Mini-Merkel mit Karriere in Ost und West

Kopf des Tages10. Februar 2013, 22:16
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Johanna Wanka wird deutsche Bildungsministerin

Es fiel der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sichtlich schwer, ihre Freundin und mit Plagiatsvorwürfen überhäufte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) acht Monate vor der Bundestagswahl gehen zu lassen. Und dennoch, bei aller menschlichen Tragik: Der Ersatz für Schavan fügt sich so gut wie ein fehlender Puzzleteil ins Gesamtbild.

Johanna Wanka heißt die künftige deutsche Bildungs- und Wissenschaftsministerin. Die Kontinuität zur stillen und zurückhaltenden Schavan ist durch Wankas Auftreten gewahrt. "Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert", hat Wanka einmal über ihren Politikstil gesagt. Allerdings: Wenn sich der nächste Karriereschritt bot, war sie immer zielstrebig zur Stelle.

Zudem braucht Wanka ohnehin in zwei Wochen eine "Anschlussverwendung". Derzeit ist die CDU-Politikerin noch Wissenschaftsministerin in Niedersachsen. Dort aber wurde die schwarz-gelbe Landesregierung am 20. Jänner abgewählt, in 14 Tagen geht Rot-Grün an den Start.

Doch auch mit ihrer neuen Chefin, der Bundeskanzlerin, verbindet Wanka einiges. Die 61-Jährige stammt aus Ostdeutschland, sie wurde im sächsischen Rosenfeld geboren. Wie Merkel studierte auch Wanka ein naturwissenschaftliches Fach - Merkel Physik, Wanka Mathematik.

Sowohl die Kanzlerin als auch Merkel sind mit Hochschulprofessoren verheiratet. Und beide Frauen engagierten sich 1989 in der DDR-Bürgerbewegung, Merkel im Demokratischen Aufbruch, Wanka im Neuen Forum. Die eine wie die andere machte im Westen Karriere.

Wanka allerdings begann ihren politischen Weg im Osten. Bis zum Jahr 2000 war sie Rektorin an der Fachhochschule in Merseburg (Sachsen-Anhalt), dann wurde sie Kultur- und Wissenschaftsministerin in Brandenburg. 2009 musste sie als CDU-Fraktionsvorsitzende auf die brandenburgische Oppositionsbank wechseln. Recht überraschend holte sie der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) 2010 aber als Wissenschaftsministerin nach Niedersachsen. Wanka ist somit die erste ostdeutsche Politikerin, die in ein westdeutsches Kabinett wechselte.

Wankas Draht zu Merkel ist gut. Wegen der vielen Ähnlichkeiten wird sie in Berlin gelegentlich auch "Mini-Merkel" genannt. Doch im Privatleben gibt es dann doch einen deutlichen Unterschied. Die Bundeskanzlerin ist kinderlos, Wanka hat zwei erwachsene Kinder. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 11.2.2013)

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