"Mailbox" im Test: Die App für E-Mail-Geplagte

11. Februar 2013, 10:31
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Der WebStandard hat die Funktionen der App unter die Lupe genommen

Viele iOS-User sind dieser Tage trotz Vorfreude auf die App "Mailbox" verärgert: Sie müssen warten, bis sie an der Reihe sind, um die App überhaupt nutzen zu können. Im Moment sind über 700.000 Menschen in der Warteschlange, die auf Zugang warten. Auch, wenn die App im Moment nur mit Gmail funktioniert, hat die Warteschlange durchaus berechtigte technische Gründe: Würde man so viele User auf einmal eine App nutzen lassen, würden vermutlich die Serverkapazitäten mit der Auslastung nicht ganz klarkommen. Wer sich in Geduld übt, wird belohnt werden, denn Mailbox hat sich auch im WebStandard-Test als großartiges Tool zur Verwaltung von E-Mails herausgestellt.

Für eine Flut an E-Mails

Prinzipiell gibt es in Mailbox drei Status: Posteingang, in den alle ungelesenen E-Mails reinkommen. Ein Archiv, in dem alle gelesenen E-Mails zu finden sind und schlussendlich die verschobenen Mails, die man für spätere Zeitpunkte aufhebt. Das Ziel von Mailbox ist es, einen abgearbeiteten Posteingang zu haben, weshalb sich die App vor allem für alle gut eignet, die täglich mit einer Flut an E-Mails zu kämpfen haben.

Wisch und weg

Kommt ein Mail in den Eingang, kann man es ganz normal lesen und darauf antworten. Auch Bilder können ganz einfach aus der iOS-Bildergalerie ausgewählt werden. Möchte man ein Mail aber erst gar nicht lesen, markiert man es mit einem Wischen nach rechts einfach als gelesen. Will man die Mail überhaupt löschen, wischt man etwas weiter nach rechts. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Das eigentlich wichtige Feature von Mailbox ist aber das Verschieben von Mails auf einen späteren Zeitpunkt. Der Use Case ist dabei ein bekannter: Man ist unterwegs, bekommt ein Mail, nimmt es wahr, will sich in dem Augenblick mit der Mail allerdings nicht auseinandersetzen. Natürlich konnte man auch bislang Mails in Gmail markieren, um sie im "Markiert"-Ordner später wiederzufinden. Doch daran muss man erst einmal erinnert werden. Mit Mailbox hingegen kann man E-Mails einfach auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Dazu muss man lediglich nach links wischen. Es erscheint ein Uhren-Symbol, das zu einem kleinen "Pop-Up" führt. Dieses Pop-Up ermöglicht die Auswahl verschiedener Zeitpunkte, die man in den Einstellungen auch selber definieren kann.

Der Boomerang-Effekt

E-Mails können dadurch einfach auf später, auf den Abend, morgen, das Wochenende, die nächste Woche und zahlreiche weitere Zeitpunkte verschoben werden. Die Mail landet im "Verschoben"-Ordner, zu dem man jederzeit Zugang hat. Sie kommt zum entsprechenden Zeitpunkt allerdings wieder in den Posteingang, wo man nochmals an die Mail erinnert wird. Als nettes Gimmick hat Mailbox jeden Tag ein anderes Hintergrundbild, falls man einen leeren Posteingang schafft.

In Gmail wird von Mailbox ein Ordner angelegt, der dann die gleiche Struktur bekommt wie der Ordner in der App selbst. Also kann auch vom Desktop aus auf verschobene Mails ganz einfach zugegriffen werden. Das weitere Verschieben der Mails ist aber nur in der App selbst möglich. Ähnlich wie beim Löschen wird bei einem etwas weiteren Wischen nach links das Mail in eine Liste verschoben, die man ebenfalls konfigurieren kann. Per Default sind drei Listen vorgegeben, die aber gelöscht oder unbenannt werden können.

Fazit

Mailbox hat sich im WebStandard-Test durchaus bewährt. Die E-Mails werden rasch ausgeliefert, Push funktioniert einwandfrei und das Verschieben der Mails ist besonders für E-Mail-Geflutete geeignet. Trotz zahlreicher User und der Befürchtung des Unternehmens, mit den Server-Kapazitäten nicht fertig zu werden, ist die App sehr flüssig zu bedienen und hat im Laufe von drei Tagen kein einziges Mal versagt. Weder ist die App abgestürzt, noch sind E-Mails untergegangen. Man kann sie also getrost gegen die vorinstallierte Mail-App von Apple austauschen - sofern man hauptsächlich mit Gmail arbeitet. Zu hoffen bleibt lediglich, dass das auch nach der Freischaltung der 700.000 Wartenden so bleibt. Die Kritik, dass die App "gehypt" wird, ist zwar nicht ganz unberechtigt, sie hält allerdings was sie verspricht und scheint sich als E-Mail-Client erster Wahl zu bewähren.

Privatsphäre

Orchestra, das Unternehmen hinter Mailbox, hat auch eine sehr ausführliche Privacy-Erklärung auf der Website angegeben, in der erklärt wird, was Mailbox mit den E-Mails macht. Diese werden nur kurze Zeit zwischengespeichert, um  sie dem  User zu einem späteren Zeitpunkt auszuliefern und Push zu ermöglichen. Mailbox ist zudem mit dem TRUSTe Zertifikat ausgezeichnet, einem EU Safe Harbor Zertifikat, das die Einhaltung von EU-Datenschutzbestimmungen, Transparenz und Haftung gewährleisten soll. 

Das Business

Da die App kostenlos ist, ist anzunehmen, dass Orchestra entweder erst mit einem entsprechenden Bezahl- bzw. Business-Modell zu einem späteren Zeitpunkt aufwarten wird oder auf den Verkauf an ein größeres Unternehmen spekuliert. Weitere E-Mail-Dienste sollen folgen, sodass Nicht-Gmail-User die App ebenfalls nutzen können. Als nächstes wollen die Entwickler Mailbox für weitere Mail-Plattformen ausweiten und einen Desktop- und Android-Client entwickeln. (iw, derStandard.at, 11.2.2013)

Links:

Mailbox

  • "You're done" - Das Ziel ist es, einen leeren Posteingang zu haben
    foto: derstandard.at/wisniewska

    "You're done" - Das Ziel ist es, einen leeren Posteingang zu haben

  • In den Einstellungen können die Zeitpunkte für das Verschieben genauer definiert werden. Die gesamte Ordnerstruktur ist auch in Gmail wiederzufinden
    foto: derstandard.at/wisniewska

    In den Einstellungen können die Zeitpunkte für das Verschieben genauer definiert werden. Die gesamte Ordnerstruktur ist auch in Gmail wiederzufinden

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