Mit Hörtraining in lauter Umgebung besser hören

11. Februar 2013, 21:01
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Probanden konnten Gesprächen trotz Hintergrundgeräuschen besser folgen

Washington - Mit gezieltem Training können ältere Menschen einer Studie zufolge in einer lauten Umgebung wieder besser hören. Das haben Forscher um Nina Kraus von der Northwestern University in Evanston (US-Bundesstaat Illinois) herausgefunden. Das Training habe bewirkt, dass Signale im Nervensystem wieder schneller verarbeitet wurden. Die Ergebnisse veröffentlichten die Experten in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Im Alter litten die Menschen unter der Verlangsamung der Reizleitung. Eine Auswirkung sei, dass Ältere eine verringerte Fähigkeit hätten, schnelle Sprachabläufe zu verarbeiten. Das sei vor allem in lauter Umgebung der Fall. "Dieses Kommunikationsmanko beeinflusst die Lebensqualität von älteren Erwachsenen, da sie beginnen, Orte und soziale Situationen zu meiden, wo Kommunikation gefährdet ist", schrieben die Forscher. Hörgeräte erhöhen zwar die Lautstärke, machen aber nicht die Defizite zeitlicher Verarbeitung wett.

Trainieren, aber wie viel?

Für die Studie untersuchten die Experten 67 Erwachsene zwischen 55 und 70 Jahren. Die Forscher teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen ein. Diese trainierten acht Wochen lang täglich eine Stunde. Die eine Gruppe absolvierte ein Hörtraining mit dem Ziel, Hörinformationen schneller und genauer zu verarbeiten. Die Anforderungen an das Gedächtnis wurden dabei erhöht. So musste die Probanden zwischen ähnlichen Silben unterscheiden, Sequenzen von Silben und Worten wiederholen oder sich an Details von Geschichten erinnern. Die andere Gruppe sah DVDs und beantwortete dazu Verständnisfragen.

Das Resultat: Die Gruppe, die das Hörtraining absolviert hatte, zeigte deutlich bessere Ergebnisse. Ihr Gedächtnisleistung nahm zu und sie konnten Gesprochenes trotz gleichzeitiger Hintergrundgeräusche besser wahrnehmen. Der Grund könnte eine durch die Übungen ausgelöste Abnahme hemmender Neurotransmitter sein. Das Hörtraining könnte - so hoffen die Forscher - psychosoziale Folgekrankheiten im Alter lindern wie soziale Isolation und Depression. Unklar sei jedoch, wie viel man mindestens trainieren müsse, um einen Effekt zu erzielen.

Hörschwelle anheben

"Ich glaube, dass es Sinn macht, dass Patienten ein Hörtraining machen", sagte Roland Laszig von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Das Training habe zwar keinen Einfluss auf vorhandene Hörschäden. Bei den Teilnehmern der Studie konnte jedoch die Hörschwelle angehoben werden und die Konzentrationsfähigkeit verbessert werden, so der Geschäftsführende Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Freiburg. (APA/red, derStandard.at, 11.2.2013)

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