Ante Gotovina - ein Krieger in der Rolle des Friedensapostels

12. Februar 2013, 05:41
216 Postings

Der ehemalige kroatische General Ante Gotovina will die Vergangenheit vergessen

Zagreb - "Er ist noch immer ein Held. Aber jetzt hängt sein Plakat hier herinnen", sagt der Mittvierziger in dem Army-Shop in der Maksimirska Cesta in Zagreb, der seinen Namen nicht nennen will. Kurz nach dem Freispruch für den ehemaligen General hatte er ein Bild ins Schaufenster gehängt: Ante Gotovina ist darauf in martialischer Pose zu sehen. Darüber steht die Ode an die Freiheit des kroatischen Barockdichters Ivan Gundulic: "Oh schöne, oh geliebte, oh süße Freiheit ..."

Poster und Abziehbilder mit dem Abbild Gotovinas waren von kroatischen Zeitungen in den Tagen rund um seinen Freispruch am 16. November 2012 an die Leser versandt worden und dominierten den öffentlichen Raum. Doch nach ein paar Wochen waren sie praktisch verschwunden. Denn der Held verhielt sich nicht so wie sein Image. Gotovina tauchte im kanarigelben Sommerpullover auf und wollte partout nicht über den Krieg und die Vergangenheit reden. Stattdessen redete er fortwährend vom Frieden, von der Zukunft und ließ in Zadar sogar eine Taube in die Luft steigen. Der Mann in dem Army-Shop holte das Poster mit dem Kriegs-Gotovina aus dem Schaufenster.

"Wir hören darauf, was Gotovina sagt, und er spricht von Versöhnung. Nach dem Urteil waren die Beziehungen zu Serbien nicht gut. Aber Deutschland und Frankreich haben auch ihre Beziehungen wieder aufgebaut. Und wir müssen das auch tun", sagt der Mann in dem Army- Shop. Andere können sich weniger leicht an den neuen Gotovina gewöhnen. Der Veteranenverband "Stopp der Verfolgung von kroatischen Veteranen" beschwerte sich, dass "Gotovina, bis vor kurzem unser Idol, uns so eine Ohrfeige gegeben hat, dass uns davon die Wange glüht". Die Zeitung "Hrvatski list" fragte: "Ist das unser Gotovina?" Als sich der Ex-General am Abend seiner Freilassung bei Präsident Ivo Josipovic und Premier Milanovic bedankte, wurde er ausgebuht. Gotovina hatte offenbar gegen das Skript seines Mythos verstoßen, wonach er von der Politik "verraten" wurde.

Unschuldiger "Märtyrer"

In der kollektiven Vorstellung vieler Kroaten war er seit 2005 als unschuldiger "Märtyrer" im Gefängnis gesessen, der für andere büßte. "Er wurde als Opfer von Ungerechtigkeit, als mutiger Soldat, der gegen das 'unfaire Tribunal' war, porträtiert. Aber als dann die reale Person auftauchte, widersprach das dem Mythos. Seine Aussagen waren versöhnlich und ganz anders als das die, die kamen, um seine Rückkehr zu begrüßen, erwartet hatten", sagt der Politologe Dejan Jovic.

"Ich mag den Krieg nicht", ließ Gotovina etwa wissen. Früher habe er den Feind hassen können. Doch der Hass habe seine Seele vergiftet. Man solle den Feind militärisch besiegen, ihn aber nicht als Menschen erniedrigen. In seinem Heimatort Pakoštane dankte er für "die christliche Liebe" und meinte, man solle diese gegenüber den Schwächsten und Verletzlichsten zeigen. Der ehemalige Bankräuber und Fremdenlegionär, der 1995 die Operation Sturm kommandierte, bei der zehntausende Serben aus der Krajina vertrieben wurden, stellte sich als "Geläuterter" dar, dem sein "Glaube geholfen hat". In der dalmatinischen Stadt Vodice wurde sogar eine Gotovina-Figur in die örtliche Krippe neben Jesus als "ein Symbol für den gerechten Kampf" gestellt. Der Bischof von Zadar, Zelimir Puljic, scherzte bereits, dass er mit dem Seligsprechungsprozess beginnen könne. (awö, DER STANDARD, 12.2.2013)

  • November 2012: Nach seiner Rückkehr aus der Haft in Den Haag wird Ante Gotovina in Zagreb von einem Veteranen begrüßt. 
 
    foto: ap/solic

    November 2012: Nach seiner Rückkehr aus der Haft in Den Haag wird Ante Gotovina in Zagreb von einem Veteranen begrüßt.

     

  • "Held": Gotovina-Graffito in Zadar.
    foto: standard/wölfl

    "Held": Gotovina-Graffito in Zadar.

Share if you care.