Haus oder Wohnung?

15. Februar 2013, 17:00
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Die Überlegung Haus oder Wohnung steht bei der Suche nach den eigenen vier Wänden ganz oben am Fragekatalog. Für welche Wohnform man sich entscheidet, ist nicht nur eine Frage des Preises.

Viele können es sich nicht aussuchen, wie und wo man wohnt, denn es ist nicht nur von der Familienstruktur und der beruflichen Situation abhängig, sondern auch vom Einkommen (und Besitz), welche Wohnform man sich leisten kann und will. Als Single oder kinderloses Paar scheint eine zentral gelegene Wohnung in der Nähe von Cafés und Einkaufsmöglichkeiten oft ansprechender als ein Haus im Grünen, womöglich fernab von öffentlichen Verkehrsmitteln und kulturellen Vergnügungsmöglichkeiten. Doch meistens taucht die Frage nach dem Haus mit Garten spätestens dann auf, wenn sich Nachwuchs ankündigt.

Laut Statistik Austria lebten rund 44 Prozent der etwa 3,65 Millionen österreichischen Haushalte im Jahr 2011 im eigenen Haus. Elf Prozent wohnten in einer Eigentumswohnung, der Rest auf (Unter-)Miete. Nur Wien sticht als größte Stadt bei der Statistik heraus: Hauseigentümer machen gerade mal 6,6 Prozent aus, Wohnungseigentümer 13,6 Prozent. Der Großteil, nämlich mehr als ein Dreiviertel der WienerInnen, leben als Haupt- und Untermieter. Im Vergleich: Knapp 80 Prozent der BurgenländerInnen leben im Hauseigentum.

Was will ich eigentlich?

Steht man vor der Entscheidung "Haus oder Wohnung", sollte man einige Fragen mit sich selbst klären: Bin ich eher ein Stadt- oder Landmensch? Welche Infrastruktur ist für meine Bedürfnisse Voraussetzung? Wie viel Platz benötige ich? Braucht z.B. jedes Familienmitglied einen eigenen Rückzugsraum? Will ich einen Garten oder Balkon oder kann ich auf Freiflächen verzichten? Wie viel Wert lege ich auf eigene Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten? Wie stehe ich zu Nachbarn? Und in welchem Ausaß kann und will ich mich mit der Instandhaltung und Pflege meines Heims auseinandersetzen?

Der Traum vom eigenen Haus

Der Traum der meisten ÖsterreicherInnen ist wohl der vom eigenen Haus. Sei es selbst gebaut oder im Auftrag einer Baufirma, das Plus gegenüber einer Wohnung, die in ein durchkonzipiertes Wohnhaus eingegliedert ist, sind klar die Planungsfreiheit und die unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Man ist – im Rahmen der gesetzlichen Regelungen* - sein "eigener Herr" und kann die Räume nach den persönlichen Vorlieben planen. Der Keller bzw. der Dachboden kann multifunktional genutzt werden, sei es als Waschküche, Abstellraum, für die Bibliothek oder als Gästezimmer. Der größte Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Wohnung: der eigene Garten und die fehlenden Nachbarn.

Generell bieten Häuser meist ein größeres Platzangebot als Wohnungen sowie zusätzliche Nutzräume: Die Flächen in Einfamilienhäusern sind laut Statistik Austria mit 119,8m2 fast doppelt so groß wie bei Mietwohnungen. Der Haken beim Thema Haus liegt im Preis: In der Anschaffung ist es teurer als eine Eigentumswohnung in ähnlicher Lage – auch das Grundstück, auf dem das Haus steht, muss erworben werden. In einer Großstadt fast unerschwinglich. Und auch die Neben- und Erhaltungskosten steigen auf Grund des großzügigeren Wohnraums und der höheren Eigenverantwortung. Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen müssen selbstständig gewährleistet werden. Kein Hausmeister kehrt im Winter den Schnee weg, keine Genossenschaft ist für Defekte zuständig, kein Nachbar ist anteilig an Kosten beteiligt.

Wohnung – nur für Kinderlose ideal?

Die Wohnung punktet im Gegensatz zum Haus mit einer meist attraktiveren Lage – meist eher innerstädtisch und mit einer besseren Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Ein Auto ist also nicht unbedingt ein Muss. Eigentumswohnungen sind oft zu einem günstigeren Preis zu haben als Einfamilienhäuser in gleicher Lage. Auch die Unterhaltskosten sind günstiger. Größere Renovierungsarbeiten können sich Besitzer einer Eigentumswohnung mit den Nachbarn teilen, in Mietwohnungen sind diese in der Regel über die Miete abgedeckt. Auch die laufenden Nebenkosten, etwa fürs Heizen, sind für den einzelnen Wohnungseigentümer niedriger. Die Wohnhaus-Gemeinschaft verlangt aber auch mehr Abstimmungsbedarf. Entscheidungen zu baulichen Veränderungen am Haus, kann man nicht alleine treffen.

Lärm von spielenden oder weinenden Kindern wird in Österreich übrigens als "sozial angemessen" eingestuft. Anrainer können daher aus Lärmschutzgründen nicht gegen Kindereinrichtungen vorgehen.

Eine Entscheidung für immer?

Im Laufe des Lebens verändern sich unsere Ansprüche. Häufig vergisst man, dies bei der Planung des Traumhauses mit einzubeziehen. Was passiert wenn man älter wird, wenn die Kinder groß geworden und ausgezogen sind? Das einst maßgeschneiderte Eigenheim entspricht selten den sich verändernden Anforderungen des Alters. Viele bleiben auch dann - oft alleine und mit der Instandhaltung überfordert - im überdimensionierten Eigenheim, denn die Alternative dazu hieß meist Altersheim.

"Doch die Umzugsbereitschaft bei Älteren ist im Steigen, wenn es adäquate Angebote in der Nähe, wie barrierefreies Wohnen in speziellen Wohngemeinschaften, gibt", so Wohnbau-Experte Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Wohnen und Bauen. Ein Umzug in eine zentral gelegenere Wohngemeinschaft bietet oft Lift, Einkaufsmöglichkeiten ums Eck und ein Arzt in der Nähe. Verloren geglaubte Mobilität kann so wieder hergestellt werden. "Der Hauptwunsch der meisten älteren Menschen ist, dass sie in ihrer vertrauten Gegend bleiben", so Amann. (Karin Jirku, derStandard.at, 15.2.2013)

*Infos zu Baurecht und Baurordnung siehe HIER.

  • Viele ÖsterreicherInnen träumen vom eigenen Garten - und sei er noch so klein.
    foto: karin jirku

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  • Leben im Traumhaus: Hohe Kosten, Arbeitsaufwand und Eigenverantwortung sind die Kehrseiten des Wohnidylls.
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