Der König und die Disziplin

11. Februar 2013, 17:54
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Am Dienstag wird der vieldiskutierte Teambewerb gegeben. Marcel Hirscher, einer des ÖSV-Sextetts und Fan des Nationenvergleichs, bestreitet sein erstes WM-Rennen auf der Planai. Ein Rückblick und ein Ausblick

Schladming - Anno 2005, als der Teambewerb in Bormio das Licht der WM-Welt erblickte, wurde er nicht euphorisch begrüßt. Das lag auch am Format. Damals bestand der Wettkampf der Nationen aus Super-G- und Slalom-Läufen, was den Durchblick in die neue Erfindung des Internationalen Skiverbandes (Fis) nicht gerade erleichtert. Im Endspiel musste sich Österreich Deutschland geschlagen geben.

2007 in Aare nahm sich Österreich Gold im Finale gegen Gastgeber Schweden. 2009 in Val d'Isère verhinderten starke Schneefälle die Austragung des Bewerbs. Die Anstrengungen, ihn doch noch irgendwie runterzubringen, hielten sich in engen Grenzen, und große Proteste dagegen sind nicht erinnerlich.

2011 in Garmisch-Partenkirchen, als sich Österreich im Finale Frankreich geschlagen geben musste, wurde erstmals im heute gültigen Format gesportelt. Das sieht so aus: Die 16 besten Nationen im Ranking sind startberechtigt. Im K.o.-Modus geht es vom Achtel- bis ins Finale.

In die Planai wird ein Parallel-Riesenslalom gesteckt. Der Torabstand beträgt rund 12 Meter. Das ist deutlich weniger als bei einem Riesenslalom und etwas mehr als bei einem Slalom. Jede Runde besteht aus vier Rennen. Die werden von jeweils zwei Damen und zwei Herren einer Nation bestritten. Pro Sieg gibt es einen Punkt. Bei 2:2 entscheidet die Gesamtzeit. Die Startboxen sind die gleichen wie bei den City Events oder den Skicrossern.

In taktischer Hinsicht hat das ÖSV-Team, Nummer eins im Ranking, einen Vorteil. Die jeweils schlechter platzierte Nation hat nämlich zuerst ihre Läuferin, ihren Läufer zu nennen.

Für Österreich starten ab 17 Uhr Michaela Kirchgasser, Nicole Hosp, Carmen Thalmann, Marcel Hirscher, Philipp Schörghofer und Marcel Mathis. Es kann passieren, dass nur zwei jeden Geschlechts mitmachen, eine Medaille kriegt jeder. "Wir haben das stärkste Team bestellt", sagt ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. Kirchgasser, die schon 2007 und 2011 dabei war, ist begeistert: "Mir taugen Teambewerbe." Für Thalmann handelt es sich um den einzigen WM-Auftritt. "Ich freu mich", sagt sie. Hosp, die sich schon Bronze in der Kombi nahm: "Ich will Österreich standesgemäß vertreten." Hirscher, quasi König dieser Disziplin, will das sowieso. Er ist der Meinung, dass Medien und Sportlerkollegen schuld sind, dass der Teamevent nicht jenes Ansehen hat, das er sich verdient habe. Für ihn zähle die Medaille genausoviel wie in einem Einzelbewerb.

Schörghofer verspricht schon, dass er sein Bestes geben wird, aber die ganz große Bedeutung misst er dem Bewerb nicht bei. Denn: "Das kann man mit einer Einzelmedaille nicht vergleichen. Denn wenn ich patze und die anderen gut fahren, krieg ich trotzdem eine Medaille." Mathis findet es super, dass der zweite Marcel, Hirscher, auch dabei ist.

Österreich hat zuletzt 23 Mal in Folge den Nationencup gewonnen und wird dies auch heuer tun. Das liegt auch an der Quantität, denn keine andere Nation hat soviele wettbewerbsfähige Teilnehmer an Weltcuprennen. Im Teambewerb hingegen zählt die Qualität eines Quartetts. Dermaßen verdichtet erhöht sich die Zahl der Sieganwärter.

Herbert Mandl, Cheftrainer der Damen-Abteilung: "Vom Image her ist das der wichtigste Bewerb für uns. Wir können nur verlieren. Außer wir gewinnen."

Zweifel und Potenzial

Und als man Günter Hujara trifft, den Renndirektor der Fis, und ihn frägt, was er vom Teambewerb halte, antwortet er: "Schon allein die Frage bedeutet, dass wieder die normalen Zweifel da sind an allem Neuen." Ist doch nicht neu, wirft man ein. "Nein, wir fahren auch sehr gut damit. Ich weiß, welches Potenzial in Parallel-Rennen drinnensteckt." Warum findet der Teambewerb dann so selten statt, nur bei Weltmeisterschaften und beim Weltcupfinale? Hujara: "Weil zum Beispiel Nationen wie Österreich ihn nicht mehr im Programm haben wollen. Gleichzeitig haben sie immer Superteams aufgestellt." Hujara bekrittelt, dass das Interesse nur da ist, wenn es um Medaillen geht. " Seit Jahren versuchen wir, den Bewerb im Weltcup zu verankern. Wir wollten und wollen ihn in Sölden an den Beginn der Saison stellen. Bis jetzt ist das immer gescheitert."

Das Ziel der Fis ist es nun, den Teambewerb als elfte alpine Disziplin ins olympische Programm zu hieven. Woran hapert es bis jetzt? Hujara: " Im Internationalen Olympischen Komitee sind Zweifel da aufgrund Äußerungen verschiedener Verbände, dass sie den Bewerb nicht ernst nehmen." (Benno Zelsacher - DER STANDARD, 12.2. 2013)

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    Marcel Hirscher findet den Teambewerb richtig gut: "Da sind die Besten der Welt dabei, es wird sicher spannend."

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