Das "Freie" am Hochschulzugang

Blog12. Februar 2013, 13:58
33 Postings

Auf der Suche nach der genauen Bedeutung des "freien Zugangs" darf die Definition desselben nicht fehlen

So sicher wie das Amen in der Kirche fallen in jeder Diskussion über die Situation der Universitäten und konkret der Zukunft der universitären Studien in Österreich die Schlagworte "Studiengebühren" und "Zugangsregelungen". Oft wird das eine mit dem anderen in unreflektierter - und manchmal auch politisch motiviert in polemischer - Weise verknüpft.

In den letzten Jahren rutschten die Unis bedingt durch eine chronische Unterfinanzierung bei einem gleichzeitigen Anstieg der Erstinskriptionen in eine immer prekärere Situation, auf die teils mit einer schrittweise Implementierung von Aufnahmeverfahren für einzelne Studienrichtungen an verschiedenen Universitäten geantwortet wurde. Reflexartig packten linke hochschulpolitische Fraktionen ihre Schüttelreime aus und übten sich in Kompromisslosigkeit und Diskussionsverweigerung. Die bodenlose Unverschämtheit, dass die Regierung denjenigen, die zum Studium zugelassen wurden, einen Platz auch im Hörsaal und in Übungen während ihrer Studienzeit garantieren wollte, musste mit allen Mitteln bekämpft werden. Lösungsvorschläge? Fehl am Platz!

Fleckerlteppich an Regelungen

Die neue Studienplatzfinanzierung sieht vor, dass in Zukunft dort, wo die Zahl der Studienanfänger die Kapazitäten übersteigt, Zugangsregeln erlaubt sind. Wie viele Plätze eine Universität vergeben muss, soll hierbei bei den dreijährigen Leistungsvereinbarungen festgelegt werden. Die Ausgestaltung dieser Regeln wurde im Rahmen der Autonomie den Hochschulen überlassen und so ist bis dato darüber noch nicht vieles bekannt. Klar ist, dass ganz Österreich damit konfrontiert ist, somit auch jeder Standort vor der gleichen Herausforderung steht.

Die Gefahr einer - vom Ministerium bewusst offen gelassenen Gestaltung dieser Zugangsverfahren - lokalen Lösung ist, dass auf einer Fläche unbedeutend größer als Bayern ein Fleckerlteppich an Regelungen entsteht. Was aber tun im potentiellen Wildwuchs autonomer Regulierungswut? Das Verweigern jeder Antwort seitens des politischen Mitbewerbers, bedingt durch fundamentale Ablehnung, wird den noch nie vorhandenen tatsächlich freien Hochschulzugang auch nicht plötzlich vom Himmel fallen lassen. Auf der Suche nach der genauen Bedeutung des "freien Zugangs" darf die Definition desselben nicht fehlen. 

Frei von fairen Studienbedingungen

Frei im Sinne von fehlenden Aufnahmeregeln, frei von Knock-out-Prüfungen oder frei von geschlechterdiskriminierender Aufnahme. Bei genauerer Betrachtung möchte man meinen, ist ein nicht definierter Zugang auch frei von Platzgarantien, frei von definierten Betreuungsverhältnissen, frei von fairen Studienbedingungen. Das oft damit einhergehende Windhund-Prinzip (englisch: first-come, first-served) bei Prüfungsanmeldungen und Ähnlichem benachteiligt neben erwerbstätigen Studierenden auch Eltern und andere.

Studentenausweise für die Allgemeinheit

Wie man die Universität von Leerläufen, Willkür, Notfallparagrafen und Quoten befreit, jedoch gleichzeitig pauschal der Allgemeinheit Studentenausweise aushändigt, erinnert an das bekannte Träumen von warmen Eislutschern. Der Casus Belli linker Träumerei und Panikmache wurde in der Realität gefunden.

Wie aber kann man diejenigen, die bereits auf der Universität angekommen sind, vor den negativen Auswirkungen eines unterfinanzierten und überlaufenen Studiums bewahren?

Wie kann ich den, zumeist technischen und schwach nachgefragten, Studien das Geld zukommen lassen, welches sie verdient hätten? Die dreijährigen Leistungsvereinbarungen der Universitäten mit der Republik können, ohne Einbeziehung einer treffsicheren Wahrsagerin, per se in einer Reaktion auf die bekannten Zahlen und Vorgaben fußen. Steigende Studierendenzahlen, Änderungen der Beliebtheit einer Universität, technische Neuerung etc. werden es so nie möglich machen, jeden Platz zu finanzieren. Weiters steht man vor der Herausforderung, Lehrkraft nicht auf Abruf zur Verfügung zu haben, sondern stets die Balance zwischen Forschung und Lehre zu finden, die sich natürlich in Budgets und Dienstverträgen ausdrücken lässt, aber durch die Abläufe an den Hochschulen gut dokumentiert noch immer nicht funktioniert.

Betreuungsverhältnisse festlegen

Um den Kreislauf durchbrechen zu können, bedarf es zweier Dinge: Dem Festlegen von Betreuungsverhältnissen, die die von allen Studierendenvertretern gewünschte und von der AktionsGemeinschaft geforderte Qualität sicherstellt, sowie einer ehrlichen Zielsetzung seitens der Regierung, wie viele Absolventen sie will.

Der immer wieder inflationär gebrauchte Ruf nach einer Erhöhung der Akademikerquote entpuppt sich bei Betrachtung der Budgetentwicklung als weiteres Lippenbekenntnis. Denn er impliziert bei gleich bleibendem Lehrenden-Studierenden-Verhältnis eine Erhöhung der Mittel. Die seit Jahren auf niedrigem Niveau - und ohne signifikante Erhöhung - liegende 1,34-Prozent-BIP-Marke legt den Verdacht äußerst nahe, dass die tertiäre Bildung im Vergleich mit den Bundesbahnen und dem Pensionswesen noch immer keinen besonders hohen Stellenwert einnimmt. (Florian Lerchbammer, derStandard.at, 12.2.2013)

Florian Lerchbammer studiert Internationale Betriebswirtschaft an der WU Wien und ist Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft.

  • Hochschulzugang - frei von fairen Studienbedingungen?
    foto: ap/eckehard schulz

    Hochschulzugang - frei von fairen Studienbedingungen?

  • Florian Lerchbammer ist Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft.
    foto: privat

    Florian Lerchbammer ist Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft.

Share if you care.