Austria bei Trainern Titelfavorit

11. Februar 2013, 15:30
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Wenige Bundesliga-Trainer haben auch Red Bull Salzburg noch auf der Rechnung - Rapid nahezu komplett aus dem Rennen - Abstiegskampf völlig offen

Die Antworten der zehn Coaches der Fußball-Bundesliga-Clubs in der traditionell von der APA durchgeführten Trainerumfrage vor dem Start in die Frühjahrssaison am Wochenende:

Fragen:

1.) Wer wird Meister?

2.) Wie sehen Sie die Situation im Abstiegskampf?

3.) Wie lauten die Ziele Ihrer Mannschaft im Frühjahr?

4.) In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft gegenüber dem Herbst verbessern?

5.) Wie zufrieden sind Sie mit der Transferpolitik Ihrer Mannschaft?

Peter Stöger (FK Austria Wien):

1.) "Austria. Wir werden uns nicht verstecken, man kann vielleicht sogar sagen, dass die Austria Titelfavorit ist. Wir haben uns das erarbeitet und geschafft, weil wir gut waren und nicht, weil die anderen schlecht waren."

2.) "Damit beschäftige ich mich nicht. Wiener Neustadt wird es hoffentlich nicht, weil dort immer noch viele Menschen arbeiten, die ich auch zu meinen Freunden zählen würde - von der Führung bis zu den Spielern."

3.) "Unser Ziel ist der Meistertitel. Wir wollen nicht permanent etwas verteidigen. Unser Ansatz muss sein, den Vorsprung auf Salzburg etwa auf 10 Punkte und den auf Rapid auf 12 Punkte auszubauen. Auch wenn es dann nicht funktioniert, die Grundeinstellung muss so sein. Wenn wir Zweiter werden würden, wäre es für den Verein immer noch eine Super-Geschichte. In der Außendarstellung wäre es aber möglicherweise so, dass es für viele dann eine Riesenenttäuschung ist, weil man immer nur die Kurzfristigkeit sieht."

4.) "Wir brauchen teilweise noch mehr Ruhe im Spiel. Obwohl wir viel Ballbesitz und eine geringe Fehlpassquote haben, wollen wir trotzdem noch mehr Kontrolle im Spiel haben. Du musst einmal das Tempo ein bisschen rausnehmen, dann wieder anziehen, eben mit dem Spieltempo spielen, das haben wir noch nicht so drauf."

5.) "Es war perfekt. Es gehört zu einer Entwicklung dazu, zu erkennen wo man sich noch verbessern kann. Nacer Barazite ist ein Spieler, der uns auch sofort weiterhelfen kann. Und die Entscheidung Roland Linz abzugeben war richtig. Der Roli hat sich in dem halben Jahr sehr untergeordnet was die Mannschaft betrifft, ich weiß aber auch, dass das noch ein halbes Jahr für ihn schwierig geworden wäre, wenn er nicht zum Einsatz gekommen wäre. Man muss irgendwann auch sagen, dass man einen guten Spieler auch einmal weggeben muss, der Stimmung wegen."

Roger Schmidt (Red Bull Salzburg):

1.) "Es wird ein spannendes Rennen. Letztendlich haben noch vier Mannschaften Chancen auf den Meistertitel. Aber ich glaube daran, dass wir uns am Ende durchsetzen werden. In den nächsten 15 Spielen müssen wir vier Punkte auf Austria Wien aufholen und dann das letzte Heimspiel gewinnen."

2.) "Das ist sehr schwer zu beurteilen und wird wahrscheinlich auch bis zum Ende hochdramatisch bleiben."

3.) "Kurzfristig ist es natürlich unser Ziel das Double zu verteidigen. Darüber hinaus wollen wir unsere Spielkultur weiter entwickeln und diese nach Möglichkeit in den ganzen Verein transportieren."

4.) "Letztendlich müssen wir das, was wir in vielen Spielen bereits gezeigt haben, beim Verhalten gegen und mit dem Ball, einfach noch konstanter umsetzen."

5.) "Wir haben keinen Spieler geholt, das zeigt, dass wir in der ersten Transferperiode die Kaderzusammenstellung ganz gut korrigiert haben. Wir haben jetzt eine Kadergröße, die für das Training ideal ist, von daher können wir auch damit zufrieden sein. Wenn man keine Transfers tätigt, zeigt dass auch, dass man sehr viel Vertrauen in die Spieler hat, die da sind. Und das ist ein gutes Zeichen."

Peter Schöttel (SK Rapid Wien):

1.) "Der Vorsprung der Austria nach 20 Runden ist groß, deswegen hat sie die größte Chance."

2.) "Es wird eng, es kann noch ein paar Vereine erwischen."

3.) "Minimalziel ist das Erreichen eines internationalen Bewerbs, wenn möglich wollen wir einen Titel gewinnen, gute Spiele abliefern und die Mannschaft weiterentwickeln. Der Meistertitel wird nur dann ein Thema, wenn wir die ersten vier Runden gewinnen."

4.) "Wir müssen im Angriffsdrittel bessere Lösungen finden, damit wir zu mehr Toren kommen."

5.) "Wir haben mit Drazan einen logischen Transfer gemacht, mit Sabitzer einen Spieler mit großem Potenzial dazubekommen. Wir haben Ildiz die Möglichkeit gegeben, in die deutsche Bundesliga zu gehen. Und wir haben mit Boskovic einen alten Bekannten bekommen, der gezeigt hat, dass er uns helfen kann, wenn er fit ist. Ich bin mit unseren Transfers zufrieden. Der Kader ist ein bisschen kleiner geworden, aber das ist okay."

Peter Hyballa (SK Sturm Graz):

1.) "Ich glaube einer von den beiden die oben stehen. Bei den Salzburgern hat manchmal eben noch das eine Prozent gefehlt, aber der Abstand ist nicht so weit  zur Austria, da kann noch viel passieren. Die Austria ist aber richtig stark, ich bin gespannt ob sie ihren Lauf auch in den nächsten 16 Spielen halten kann."

2.) "Zum Abstiegskampf will ich mich eigentlich gar nicht äußern, aber es ist alles eng zusammen und offen."

3.) "Wir sind auf dem vierten Platz, den wollen wir unbedingt halten. Klar schielen wir auch ein bisschen nach oben, aber ich denke alles andere als der vierte Platz wäre ein Bonus."

4.) "Wir müssen besser im Ballbesitz werden, noch mehr Ruhe am Ball haben. Das Umschalten auf Offensive muss besser werden. Wir erkämpfen oft den Ball, aber verlieren auch oft wieder den Ball, da hast du unheimlich viel Laufarbeit, musst viel investieren. Die Raumaufteilung müssen wir noch ein bisschen mutiger machen, noch offensiver, noch breiter, noch tiefer."

5.) "Das passt so, denn es ist ja jetzt schon so, dass Spieler wenn sie nicht spielen, auch immer mal ein bisschen unzufrieden sind oder mit anderen Vereinen ein bisschen flirten. Ich werde in den nächsten vier Monaten versuchen das Maximale aus diesem Kader herauszuholen."

Michael Angerschmid (SV Ried):

1.) "Salzburg oder die Austria. Sie spielen noch zweimal gegeneinander, wo noch sehr viel passieren kann. Wenn die Austria aber so einen Lauf wie im Herbst hat, dann wird der Rückstand für die Salzburger schwer zum Aufholen sein."

2.) "Ich glaube, dass es so offen bleibt. Ich denke, da wird keiner abreißen. Letztendlich wird entscheidend sein, wer die direkten Duelle gewinnen wird."

3.) "Der Europacup ist natürlich das Ziel. Wenn du in der Meisterschaft noch dabei bist und auch im Cup noch alle Möglichkeiten hast, musst du das ins Auge fassen und sagen, das will ich erreichen. In der Meisterschaft wollen wir den Abstand nach vorne so schnell wie möglich verkürzen, im Cup unbedingt gegen den LASK gewinnen."

4.) "Wir müssen mit Sicherheit unser Spiel nach vorne verbessern, etwa die Umschaltphase von der Defensive in die Offensive. Wir bereiten uns so vor, dass wir um ein paar Meter weiter vorne attackieren. Wir wollen in die Richtung gehen, dass unsere Spielweise noch aktiver wird, wie das jetzt im Herbst am Schluss schon war. Das ist ein Prozess, der immer weitergeht."

5.) "Wir sind die einzelnen Positionen durchgegangen und haben festgestellt, dass wir eigentlich nur im Sturm Verstärkung brauchen, weil wir da mit Rene Gartler und Markus Hammerer sehr dünn besetzt waren. Überall anders sind wir so besetzt, dass wir auskommen. Mit Toni Vastic sind wir bisher sehr zufrieden."

Nenad Bjelica (Wolfsberger AC):

1.) "Dass die großen vier Mannschaften vorne sind, war zu erwarten, ein Wunder ist nur, dass nicht Salzburg mit sieben Punkten Vorsprung vorne ist. Das spricht für die Austria, die einen tollen Herbst gespielt hat. Natürlich wird es nicht einfach, aber ich traue ihr den Titel zu, weil sie genug Qualität hat. Sie sind eingespielt, haben eine sehr gute Mannschaft und einen sehr guten Trainer."

2.) "Es sind fünf Mannschaften unten, die eigentlich noch Probleme bekommen können, wir sind auch dabei."

3.) "Unser Hauptziel bleibt in der Bundesliga zu bleiben. Alles was über dem Klassenerhalt kommt, ist einfach hervorragend. Der Europacup wäre ein schönes Zubrot. Wir sind auch noch im Cup dabei, wo wir Chancen sehen, eventuell in den Europacup zu kommen."

4.) "Die Mannschaft muss sich in allen Bereichen verbessern. Wir müssen uns was die Konzentration und technisch sowie taktische Arbeit betrifft verbessern und wir müssen mehr Kontinuität hineinbringen, was die Ergebnisse betrifft."

5.) "Wir haben fast immer wenig geändert, vor allem im Winter. In der Innenverteidigung war das Risiko zu groß, da mussten wir handeln, sonst sind alle Spieler sehr fleißig und voll im Saft, da brauchen wir keine zusätzlichen Spieler."

Franz Lederer (SV Mattersburg):

1.) "Die Austria sollte aufgrund des Barazite-Transfers vor allem in der Offensive noch stärker sein, da wird es für die anderen Teams schwer, sie noch einzuholen."

2.) "Es ist alles offen, wir sehen die Situation richtig und sind nicht so blauäugig, dass wir glauben, dass uns nach hinten nichts mehr passieren kann."

3.) "Wie es in Mattersburg immer üblich ist, schauen wir nach oben und nach unten. Unser Ziel muss aber sein, den fünften Platz anzustreben."

4.) "Wir müssen unsere Leistungen stabilisieren und dabei vor allem mehr Stabilität in die Defensive bringen. Im Herbst hat die Mannschaft manchmal nicht die richtige Mentalität gefunden. Mattersburg kann es sich aber nicht erlauben, nicht am vollen Drücker in ein Spiel zu gehen."

5.) "Wir haben etwas tun müssen, weil uns mit Rath und Malic zwei wichtige Abwehrspieler ausgefallen sind. Die beiden Jungen Novak und Dau passen ganz gut zu unserem Anforderungsprofil, das sind junge Burschen, mit dem notwendigen Biss, die uns vom Kader her breiter machen sollen. Majstorovic ist noch zu kurz bei uns, um wirklich etwas über ihn sagen zu können."

Dietmar Kühbauer (FC Admira Wacker Mödling):

1.) "Die Ausgangssituation ist komplett neu, weil sieben Punkte sind eine Menge Holz. Vor der Austria muss man den Hut ziehen, sie steht zurecht vorne. Aber Salzburg ist nicht außer Acht zu lassen. Für die Truppe wäre es ein Wahnsinn, wenn sie es nicht schaffen würde."

2.) "Die Situation ist für uns genauso wie für die anderen zwei Teams sehr gefährlich. Ich glaube auch, dass Mattersburg und Wolfsberg noch dazukommen können. Die Mattersburger haben die besten Karten, weil sie die Situation seit Jahren kennen und gelernt haben, damit umzugehen."

3.) "Ich habe schon zu Saisonbeginn gesagt, dass unser erstes Ziel der Klassenerhalt ist. Durch den Erfolg der vergangenen Saison haben einige gemeint, es geht so weiter, ich war aber der vollsten Überzeugung, dass es knapp wird. Ich habe es mir nicht gewünscht, aber mit der Serie, die wir zuletzt hatten, sind wir unten reingerutscht und jetzt müssen wir fighten."

4.) "In Wahrheit müssen wir uns in allen Mannschaftsteilen steigern. Hinten haben wir Fehler gemacht, die uns normal nicht passieren dürfen und im Spiel nach vorne haben wir dann auch nicht mehr die Chancen herausspielen können, da haben wir nicht mehr das nötige Feuer gehabt. Es ist wichtig, dass wir hinten kompromissloser sind, im Mittelfeld die nötige Ballsicherheit haben und vorne, wenn wir Chancen haben, diese anständig abschließen."

5.) "Es war jetzt notwendig etwas zu tun, aber nicht aufgrund der Tabellensituation. Wir haben mit Sabitzer, Schrott, Schicker auch Abgänge gehabt. Fakt ist, das große Geld war bei uns nicht im Spiel, wir haben keine teuren Spieler und mit Mikus und Gremsl auch Potenzialspieler geholt. Ich habe aber jetzt mehr Alternativen. Einen Innenverteidiger hätte ich noch gerne gehabt, weil Windbichler Probleme hat."

Heimo Pfeifenberger (SC Wiener Neustadt):

1.) "Das machen sich die Austria und Salzburg wahrscheinlich untereinander aus. Momentan würde ich auf die Austria tippen, mit sieben Punkten Vorsprung und wie sie gespielt haben im Herbst, da kann man es ihnen auf jeden Fall zutrauen. Aber auch Red Bull hat eine sehr gute und giftige Mannschaft. Rapid hat nur mehr eine Chance, wenn sie im Derby gleich einmal zuschlagen."

2.) "Es ist ganz schwer zu sagen, es ist alles ganz knapp beieinander. Ich glaube, dass die Situation nicht anders sein wird, wie im Herbst. Der Start ins Frühjahr wird entscheidend sein, wie schnell du in den Tritt kommst."

3.) "Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Wir haben einen guten Zusammenhalt in der Mannschaft, alle glauben daran, dass wir auch nächstes Jahr in dieser Liga spielen."

4.) "Wir haben zu viele Tore gekriegt, speziell auch bei Standards und im letzten Drittel eindeutig zu viele Ballverluste gehabt. Auch dürfen wir die Chancen, die wir uns herausarbeiten, nicht so leichtfertig vergeben. Von den Spielern muss da jetzt der nächste Schritt kommen, weil sie ja jetzt schon ein halbes Jahr länger in der Bundesliga sind und auch schon einige Spiele am 'Buckl' haben."

5.) "Das passt. Wir wollten die Mannschaft bewusst nicht zu viel verändern, weil sie sich gut präsentiert und es sich dadurch verdient hat."

Roland Kirchler (FC Wacker Innsbruck):

1.) "Austria und Salzburg sind die zwei Topkandidaten. Peter Stöger leistet hervorragende Arbeit, da muss ich ihm wirklich ein Kompliment machen. Wenn die Austria einen guten Start hinlegt, kann sie es schaffen."

2.) "Fünf Punkte sind gar nichts, es können alle fünf Vereine, die hinten sind, dabei sein. Nach den ersten drei Runden wird ein kleiner Trend zu erkennen sein, es könnte sein, dass eine Mannschaft wegbricht oder sich ins Mittelfeld absetzt."

3.) "Wir nehmen das Wort Abstieg nicht in den Mund. Wir wollen so gut Fußball spielen wie möglich und so viele Punkte wie möglich sammeln. Wenn wir unseren positiven Trend weiterführen, werden wir automatisch Punkte machen, dann wird sich das Thema Klassenerhalt von selbst erledigen. Auch der Cup ist für uns ein großes Thema."

4.) "Wir müssen uns vor allem im mentalen Bereich steigern. Wir müssen uns immer wieder trauen Fußball zu spielen und nicht nur den Ball wegschießen und alles hoch nach vorne. Wir müssen schauen, dass wir im Ballbesitz bleiben. Und wir müssen schauen, dass wir die Dinge, die wir im Training schon gut können, uns auch im Spiel trauen."

5.) "Wir hätten schon noch gerne einen Qualitätsspieler in unseren Reihen gehabt, das war aufgrund der finanziellen Situation aber nicht möglich. Das akzeptieren wir. Wir starten jedenfalls mit unserem Kader voller Elan in die Frühjahrssaison." (APA, 11.2.2013)

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    Peter Stöger (Austria): "Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Austria Titelfavorit ist. Wir haben uns das erarbeitet und geschafft, weil wir gut waren und nicht, weil die anderen schlecht waren."

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    Roger Schmidt (RBS): "Ich glaube daran, dass wir uns am Ende durchsetzen werden."

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    Peter Schöttel (Rapid): "Der Vorsprung der Austria nach 20 Runden ist groß, deswegen hat sie die größte Chance."

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    Peter Hyballa (Sturm): "Bei den Salzburgern hat manchmal eben noch das eine Prozent gefehlt, aber der Abstand ist nicht so weit zur Austria, da kann noch viel passieren."

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