Ein Haus aus Beton

20. Februar 2013, 17:00
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Während sich die einen unter einem Betonhaus einen Bunker vorstellen, schwärmen andere von seinem unschlagbaren Schallschutz. Beim Thema Umwelt sieht Beton wie Ziegel neben Holz jedoch alt aus.

Ist die Entscheidung für ein Haus gefallen, stellt sich bald die Frage: Aus welchem Baustoff soll es gebaut werden? Der Großteil der ÖsterreicherInnen entscheidet sich gegen den Leichtbau und Holz und baut bevorzugt massiv. Das hat Auswirkungen auf Wohnkomfort – und auf die Umwelt.

Der unbeliebte Baustoff

Im Massivbau sind Ziegelhäuser nach wie vor am beliebtesten. "Beim Einfamilienhaus ist der Anteil an Betonhäusern verschwindend gering", so Christof Mandlbauer, Geschäftsführer des Bauunternehmens "Jägerbau", der unter anderem den Bau von Häusern aus Ziegel und Beton anbietet. Im Mehrfamilienhaussektor schaut es da anders aus, "da wird mit Stahlbeton aus statischen Gründen gearbeitet."

Beton eilt nicht der beste Ruf voraus. Das liegt am tristen Erscheinungsbild, das wir vor Auge haben, wenn wir an Beton denken. In den 1960er und 1970er Jahren wurde die architektonisch wenig schmeichelnde Betonplatte ("Platte") ins Leben gerufen und riesige, monotone Wohnhaussiedlungen aus Beton entstanden. Graue Einöde und ungemütliche Atmosphäre inklusive, denn die Dämmung war damals alles andere als optimal. Die winterliche Kälte von draußen fand sich im Nu im Wohnzimmer wieder. Hässliche Rostflecken und kraterförmige Risse taten ihr Übriges.

Im Wesentlichen besteht Beton aus Zement, Wasser und einem Gesteinszuschlag und wird beim Hausbau überall eingesetzt. Dabei bleibt er aber meist unsichtbar. Denn er wird meist im Keller, für Deckenbauteile oder Stiegen eingesetzt, auch wenn größtenteils mit Ziegel oder Holz gebaut wird. Sichtbar präsent kennen die meisten Beton als kalt-feuchte Unterführung oder dunkles Kellerloch. "Mit Sichtbeton arbeiten moderne Architekten, Normalzustand ist das keiner", analysiert Mandlbauer den Einfamilienhaus-Sektor. Also auch wenn ein Haus aus Beton entsteht, sieht man dank Verputz danach nicht, welcher Baustoff sich darunter befindet.

Ziegel vs. Beton vs. Leichtbau – was macht den Unterschied?

"Am häufigsten werden Ziegel im Einfamilienhaussektor verwendet. Der hat eine sehr hohe Qualität und bietet gutes Raumklima", so Mandlbauer über den Einsatz seines favorisierten Baustoffes. Beton besticht vor allem durch seine gute Schalldämmung und seinen natürlichen Schutz gegen Feuchtigkeit und Feuer.

In Puncto Umweltfreundlichkeit sehen aber die beiden Baustoffe im Vergleich zum Holz alt aus. Laut der österreichischen Plattform "Baugenial" produziert die österreichische Bauwirtschaft 60% des Abfallaufkommens. Bei der Verarbeitung von Holz gibt es keinen Abfall: Restholz wird beispielsweise zu Papier oder umweltfreundlichen Brennstoffen verarbeitet. Produkte aus Holz verbrauchen bei ihrer Herstellung auch wesentlich weniger Energie als etwa Ziegel oder Beton. Ein bedeutendes Argument, wenn man bedenkt, dass ein Drittel der jährlich 90 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die Österreich in die Atmosphäre bläst, aus dem Gebäude- und Bausektor stammen.

Kuschelig im "Stahlbetonkäfig"

Beim Thema Wohnkomfort scheiden sich die Geister. Während die einen auf eine Ziegelbauweise schwören und seine angenehmen Raumtemperaturen loben, erfreuen sich Beton-Fans am Schallschutz. Doch die meisten winken ab, wenn Bauträger ein Haus gänzlich aus Beton anpreisen: "Viele Kunden sprechen von einem Stahlbetonkäfig, wenn sie Haus aus Beton hören. Die Leute haben Bedenken", so Mandlbauer.

Dabei bietet der Einsatz von mehr Beton im Bau auch interessante Aspekte: Im Vergleich zum Ziegelbau erzielt man beim Betonbau durch seine Dichte schlankere Wände, das heißt ein Gewinn an Fläche. Wegen der großen Spannweite von Betondecken kann man sogar ganz auf tragende Zwischenwände verzichten und die Wohnräume bleiben offen und weitläufig.

Ein weiteres Manko neben den Fakten zur Umweltbelastung hat der Normal- und Schwerbeton jedoch: die Wärmedämmung. Wer mit Beton baut, der benötigt eine zusätzliche Wärmedämmung, da die Wärmedämmeigenschaften von Beton nicht ausreichen und die Energiesparverordnung nicht eingehalten werden können. Dann kann es aber auch in einem "kalten" Betonhaus angenehm kuschelig werden. Das treibt jedoch auch den Preis in die Höhe. "Ich kann nicht sagen, wie viel teurer ein Haus aus Beton ist, aber das Preis-/Leistungsverhältnis schreckt viele ab", muss auch Mandlbauer zugeben. (Karin Jirku, derStandard.at, 20.2.2013)

  • Um den Einsatz von Beton kommt man beim Hausbau nicht umher - und sei es nur für den Keller.
    karin jirku

    Um den Einsatz von Beton kommt man beim Hausbau nicht umher - und sei es nur für den Keller.

  • Die höhere Dichte von Beton erlaubt den Bau dünnerer Wände und bedeutet so den Gewinn von Fläche.
    hertha hurnaus

    Die höhere Dichte von Beton erlaubt den Bau dünnerer Wände und bedeutet so den Gewinn von Fläche.

  • Interessante Raumkomposition oder doch eher kühles Ambiente - das liegt wohl im Auge des Betrachters.
    heidelbergcementag/steffen fuchs

    Interessante Raumkomposition oder doch eher kühles Ambiente - das liegt wohl im Auge des Betrachters.

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