Paul Zulehner glaubt nicht an Schönborn als Papst-Nachfolger

11. Februar 2013, 14:56
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Pastoraltheologe zollt Benedikt XVI. Respekt und wertet Rücktritt auch als Zeichen der Modernisierung der Weltkirche - Kirchenrebell Schüller hält Putsch konservativer Kreise für möglich

Der österreichische Pastoraltheologe Paul Zulehner zollt Papst Benedikt XVI. für seinen Rücktritt Respekt. Bezüglich seiner Nachfolge sei nun alles offen. Dass Kardinal Christoph Schönborn in den Vatikan übersiedelt, hält Zulehner im Gespräch mit derStandard.at für unwahrscheinlich.

Es sei dem Papst Respekt zu zollen, "weil die Päpste immer älter werden und das Papstamt eine enorme Herausforderung an die Person und die Gesundheit stellt". Die Öffentlichkeit habe das langsame Sterben seines Vorgängers Johannes Paul II. miterlebt, und Benedikt XVI. habe das nun offenbar vermeiden wollen. Zulehner: "Also im Grunde genommen ein richtiger Schritt in die richtige Richtung."

Wenn man es mit anderen Firmen vergleiche, wo die Geschäftsleitung mit 50 Platz für Jüngere mache, so mache das auch bei einem großen Weltkonzern Sinn, wie es die katholische Weltkirche sei. Das könne man auch als eine Signalwirkung der Kirche betrachten, dass sie sich verjüngen und modernisieren will und kann. Es sei gut, wenn nun Platz gemacht werde für eine Person, die die Kirche leiten wolle und dazu auch körperlich in der Lage sei.

Schönborn eher chancenlos

Bezüglich der Nachfolge Benedikts gebe es im Vatikan schon längere Zeit Überlegungen, wer "papabil" sei. Zulehner verweist diesbezüglich auf die Dokumentation "Die Papstmacher". Wer nun tatsächlich folgen werde, sei im Moment nicht abschätzbar. "Es ist unabsehbar, wie sich das in einem Konklave entwickelt." Auch ob die Kirche nun in eine offenere Richtung oder nicht einschlage, sei offen.

Dass der österreichische Kardinal Schönborn neuer Papst wird, glaubt Zulehner eher nicht: "Ich glaube, dass nach einem deutschen Papst kein zweiter deutschsprachiger Papst kommen wird." Der Theologe nimmt an, dass der Nachfolger entweder aus dem inneren Kreis der Administration kommen wird - das hieße, ein Italiener - oder von einem anderen Kontinent, um noch einmal deutlich zu machen, dass die Weltkirche wirklich eine Weltkirche sei. 

Schüller: Könnte Putsch konservativer Kreise gewesen sein

Helmut Schüller von der Pfarrerinitiative bezweifelt im Interview mit der Presse, dass der Papst aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Schüller kann sich auch einen Putsch konservativer Kreise vorstellen: "Jetzt werden erst einmal alle gespannt sein, was wirklich dahintersteckt, möglicherweise jenseits von Alter und Gesundheit. War es ein Putsch der Konservativen? Oder ist er aus anderen Gründen unter Druck gekommen?" Vielen, etwa der Piusbruderschaft, sei der Papst zu offen und liberal gewesen. Der Vatikan sei von diesen Leuten "durchsetzt". Der Rücktritt könne auch mit den jüngsten Dokumenten- und Bankskandalen zu tun haben.

Die Bilanz von Benedikt XVI. ist für Schüller eine negative: "Es waren sieben Jahre, in denen für die Kirchenreform nichts geschehen ist." (Rainer Schüller, derStandard.at, 11.2.2013)

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    Papst Bendedikt XVI und Wiens Erzbischof Kardinal Chrtistoph Schönborn während des Angelusgebetes am Stephansplatz am 09. September 2007

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