bekommen. "Mit einem schönen Hologramm. Mit denen kann ich mir jetzt meinen Geräteschuppen tapezieren."

Der Angeklagte habe ihn ständig vertröstet, echauffiert er sich. Von einem Großauftrag aus China sei die Rede gewesen, von Kooperationen mit den Forschungseinrichtungen Cern und dem Fraunhofer-Institut und eben von Kontakten mit dem Pentagon und der Ausstattung der Air Force One.

Angeklagter S. und seine Verteidiger bestreiten die Vorwürfe am mittlerweile 18. Prozesstag vehement. Die Investoren hätten gewusst, dass es sich um Risikokapital handle. Und das Produkt sei gut gewesen, es habe eben nur Verzögerungen gegeben, die nicht vorhersehbar waren. Falsche Versprechungen seien aber nie gemacht worden, schon im Jahr 2000 sei klargemacht worden, dass die Rendite vorerst auf Eis liegt.

Ex-Minister als Zeuge

Auch Ex-Finanzminister Andreas Staribacher kommt als Zeuge. Dessen Firma hat sich zu Beginn zwei Jahre um Buchhaltung und Steuer des Unternehmens gekümmert, ehe sein Vertrag aufgelöst wurde. Ihm scheint die Vorgangsweise des Finanzamtes unheimlich vorgekommen zu sein. "Die Finanz war atypisch ablehnend, dort glaubte man nicht an das Produkt", sagt er.

Verblüfft ist er dann von einer Frage der Vorsitzenden Zöllner. "Wissen sie etwas von einem Hund des Angeklagten?", will die wissen, bewundernswerterweise, ohne eine Miene zu verziehen. "Einen Hund? Nein da weiß ich nichts." Der Grund des Interesses: Kurt S. soll auch privates Hundefutter auf Firmenkosten gekauft haben.

Im April soll ein Urteil fallen. ( Michael Möseneder, DER STANDARD, 12.2.2013)

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