Lehrer gesucht - aber nicht aus dem Ausland

12. Februar 2013, 13:53
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Befristete Verträge, schlechtere Bezahlung: Pädagogen aus dem Ausland müssen einige Hürden überwinden, um in Österreich unterrichten zu können

Nils Johansson* lebt seit eineinhalb Jahren in Österreich. Der 36-jährige Lehrer kommt aus Schweden, hat in seiner Heimat Mathematik und Physik studiert und danach jahrelang unterrichtet. Aus privaten Gründen zog er nach Österreich. Die Sprache hat er schnell gelernt, und ein Jahr nachdem er in Österreich angekommen war, begann er schon zu unterrichten. Nicht als Schwedischlehrer, er unterrichtet Physik und Mathematik in einer Kooperativen Mittelschule in Wien. "Ich mache dieselbe Arbeit wie andere Lehrer auch", sagt Johansson. Doch bezahlt wird er nicht wie seine Kollegen.

Sondervertrag

Er hat einen Sondervertrag erhalten und verdient dadurch deutlich weniger als Lehrer aus Österreich. Sein Vertrag ist außerdem auf ein Jahr befristet. Das ist ungerecht, findet Johansson: "Meine Ausbildung wird nicht anerkannt, obwohl ich mein Studium in Schweden auf Master-Niveau abgeschlossen habe."

Eine Stelle als Lehrer zu erhalten war dagegen nicht schwer. "Ich wollte mich zunächst eigentlich als Sprachlehrer bewerben und habe mehrere Schulen kontaktiert." Nach dem Gespräch mit dem Direktor seiner jetzigen Schule legte dieser ein gutes Wort beim Stadtschulrat für ihn ein. Johansson wurde ein Job als Mathematik- und Physiklehrer angeboten. Er erklärt sich das mit dem Lehrermangel, der gerade in technischen Fächern in Wien herrscht. "Sie suchen händeringend nach Lehrern und sind daher sehr dankbar für qualifizierte Pädagogen."

"Schlag ins Gesicht"

Seit September unterrichtet Johansson nun in der Kooperativen Mittelschule Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Wie es das Prozedere vorsieht, stellte er einen Antrag an den Stadtschulrat, damit sein Studium anerkannt wird und er anstelle eines Sondervertrags einen vollwertigen Vertrag erhält. "Die Antwort war ein Schlag ins Gesicht", sagt Johansson. Denn jetzt muss er nicht nur das Unterrichtsmodul "Landeskunde" nachholen, was seiner Meinung nach nachvollziehbar wäre, da es dabei auch um Fragen des österreichischen Schulrechts geht - nein, er muss auch Chemieprüfungen ablegen. Um einen vollwertigen Vertrag zu erhalten, muss Johansson auch Schulpraxis nachholen, obwohl er neun Jahre Berufserfahrung hat.

Der Schwede kann nicht nachvollziehen, warum ihm Steine in den Weg gelegt werden. "Ich bin gratis, Österreich musste für meine Ausbildung nichts bezahlen." Er verfüge über viel Erfahrung. "Firmen würden sich freuen, wenn sich Leute aus dem Ausland bewerben. Man kann voneinander lernen."

Der Stadtschulrat rechtfertigt sich auf Anfrage von derStandard.at folgendermaßen: "Der betroffene schwedische Lehrer hat ein Studium für Mathematik und Physik in Schweden absolviert. Der Gegenstand an österreichischen Kooperativen Mittelschulen heißt 'Physik und Chemie'. Da es keinen Nachweis gibt, dass dieser schwedische Lehrer auch den Gegenstand Chemie in seiner Heimat studiert hat, ist dies an einer österreichischen Pädagogischen Hochschule nachzuholen." Johansson bezeichnet seine Chemie-Kenntnisse als ausreichend, da er im Zuge seines Studiums auch entsprechende Vorlesungen absolviert hat.

Unterstützung vom Stadtschulrat

Gleichzeitig kündigt der Stadtschulrat an, Lehrer, die aus dem Ausland kommen und in Österreich unterrichten möchten, künftig besser unterstützen zu wollen. Bedarf an ausländischen Lehrern ist aufgrund des Lehrermangels gegeben, kommen doch in den letzten Jahren auch verstärkt Studierende zum Einsatz. In Wien sind derzeit rund 400 Lehrer-Planstellen von Lehramtsstudenten besetzt.

Lehramtsstudenten wurde zuletzt von der Universität Wien Unterstützung versprochen, damit sie ihr Studium schneller abschließen können. Ähnliche Maßnahmen soll es seitens des Stadtschulrats nun auch für Lehrer aus dem Ausland geben, um sie im Unterricht in Österreich einsetzen zu können.

Lehrer aus Deutschland

Derzeit unterrichten 230 Lehrer ohne österreichische Staatsbürgerschaft an öffentlichen Schulen in Wien. 71 von ihnen haben befristete Sonderverträge. Der Großteil der Lehrer aus dem Ausland kommt aus Deutschland, gefolgt von Ungarn, Tschechien und Italien.

Ob die angekündigten Maßnahmen Johansson helfen werden? Er will jedenfalls in Österreich bleiben und weiter unterrichten. "Mein Ziel ist es, als Lehrer anerkannt zu werden und einen vollwertigen Vertrag zu erhalten", sagt der Pädagoge. Seinen Beruf übt er gerne aus: "Ob in Schweden oder Österreich, sollte egal sein." (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 12.2.2013)

* Name von der Redaktion geändert

  • Der Schwede Nils Johansson* hat neun Jahre Unterrichtspraxis. In Österreich muss er zurück an die Uni, um einen vollwertigen Vertrag zu erhalten.
    foto: standard/newald

    Der Schwede Nils Johansson* hat neun Jahre Unterrichtspraxis. In Österreich muss er zurück an die Uni, um einen vollwertigen Vertrag zu erhalten.

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