Die Austro-Mars-Simulation in der Sahara hat begonnen

11. Februar 2013, 14:02
29 Postings

In der Wüste und in Innsbruck wird drei Wochen lang eine Mars-Mission simuliert

Innsbruck - Mit dem sogenannten "Landing day" hat das Österreichische Weltraumforum (ÖWF) am Montag seine "Marokko Mars Simulation 2013" (Mars2013) in der nördlichen Sahara gestartet. Kurz vor 11 Uhr erfolgte das "Go" für das bis zum 28. Februar dauernde und vom "Mission Support Center" des Weltraumforums in Innsbruck aus gesteuerte Forschungsprojekt. "Es ist das erste Mal, dass eine Mars-Simulation drei Wochen lang und vor allem von A bis Z mit einer Zeitverzögerung durchgeführt wird. Das ist ein großer Tag in der Geschichte der Marsforschung", erklärte ÖFW-Flugdirektor Alexander Soucek vor Journalisten in Innsbruck.

Dies sei "ein großer Meilenstein" auf dem Weg zu einer bemannten Marsmission, fügte Soucek hinzu. Es sei zudem das erste Mal, dass man eine Simulation mit einer derart hohen Genauigkeit in der Wüste durchführe. Mit einer Zeitverzögerung von zehn Minuten sendete der mit einem 45 Kilogramm schweren Raumanzug ausgestattete analoge Astronaut das erste Signal auf die "Erde" namens Innsbruck und steckte anschließend die Flagge des Weltraumforums in den Wüstenboden. Bei einer möglichen Marsmission würde die Zeitverzögerung nach jeder Meldung bzw. jedem Befehl zehn bis 35 Minuten dauern. Das Gebiet in Marokko habe man ausgewählt, weil es der Marslandschaft ähnlich sehe.

Test für Raumanzugsprototypen

Zweck der Übung ist es laut Soucek, Geräte und Arbeitsabläufe für künftige bemannte Marsmissionen zu testen und dazu beizutragen, dass sie wissenschaftlich brauchbare Daten liefern. Das ÖWF will in der Sahara unter anderem herausfinden, wie sehr seine zwei Raumanzugsprototypen die Beweglichkeit und Fingerfertigkeit von Astronauten einschränken, und wie man damit auf unsicherem Terrain und mit kleinen technischen Geräten zurechtkommt. Zudem sollen geologische Untersuchungen durchgeführt werden. Verschiedene Erkundungsgefährte und Rover sollen ebenso unter möglichst Mars-ähnlichen Bedingungen zum Einsatz kommen. Mittels eines auf einem der Rover installierten Lasers werde die Zusammensetzung des Gesteins untersucht.

"Camp Weyprecht" in der Sahara

Ein Konvoi aus Ärzten, Wissenschaftern, Technikern und Testern war bereits Ende Jänner, eskortiert von der marokkanischen Gendarmerie Royale, mit sechs Tonnen Ausrüstung von der Meeresküste über das Atlasgebirge und dann querfeldein in die nördliche Sahara gereist, wo das "Camp Weyprecht" aufgeschlagen wurde. Mitarbeiter aus insgesamt 20 Nationen nehmen an dem Projekt teil, in Innsbruck sind bis Ende Februar rund 30 Personen stationiert, in Marokko befindet sich derzeit eine zehnköpfige Crew. "Insgesamt können wir auf rund 100 freiwillige Mitarbeiter zählen", meinte der Flugdirektor.

Für das ÖWF, das etwa schon in den Dachsteinhöhlen für Marserkundungen getestet hat, sei die Simulation in der Sahara die größte Mission bisher, in ganz Europa und Afrika habe es noch nichts Vergleichbares gegeben, erklärte Soucek. Der Wissenschafter zeigte sich davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es die erste bemannte Marsmission geben wird. Von der technologischen Seite aus betrachtet, könne man "morgen loslegen". Die medizinischen Aspekte eines solchen Unternehmens müssten jedoch noch genauer ausgelotet werden. Zudem fehle es derzeit am politischen Willen, räumte der ÖWF-Experte ein. (APA, 11.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zwei "Raumfahrer" testen in der nördlichen Sahara das "Deployable Shelter", ein Zelt, dass zur Notübernachtung entwickelt wurde. Am Montag hat die "Marokko Mars Simulation 2013" in der Wüste begonnen.

Share if you care.