Pferdefleischskandal für Berlakovich Albtraum und Chance

11. Februar 2013, 13:07
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Landwirtschaftsminister für Förderung der Regionalität - Verbesserte Kennzeichnung bei verarbeiteten Produkten gefordert

Wien - Als einen "Albtraum" hat Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich den Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch am Montagvormittag bei einer Pressekonferenz in Wien bezeichnet. "Keine Gefahr für österreichische Konsumenten" sei der Fall laut Auskunft des Gesundheitsministeriums. Für Berlakovich ist der Skandal aber bezeichnend für einen Teil der Lebensmittelindustrie, die den letzten Cent bei der Herstellung herauspressen wolle. Es gelte im aktuellen Fall die offensichtlichen kriminellen Machenschaften aufzuklären, die dahinter stecken.

Für den Ressortchef ist die Förderung der Regionalität die Chance für österreichische Produkte, die aus dem Skandal erwachsen würde. "Regionale Produkte geben dem Konsumenten zwar Sicherheit", doch sollte man sich trotz des aktuellen Skandals im Klaren sein, dass etwa ein dänisches Teilstück bei einer Wurstware keinen Qualitätsmangel an sich bedeutet, gab Heinz Schöffl, Lebensmittelexperte von der Arbeiterkammer (AK) im Gespräch mit der APA zu bedenken.

Bessere Kennzeichnung gefordert

"Zum Teil gibt es gute Gründe für Rohstoffe aus dem Ausland. Das macht den Binnenmarkt schließlich aus", so der AK-Experte. Für die Obfrau der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer, Bettina Lorentschitsch, ist die "kleinteilige Produktion" in Österreich trotzdem ein Qualitätsgarant - diese hätte einen solchen Fall hierzulande vielleicht verhindern können, sagte sie mit Hinweis auf die verschlungenen Transportwege beim Pferdefleischskandal. Österreich sei in den vergangenen Jahren jedenfalls kein Schauplatz großer Lebensmittelskandale gewesen.

"Die Lebensmittelkennzeichnung muss bei verarbeiteten Produkten besser werden", forderte Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer. Allerdings müsse dies auf europäischer Ebene durchgesetzt werden, erinnerte Berlakovich im Zusammenhang mit den Käfigeiern, die in Österreich zwar seit 2009 verboten sind, die aber als importierter Bestandteil in weiterverarbeiteten Produkten nicht gekennzeichnet werden müssen. Eine sinnvolle Kennzeichnung, die Konsumenten auch nützt, wünschte dahin gehend Bettina Lorentschitsch. "Weg vom Billigst- zum Bestbieter" sei dabei der richtige Weg zur Qualitätssicherung.

Für eine Herkunftskennung von verarbeitenden Fleisch setzte sich auch AK-Experte Schöffl ein. Allerdings sieht er darin nicht die Lösung aller potenziellen Probleme. "Die Herkunftskennzeichnung garantiert zwar eine gewisse Sicherheit, doch sollte weiterhin ein verstärktes Augenmerk auf die Lebensmittelüberwachung gesetzt werden, auch wenn die Rückverfolgbarkeit diese erleichtert", so Schöffl. Die im Juli 2011 vom EU-Parlament beschlossenen strengeren Lebensmittelkennzeichnungen wäre ein richtiger Schritt. (APA, 11.2.2013)

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