Foren ersatzlos abschaffen?

Blog11. Februar 2013, 16:25
535 Postings

Eine E-Mail-Korrespondenz zum demokratischen Wert von Postings

From: Luise W.
To: derStandard.at Community
Subject: Was möchte ich gerne im STANDARD lesen?

Zunächst herzlichen Dank für das Angebot!

Mein Anliegen ist aber eher negativ. Es ist eher, was ich im Online-STANDARD so gerne nicht mehr lesen würde.

Ich begreife nicht, wozu es die Möglichkeit gibt, Kommentare zu Artikeln zu posten. Die Postings sind durchwegs negativ oder zumindest aber skurril, widerlich, abwertend, manchmal schlichtweg dumm oder beleidigend. Ich wäre dafür, dieses Feature ersatzlos abzuschaffen. Natürlich muss ich das Zeug ja nicht lesen, und ich tue es auch nur mehr selten, bin aber jedes Mal entsetzt vom Niveau. Gibt es einen Grund, wie etwa, damit mehr Kunden die Anzeigen lesen? In diesem Fall wäre es für mich leichter, es zu tolerieren, damit der Online-STANDARD gratis bleibt.

Als demokratisch wichtig empfinde ich es jedenfalls nicht. Es ist doch dominiert von Rechthabern und Besserwissern, und die Leute, die dort posten, scheinen nicht wirklich an einem Austausch interessiert zu sein, sondern eher am Verbreiten von und Festhalten an Vorurteilen. Warum gibt man ihnen eine Plattform auf derStandard.at? Die finden doch bestimmt genug andere Plattformen, um ihre engstirnigen Ansichten anderswo zu posten.

Zumindest einen Artikel zu diesem Thema (also: Warum solch eine Plattform anbieten?) würde ich gerne lesen.

Mit freundlichen Grüßen,

Luise W.
1070 Wien

From: Burger Christian
To: Luise W.
Subject: RE: Was möchte ich gerne im STANDARD lesen?

Sehr geehrte Frau W.,

vielen Dank für Ihr Schreiben, auch wenn es sich um ein "eher negatives Anliegen" handelt.

Als Community-Verantwortlicher von derStandard.at möchte ich Ihnen eine kurze Antwort geben.

Sie fragen, warum wir (einer bestimmten Gruppe von) PosterInnen eine Plattform bieten. Sie beziehen sich dabei auf Menschen mit engstirnigen Ansichten, die nicht an Austausch, schon gar nicht an Dialogen interessiert sind, sondern ihre Vorurteile verbreiten und festigen möchten. Ich teile Ihren Befund (leider) partiell, nicht jedoch generell. Es ist unbestritten, dass das Niveau der Postings häufig zu wünschen übrig lässt. Zu oft kommt es zu keinem Dialog, von Diskurs (zum Beispiel im Sinne von Habermas) kann noch seltener die Rede sein.

Obwohl wir unserem Ziel - einer Plattform für lebendige, interessante und einladende Dialoge - noch nicht ausreichend nahe gekommen sind, sehen wir immer wieder auch positive Beispiele, das heißt, es findet immer wieder ein Austausch statt, der sowohl für die Beteiligten als auch für LeserInnen zu einem Erkenntnisgewinn führt. Eine sehr interessante Analyse dazu finden Sie übrigens hier: http://derstandard.at/1347492944256/Der-Dialog-ist-das-zentralste-Gut-der-Oeffentlichkeit

Wir sind gefordert, die Bedingungen der Kommunikation in unseren Foren so zu gestalten, dass es häufiger zu einem Dialog oder zu einem Diskurs kommen kann. Dafür gibt es zwei Ansatzpunkte: Einerseits handelt es sich um technisch-funktionale Parameter (zum Beispiel die Einführung neuer Profile, die wir eben umgesetzt haben, oder Möglichkeiten für LeserInnen, Postings in Foren zu filtern und zu sortieren; das ist demnächst geplant). Andererseits glauben wir, dass wir durch Teilnahme an den Diskussionen (also durch eine aktive Moderation) Einfluss auf die Forenkultur nehmen können. Und schließlich sehe ich es als unsere Aufgabe, die Einhaltung der Community-Richtlinien noch konsequenter durchzusetzen.

Mit besten Grüßen,
Christian Burger

(Luise W./Christian Burger, derStandard.at, 11.2.2013)

Dieser Text stammt aus einer E-Mail-Korrespondenz und wurde als Beitrag im Blog "PosterInnen-Blickwinkel" veröffentlicht. Wir bitten um weitere Einsendungen zum Thema Community an community@derStandard.at

  • Postings im Rückspiegel - ist ein demokratischer Wert erkennbar?
    foto: derstandard.at

    Postings im Rückspiegel - ist ein demokratischer Wert erkennbar?

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