"Nehmt's euch doch ein Packerl"

11. Februar 2013, 18:01
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Mit einem Teilgeständnis des in mehreren Causen beschuldigten Ex-Telekom-Vorstands Rudolf Fischer begann der Strafprozess wegen Kursmanipulationen

Mit einem Teilgeständnis des in mehreren Causen beschuldigten Ex-Telekom-Vorstands Rudolf Fischer begann der Strafprozess wegen Kursmanipulationen. Die übrigen vier Angeklagten plädieren auf "nicht schuldig".

Wien – "Alles, was mit Herrn Wanovits gemacht wurde, war nicht korrekt." Als Wolfgang Brandstetter, der Verteidiger von Ex-Telekom-Festnetzvorstand Rudolf Fischer, nach Staatsanwalt Hannes Wandl Montagfrüh diese Worte im Straflandesgericht Wien sprach, war klar: Der in mehreren Handlungssträngen der komplexen Korruptionscausa Telekom Austria (TA) beschuldigte Fischer sucht Strafmilderung und gesteht im Prozess um Aktienoptionen und Kursmanipulationen zumindest teilweise.

Fischer übernahm denn auch die Verantwortung für die Zahlung von zwei Rechnungen im Volumen von einer halben Million Euro an den Banker Johann Wanovits. Dem Chef der Euro-Invest-Bank (EIB) war diese "Kurspflege" – über Peter Hocheggers Agenturnetzwerk Hochegger/Valora – in bar abgegolten worden. Sie brachte dem Vorstandstrio und 92 weiteren Führungskräften der Telekom Austria (TA) im Februar 2004 einen Erfolgsbonus von 8,8 Mio. Euro. Barzahlung war damals nicht vorgesehen, räumten Fischer und sein Anwalt ein. Aber da die Finanzmarktaufsicht FMA den entscheidenden Kurssprung vom Abend des 26. Februar 2004 untersuchte, seien die als Honorar geplanten "Gegengeschäfte" mit der EIB nicht mehr möglich gewesen.

Unter Zugzwang

Die vier anderen Angeklagten, Ex-Telekom-Chef Heinz Sundt, Ex-Finanzvorstand Stefano Colombo, den früheren TA-Prokuristen Josef T. und Banker Johann Wanovits, die sich auch wegen Untreue verantworten müssen, bringt Fischer mit seiner Aussage zweifellos in Zugzwang. Denn wenn der langjährige Festnetzvorstand angibt, in jenen Februar-Tagen mit seinen Kollegen im siebenten Stock des TA-Gebäudes in der Lassalle straße über kursstützende Maßnahmen beraten zu haben, ist schwer vorstellbar, dass Sundt und Colombo, die sich "nicht schuldig" bekannten, nicht mitgekriegt haben, worüber sie da beraten haben.

Fragen wirft auch die Verteidigungslinie von Wanovits' Anwalt, Hans-Rainer Rienmüller, auf, wonach es sich bei den mit der TA-Führung vereinbarten bis zu 1,5 Millionen Euro um eine geschäftsübliche Provision gehandelt habe. Schließlich habe der EIB-Chef auf eigene Kasse und eigenes Risiko 1,2 Millionen Stück Aktien gekauft, um so die ständigen Kursattacken auf die TA-Aktie zu parieren. Wäre es nur eine "Commission" gewesen – warum hat der Banker das handelsübliche Entgelt nie eingeklagt oder zumindest eingemahnt? "Ich räume ein, dass Bargeldübergaben am Wiener Naschmarkt nicht gut aussehen", sagte Rienmüller und korrigierte die Angaben des präsumtiven Kronzeugen, Ex-Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler, wonach 720.000 Euro in bar geflossen seien. Es seien höchstens 600.000 Euro gewesen.

Die Differenz dürfte bei Wanovits' Kontaktmännern und "Geldboten", Josef T. und Schieszler, gelandet sein. "Nehmt's euch doch ein Packerl", schilderte Staatsanwalt Wandl den Weg des Geldes aus dem Plastiksackerl, das beim Naschmarkt übergeben wurde. Die Höhe sei nicht mehr eruierbar, vermutet werden pro Person 50.000 Euro. Vorsatz bestreitet übrigens auch Josef T., er unterlag als Prokurist Weisungen des Vorstands, betonte sein Anwalt, Horst Winkelmayer. "Am Montag ist leicht Lottospielen für den vergangenen Sonntag."

Fragen über Fragen, die Richter Michael Tolstiuk in den nächsten Wochen stellen wird. So klar wie die Verteidiger den Vorsatz der Untreue in Abrede stellen, so klar ist die Sachlage für Staatsanwalt Wandl: "Hätte Wanovits diese Prämie des Vorstands nicht bekommen, hätte er die Aktien nicht gekauft." Untreue und Befugnismissbrauch skizziert er mit einer Frage: "War es im Interesse des Unternehmens, dass der Vorstand selbst bestimmt, ob er eine Prämie bekommt?" Um sie sogleich zu beantworten: Der Schadenseintritt durch Prämienzahlung sei bereits während des Ermittlungsverfahrens vom Oberlandesgericht Wien bestätigt worden. Fischer zahlt 500.000 Euro an TA zurück, Colombo hinterlegte die 392.000 Euro Prämie auf einem Treuhandkonto. (ung, DER STANDARD, 12.2.2013)

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    Im Gegensatz zu Ex-Vorstandschef Heinz Sundt ...

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    ... und Ex-Finanzchef Stefano Colombo (ganz links), die auf "nicht schuldig" beharren, zeigte sich Ex-Telekom-Festnetzvorstand Rudolf Fischer (links) teilgeständig. Er ist freilich in einige Malversationen rund um die Telekom Austria verstrickt.

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