Hintermann des Anschlags auf Indiens Parlament von 2001 hingerichtet

10. Februar 2013, 21:52
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Proteste und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Kaschmir-Region

Neu-Delhi - Die Hinrichtung eines mutmaßlichen Hintermanns des Anschlags auf Indiens Parlament im Jahr 2001 hat in der muslimisch geprägten Unruheregion Kaschmir Proteste ausgelöst. Hunderte Demonstranten versammelten sich am Samstag am Haus der Familie des gehängten Mohammed Afzal Guru, auch im pakistanischen Teil Kaschmirs fanden Proteste statt. Trotz einer Ausgangssperre versammelten sich am Sonntag erneut zahlreiche Menschen, ein Demonstrant starb.

Bei der Kundgebung am Haus von Gurus Familie seien am Samstag 36 Menschen, unter ihnen viele Polizisten, verletzt worden, meldete die indische Nachrichtenagentur PTI. Demonstranten an der Grenze im pakistanischen Teil Kaschmirs verbrannten indische Flaggen. Das indische Innenministerium warnte Polizeibeamte landesweit vor Gewalttaten. In Kaschmir wurden Kabelfernsehen und mobile Internet-Verbindungen lahmgelegt.

Absperrungen

Bereits vor der Vollstreckung des Urteils wurden die Bewohner von Srinagar, der größten Stadt im indischen Teil Kaschmirs, von der Polizei aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Obwohl die Ausgangssperre nicht offiziell verhängt wurde, errichtete die Polizei an Einfahrtsstraßen sowie im Stadtzentrum Absperrungen, um Proteste zu verhindern. Über der Stadt kreisten Hubschrauber.

Bei weiteren Protesten am Sonntag kam ein Demonstrant ums Leben, als er in einen Fluss sprang, um Regierungstruppen zu entkommen. Vier weitere wurden verletzt, als die Polizei eine Gruppe nahe Gurus Heimatort Sopore mit Tränengas vertreiben wollte.

Die Hinrichtung fand laut Innenministerium im Tihar-Gefängnis nahe Neu Delhi statt. Indiens Präsident Pranab Mukherjee hatte ein letztes Gnadengesuch des 43-Jährigen abgewiesen. Guru war wegen Verschwörung und Unterstützung der Angreifer auf das Parlament zum Tode verurteilt worden. Bei dem Anschlag im Dezember 2001 hatten fünf Bewaffnete das Parlament gestürmt und acht Polizisten sowie einen Gärtner getötet. Ein verletzter Journalist starb später. Die Angreifer wurden vor Ort erschossen.

Gebete für Guru

Der Vorfall hatte Indien und Pakistan an den Rand eines neuen Kriegs gebracht, da Indien den pakistanischen Geheimdienst bezichtigte, die Terroristen unterstützt zu haben. Die beiden Nachbarländer stationierten acht Monate lang insgesamt etwa eine Million Soldaten an der Grenze.

Guru hatte stets seine Unschuld beteuert. Laut indischer Justiz war er Mitglied einer islamistischen Gruppe, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpft. Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region wird von Pakistan und Indien beansprucht. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 führten die beiden Nachbarstaaten bereits drei Kriege um das geteilte Gebiet.

In Muzaffarabad, der größten Stadt im pakistanischen Teil von Kaschmir, kamen am Sonntag rund 400 Menschen zu Gebeten für Guru zusammen. Ein religiöser Parteiführer, der das Gebet abhielt, erklärte, die Hinrichtung Gurus führe zu einem noch stärkeren "Freiheitskampf" in Kaschmir. Indische Einheiten würden nun überall bekämpft.

Amnesty International und Human Rights Watch (HRW) verurteilten die Hinrichtung. Indien wendet die Todesstrafe nach eigenen Angaben nur in den "allerseltensten" Fällen an. Im November 2012 wurde der einzige überlebende Attentäter der Anschläge von Mumbai 2008 hingerichtet. Zuvor hatte es acht Jahre keine Hinrichtungen gegeben. (APA, 10.2.2013)

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    Proteste in Pakistan.

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