Banken sitzen auf Bergen fauler Kredite

11. Februar 2013, 12:48
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Die Banken im Euroraum sitzen auf der Rekordsumme von 918 Milliarden, die flautenbedingt nicht fristgerecht bedient werden können

Frankfurt am Main - Die Banken im Euroraum sind noch lange nicht aus dem Schneider. Die Institute kämpfen laut einer aktuellen Hochrechnung mit einem wachsenden Berg fauler Kredite. Auf die Rekordsumme von 918 Mrd. Euro belaufen sich laut Ernst & Young jene Darlehen, die Unternehmen und Privatleute wegen der Wirtschaftsflaute nicht mehr fristgerecht zurückzahlen können.

Besonders stark betroffen sind demnach Spanien und Italien. 15,5 beziehungsweise 10,2 Prozent der Ausleihungen sind laut den Beratern ausfallgefährdet. In der Eurozone insgesamt fielen 7,6 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie. Binnen Jahresfrist erhöhte sich die Summe der faulen Kredite bei Geldinstituten im Euroraum um 80 Mrd. Euro.

Deutsche Banken stünden dank der vergleichsweise starken Binnenkonjunktur deutlich besser da: Der Anteil fauler Kredite liege bei deutschen Instituten in diesem Jahr bei nur 2,7 Prozent. Die Experten gehen davon aus, dass deutsche Institute im laufenden Jahr ihren Bestand an notleidenden Krediten von 200 Mrd. Euro auf 183 Mrd. Euro verringern können. In der Eurozone insgesamt werde dieser Trend erst 2014 einsetzen. Zu Österreich hat Ernst & Young keine Daten erhoben.

Gewinne steigen dennoch

Trotz der schwierigen Lage im Kreditbereich traut Ernst & Young den Euro-Banken im laufenden Jahr steigende Gewinne zu: um drei Prozent von 632 Mrd. auf 651 Mrd. Euro. "Die Banken sind in den vergangenen Jahren zum Teil bereits stark geschrumpft, sowohl von der Bilanzsumme als auch von der Mitarbeiterzahl her", erklärte E&Y-Partner Claus-Peter Wagner.

Die Vergabe neuer Kredite im Euroraum dürfte 2013 nach Einschätzung von Ernst & Young eher schleppend verlaufen. In Deutschland sei jedoch gegen den Trend mit mehr Krediten zu rechnen - sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher und Bauherren.

Banken schlecht gestimmt

Auch eine neue KPMG-Studie beschäftigt sich mit der Branche.  Demnach sehen zwei Drittel der Top-Manager von Banken in Österreich und CEE für 2013 ein noch schwierigeres wirtschaftliches Umfeld als 2012. Flache Zinskurven und Kosten für Regulatorien halten die Erträge und die Profitabilität auf niedrigem Niveau, heißt es. Die gängigen Geschäftsmodelle würden damit einer harten Prüfung unterzogen.

Die Betriebserträge der heimischen Banken sind seit 2008 rückläufig, erinnert das Beratungsunternehmen. Auch für 2013 erwarten der Studie zufolge nur 25 Prozent der Befragten steigende Erträge, 29 Prozent gleichbleibende und 46 Prozent sinkende. Viele der befragten Banken hätten auf diese Ertragsentwicklungen mit Cost-Cutting-Projekten reagiert, nur wenige mit einer Expansionsstrategie und Ertragssteigerungen.

Nur ein Viertel der Befragten schätzt die Liquiditätssituation besser ein als im Vorjahr. Der Großteil sieht keine Veränderung bzw. eine noch schwierigere Versorgung mit Liquidität. Das aktuell tiefe Zinsniveau werde sich in den nächsten Jahren kaum verändern, mit Kundeneinlagen würden - bereinigt um Liquiditätsprämien - negative Margen erreicht. Die Aktivmargen seien dabei allerdings nur geringfügig gestiegen. Die schwierige Liquiditätsversorgung bei gleichzeitig höheren Eigenkapitalanforderungen erschwere die Kreditvergabe, so KPMG. (APA, 11.2.2013)

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    Am Anfang standen die Immobilien...

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