Die Spur der Pferdefleisch-Lasagne

11. Februar 2013, 17:41
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In zahlreichen europäischen Ländern könnte Pferdefleisch in Rindfleischprodukten gelandet sein, warnen die britischen Behörden. Gefahr für die Gesundheit besteht aber wohl nicht

Frage: Wurde auch in Österreich Pferdefleisch in Rindfleischprodukten verkauft?

Antwort: Nein, sagt das zuständige Gesundheitsministerium. Die betroffene Tiefkühllasagne wird in Österreich nicht gehandelt. Trotzdem habe man verstärkte Kontrollen bei Fertigprodukten mit Rindfleisch angeordnet. Sicher ist bisher nur, dass die Rindfleisch-Lasagne mit Pferdefleisch in Großbritannien und Irland verkauft wurde - es ist aber durchaus möglich, dass noch weitere Länder betroffen sind: Das Werk in Luxemburg, aus dem die Lasagne stammt, soll laut britischen Medien bereits 16 weitere Länder gewarnt haben. Das Werk belieferte vor allem die Benelux-Länder, Deutschland, Skandinavien und Osteuropa. Am Montag wurden Produkte in verschiedenen Staaten untersucht.

Frage: Ist die Pferdefleisch-Lasagne gesundheitsschädlich?

Antwort: Höchstwahrscheinlich nicht. Es handle sich bei der Affäre um einen "Betrugsfall", betonte Großbritanniens Umweltminister Owen Paterson am Montag, eine Gefahr ginge von den Produkten nicht aus. Pferdefleisch ist an sich völlig unbedenklich und gilt sogar als gesünder als Rind, weil es etwa weniger Fett und Purin enthält, ein Stoff, der Gicht verursachen kann. Ein geringes Risiko besteht nur, wenn die Pferde bestimmte Medikamente bekommen haben, die wiederum Rückstände im Fleisch hinterlassen können. In Österreich dürfen Pferde, die als Sportpferd registriert waren, daher nicht geschlachtet und gegessen werden. Bisher wurden aber keine Spuren von Medikamenten in der Lasagne gefunden.

Frage: Welche Länder sind bisher in den Skandal verwickelt?

Antwort: Die Spur der Lasagne zieht sich quer durch Europa, die Firma Findus, die die Lasagne vermarktete, hat aber vorerst eine Klage "gegen Unbekannt" angekündigt. Findus bezog die Lasagne von der französischen Firma Comigel, die das Produkt in einem Werk in Luxemburg fertigen ließ. Das Fleisch stammte von einem Tochterunternehmen der französischen Firma Pujol. Dieses wiederum will es bei einem zypriotischen Händler gekauft haben, der das Geschäft an einen Händler aus den Niederlanden auslagerte - dessen Lieferanten Schlachthöfe in Rumänien sind. Das alles heißt aber nicht, dass das Fleisch in dieser Zeit ständig herumgeschickt wurde: Oft wechselt Tiefkühlfleisch, genauso wie etwa Getreide, mehrmals den Besitzer, während es stets in ein und demselben Kühlhaus lagert.

Frage: Gibt es keine gesetzlichen Regeln zur Rückverfolgbarkeit von Fleisch?

Antwort: Eine Rückverfolgbarkeit bis zu einem bestimmten Tier ist nur bei frischem Rindfleisch vorgeschrieben, und das auch erst seit dem BSE-Skandal. Die EU prüft allerdings derzeit, ob solch eine Regel auch bei anderen Tieren und anderen Produkten außer Frischfleisch möglich und sinnvoll ist.

Frage: Warum ist es so schwer nachzuvollziehen, wer das Pferdefleisch in die Lasagne geschummelt hat?

Antwort: Fleisch für solche Fertigprodukte stammt aus Fleischteilen, die nicht als Frischfleisch verkauft werden können. Es wird oft in Tiefkühlquadern gekauft, also in gefrorenen Blöcken von 100 mal 50 mal zehn Zentimetern - diese Blöcke enthalten mitunter Fleisch von tausenden Tieren. Sie werden in Verarbeitungsbetrieben hergestellt, die ihr Fleisch wiederum von Schlachthöfen aus ganz Europa bekommen. "Eine Herkunftsbezeichnung für Fertigprodukte, die über 'EU' oder ,Nicht EU' hinausgeht, ist daher illusorisch", sagt Anka Lorenz von der Sparte Fleisch der österreichischen Wirtschaftskammer.

Frage: Warum wurde Pferdefleisch statt Rindfleisch verwendet?

Antwort: Das ist noch nicht geklärt. Der Guardian spekulierte, dass strengere Regeln im rumänischen Straßenverkehr verantwortlich seien: Pferdekarren dürfen dort auf immer weniger Straßen fahren, was zu einer vermehrten Schlachtung der Tiere geführt hat. Vielleicht sollte also so überschüssiges Fleisch verwertet werden. In Österreich ist Pferdefleisch nicht billiger, sondern eher teurer als Rindfleisch.

Frage: Woher genau kommt das Pferdefleisch?

Antwort: Das wird noch untersucht. Generell gilt: Pferdefleisch stammt nie aus Massentierhaltung, weil diese bei Pferden aufgrund des hohen Schlachtalters viel zu teuer wäre. Das Fleisch, das in Österreich verkauft wird, kommt von überschüssigen Jungtieren von Bauern- oder Reiterhöfen. In Rumänien, wo das Pferd als Nutztier noch eine größere Rolle spielt, halten sehr viele Bauern Pferde - die ebenfalls überschüssige Fohlen bekommen. (Tobias Müller, DER STANDARD, 12.2.2013)

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    Ein Pferdegespann fährt auf einer rumänischen Schnellstraße. Strengere Regeln für das Fahren mit Kutschen in dem Land könnten schuld sein am Pferdefleisch-Skandal, spekulierten britische Medien - mehr dazu hier.

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