Initiative "Lebensmittel sind kostbar" will Verschwendung eindämmen

11. Februar 2013, 15:22
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Sozialpartner einig: 20 Prozent weniger Nahrung im Restmüll bis 2016 - AK-Experte Schöffl: "Handel muss behilflich sein"

Wien - "Für eine neue Werthaltung zu unseren Lebensmitteln" hat sich am Montagvormittag Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) ausgesprochen. Anlass war die Präsentation der Initiative "Lebensmittel sind kostbar", die gemeinsam mit den Sozialpartnern präsentiert wurde. Lebensmittelabfälle im Restmüll bis Ende 2016 um 20 Prozent zu verringern, lautete dabei das hehre Ziel. Derzeit landen laut einer Studie rund 157.000 Tonnen an Lebensmitteln sowie Speiseresten jährlich im Restmüll.

Demografische Unterschiede

Die Studie, die 2012 von der Universität für Bodenkultur (Boku) durchgeführt wurde, zeigte jedenfalls enorme demografische Unterschiede bei der Lebensmittelverschwendung in Österreich. So wies die Obfrau der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer, Bettina Lorentschitsch, darauf hin, dass in Wien pro Jahr und Einwohner mehr oder weniger noch Essbares um 269 Euro im Restmüll landet, bei Vorarlbergern hingegen nur 43 Euro. Ebenfalls gibt es altersmäßige Unterschiede, wie eine im selben Jahr erhobene Market-Studie zeigt, denn während Personen ab 50 Jahren sehr wenig wegwerfen, gibt es bei der jüngeren Bevölkerungsschicht ein weitaus weniger ausgeprägtes Problembewusstsein,

Sensibilisieren und informieren

"Sensibilisieren und informieren" soll daher das Motto sein, sagte Berlakovich, ein entsprechender Maßnahmenkatalog soll noch im Frühjahr erstellt werden. Für Konsumenten wurde seitens des Ressort-Chefs erneut der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum bei Lebensmitteln hervorgehoben, dessen Unkenntnis nicht selten zu einem "präventiven Entsorgen" führen würde, wie es Heinz Schöffl, Lebensmittelexperte von der Arbeiterkammer (AK), ausdrückte. Das Mindesthaltbarkeitsdatum garantiere die volle Genussfähigkeit, während die Haltbarkeit auch noch darüber hinaus gegeben sein kann.

AK-Experte Schöffl: "Handel muss behilflich sein"

"Der Beitrag des Konsumenten kann ein großer sein, doch der Handel muss behilflich sein", wollte Schöffl die Letztverantwortung nicht allein dem Bürger überlassen wissen. Großpackungen, die der Schnäppchenmentalität entsprechend im Einkaufswagen landen, würden sich dann im Restmüll wiederfinden. Der Leitsatz "Selektives statt emotionales Einkaufen" müsse daher schon in der Schule in das Bewusstsein jungen der Konsumenten gepflanzt werden. Die Großpackungs-Schelte wollte Lorentschitsch dabei nicht am Handel sitzen lassen, denn für Mehrkindfamilien hätten diese sehr wohl ihre auch sozial erklärbare Daseinsberechtigung. Zudem sei man sich der Problematik bewusst, man hätte intern für logistische Optimierung gesorgt, Mitarbeiter sensibilisiert. Ebenso betreibe man Handelskooperationen, wie etwa mit sozialen Einrichtungen wie der Salzburger Tafel, deren Vorstand Lorentschitsch ist.

Bewusstes Einkaufen

Ernst Tüchler, Leiter des Volkswirtschaftlichen Referats des ÖGB, betonte in einem Statement die ethische Komponente der Lebensmittelverschwendung: "Im Jahr 2020 werden wir 400.000 und im 2030 eine Million Menschen mehr sein." Würden unsere jetzigen Verhaltensweisen beibehalten werden, so würde das Ausmaß der Verschwendung dementsprechend mitwachsen, doch "um Frieden auf der Welt zu ermöglichen, müssen Lebensmittel möglichst für alle leistbar werden."

"Jeder Österreicher wirft durchschnittlich zwölf Kilogramm unverdorbene Lebensmittel im Jahr in den Müll", sagte Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer, der von den Konsumenten bewusstes Einkaufen forderte, damit nicht weiterhin pro Haushalt und Jahr Waren im Wert von 300 Euro im Müll landen. "Aber nicht nur das Wegwerfen, auch das Verschleudern zu Billigstpreisen zeigt, dass die hohe Wertigkeit heimischer Lebensmitteln oft missachtet wird." (APA, 11.2.2013)

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    Derzeit landen laut einer Studie jedes Jahr rund 157.000 Tonnen Lebensmittel und Speisereste im Restmüll.

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