Tödlicher Spaß

11. Februar 2013, 17:35
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Auch wenn er zu Silvester um zehn im Bett ist, zur Fasnacht lässt es selbst der Schweizer krachen

Der Schweizer Tatort gilt als schwierig. Die Fälle sind meist bleiern, der Dialekt übel, die Klischees vom spaßbremserischen Käsefondue-Tiger erwachen zum Leben. Mehr Spaß als im Tatort vom Sonntag gab es lange nicht. Schmutziger Donnerstag hieß die im Luzerner Fasching angesiedelte Handlung; es war also institutionalisiert lustig, Fasnacht eben. Auch wenn er zu Silvester um zehn im Bett ist, zur Fasnacht lässt es selbst der Schweizer krachen.

Während Luzern den Fasching begeht, scheinen nur Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückinger und Delia May er als seine lesbische Kollegin Elisa "Liz" Ritschard keinen Spaß zu haben. Verkatert und übernächtig stolpern sie in einen Fall, in dem Vergewaltigung, Mord und Spießertum die Hauptrollen spielen. Ein Spießer Steiner nämlich ist es, der einstige Zunftkollegen mit dem Dolche meuchelt, weil sie ihn ausgeschlossen hatten.

Der Grund für den Ausschluss aus der biederen, von überkommener Moral geprägten Vereinigung ist der drogenkranke und in Untersuchungshaft sitzende Sohn Steiners. Als Totgeglaubter kehrt Steiner wieder und taucht eine sich falscher Gaudi hingebende Gesellschaft ins Blutrot.

Regisseur Dani Levy

Das wurde von Regisseur Dani Levy in schönen, sogar James Bond zitierenden Bildern bewerkstelligt. Die Verkleiderei schützte nicht die Opfer, sondern den Täter. Zwischen katholischem Irrsinn und Fasching ermittelte Flückinger instinktiv richtig, der Showdown auf dem Hoteldach war so unerbittlich wie die falsche Moral, die die Geschichte ins Rollen gebracht hatte. Gleichzeitig ließ sich der Fall als Abrechnung mit dem Fasching lesen. Dagegen ist nichts zu sagen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 12.2.2013)

  • Spaßig wie schon lang nicht mehr: Der "Tatort" aus Luzern.
    foto: orf/ard/nikkol rot

    Spaßig wie schon lang nicht mehr: Der "Tatort" aus Luzern.

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