Banken auf dem Schuldenolymp

11. Februar 2013, 17:45
11 Postings

Auf den Bilanzen von Europas Banken liegen so viele faule Kredite wie noch nie. Doch Investoren haben zuletzt wieder Vertrauen in Bankaktien gefasst

Auf den Bilanzen von Europas Banken liegen so viele faule Kredite wie noch nie. Doch Investoren haben zuletzt wieder Vertrauen in Bankaktien gefasst. Die niedrigen Bewertungen haben sie angelockt.

 

Wien – Europas Banken sitzen auf einem immer höheren Berg fauler Kredite, warnt die Unternehmensberatung Ernst & Young in einer aktuellen Studie. 922 Milliarden Euro oder 7,6 Prozent aller ausstehenden Forderungen werden Ende 2013 bereits notleidend sein, warnen die Berater – so viel wie noch nie. Die operativen Gewinne sind zudem um fast 300 Milliarden Euro niedriger. Erst ab 2014 ist mit einem Absinken der faulen Kredite zu rechnen.

Doch an den Aktienmärkten gibt es bereits positive Zeichen für Europas Geldhäuser. Der Eurostoxx Bankenindex hat fast 30 Prozent im vergangenen halben Jahr zugelegt, dreimal so viel wie der Gesamtmarkt. Viele Fondsmanagern sind überzeugt, dass sich Bankaktien weiter erholen. Im Jänner gab etwa in einer Umfrage von Bank of America Merrill Lynch erstmals seit Ausbruch der Krise 2008 eine Mehrheit von professionellen Investoren an, dass sie Bankaktien in Europa positiv einschätzen und übergewichten.

Ben Funnell ist einer von ihnen. Der Fondsmanager der Investmentgesellschaft GLG Partners, die zum weltgrößten Hedgefonds-Anbieter Man Group gehört, glaubt in seinen Fonds an einen Aufschwung. "Bankaktien sind das größte Übergewicht in den Portfolios. Viele italienische oder spanische Banken wurden zu massiven Abschlägen gehandelt, weil Investoren davon ausgegangen waren, dass sie konkursgefährdet sind." Laut Anlagestrategen von HSBC sind europäische Bankenaktien noch ein Drittel günstiger bewertet als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

Das Versprechen der Europäischen Zentralbank, im Krisenfall Staatsanleihen aufzukaufen, hat die Kurse der Anleihen von Spanien und Italien steigen lassen und damit die Bilanzen der Banken entlastet. Patrick Butler, Berater bei Petrus Advisers und Ex-Vorstand der Raiffeisenbank International, warnt aber, dass das nicht reicht. "Die Probleme in der Eurozone sind noch nicht ausgestanden. Aber die EZB hat das Szenario eines Euro-Zerfalls aus der Welt geschaffen." Doch in Spanien könnten die Quoten notleidender Kredite weiter steigen, rechnet Butler. Zuletzt waren laut Information der Zentralbank 11,4 Prozent der ausstehenden Kredite faul. Vor einem Jahr waren es 7,5 Prozent.

Analysten warnen zudem, dass die Banken angesichts des Niedrigzinsumfelds zusätzlich unter Druck kommen, weil ihre Margen – zwischen Kredit- und Sparzinsen – zusammenschmelzen. Darauf reagieren Banken mit unterschiedlichen Mitteln. Die britische Bank Barclays setzt einem Zeitungsbericht zufolge den Sparstift an und entlässt 2000 Banker. Bank-Austria-Chef Willibald Cernko kündigte im WirtschaftsBlatt an, dass die UniCredit-Tochter auch an der Ertragsschraube drehen möchte und die Kreditzinsen anhebt.

Regulierung als Unsicherheit

Für Fondsmanager Funnell hängen Wohl und Wehe der Banken auch von der Regulierung ab. "Die Regulierung bleibt die größte Unsicherheit und damit das größte Risiko im Finanzbereich." Strengere Regeln sollen die Banken dazu zwingen, mehr Kapital zu halten und sich aus riskanten Geschäftsbereichen zurückzuziehen. Laut Ernst & Young haben Europas Banken mehrere hundert Milliarden Euro an Vermögenswerten seit 2011 abgebaut. Schränken die Banken ihr Geschäft zu sehr ein, könnte das die Wirtschaft gefährden. Funnell hofft auf die Politik, denn die Aufsicht sei "unter Druck von Regierungen, den Wachstumspfad nicht zu gefährden".

Für Butler von Petrus Advisers bleibt der zu rasche Abbau von Geschäftsbereichen im Rahmen der Entschuldung ("Deleveraging") eine reale Gefahr: "Es gibt das Risiko von unkontrolliertem Deleveraging. Die Regulatoren haben das zu wenig im Blick." (Lukas Sustala, DER STANDARD, 12.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Spaniens Banken sind zwischen Protesten und faulen Krediten gefangen. Zuletzt ist ihnen allerdings die EZB beigestanden.

Share if you care.