Pferdefleisch-Skandal sorgt für Klagsflut

11. Februar 2013, 10:26
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Krisentreffen in Frankreich: Betroffene Konzerne schieben sich gegenseitig die Schuld zu

London/Paris/Stockholm - Der europaweite Lebensmittelskandal um Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert wurde, zieht immer weitere Kreise. Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld rumänischen Lieferanten zu. Im möglichen Ursprungsland des Fleischs wurden Untersuchungen eingeleitet. Die britische Regierung vermutet kriminelle Machenschaften hinter dem Skandal. 

Begonnen hatte der Fall Mitte Jänner mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren in Produkten in Irland. Der Tiefkühlkonzern Findus hatte vergangene Woche mehrere Tiefkühlgerichte in Großbritannien, Frankreich und Schweden vom Markt genommen. In Großbritannien hatten Tests zuvor ergeben, dass tiefgefrorene Lasagne Pferdefleisch und nicht wie auf der Verpackung angegeben Rindfleisch enthielt. Der französisches Produzent Comigel hatte das Fleisch von einem Betrieb aus Frankreich erhalten, der diesen nach eigenen Angaben aus Rumänien bezog.

Klagsflut quer durch Europa

Die Klage werde am Montag eingerichtet, erklärte Findus-France-Chef Matthieu Lambeaux. In Schweden kündigte der Ableger Findus Nordic Klage wegen Betrugs gegen das französische Tiefkühlkostunternehmen Comigel und dessen Lieferanten an. Comigel wiederum erklärte, getäuscht worden zu sein und deshalb Entschädigung zu fordern. Die schwedische Lebensmittelaufsicht teilte am Sonntag mit, man wolle vor weiteren Schritten wie einer möglichen Einschaltung der Polizei den Umfang des Betrugs klären. Die französische Regierung berief für Montagabend ein Krisentreffen ein.

Der britischen Lebensmittelaufsicht FSA zufolge wiesen Findus-Lasagne-Packungen einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent auf, obwohl auf dem Etikett Rind angegeben war. Das gleiche galt für zwei von der Aldi-Kette in Großbritannien vertriebene Fertiggerichte. Nach den Funden hatte Findus auch in Frankreich und Schweden Fertiggerichte aus dem Handel genommen. Erst Ende kommender Woche erwartet die FSA Klarheit darüber, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist. Die britische Polizei hat bisher keine Ermittlungen aufgenommen. Hersteller wurden aber verpflichtet, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen.

Zwischenhändler in Zypern

Produzent der beanstandeten Gerichte war die Firma Comigel, die das Fleisch vom französischen Konzern Spanghero erhielt. Spanghero erklärte, das Pferdefleisch sei ihm aus Rumänien untergeschoben worden und kündigte Klage an. Frankreichs Verbraucherminister Benoit Hamon zufolge gelangte das rumänische Fleisch über Zwischenhändler in Zypern und den Niederlanden nach Frankreich. Mit vorläufigen Ermittlungsergebnissen sei am Mittwoch zu rechnen.

Im Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch hat die französische Anti-Betrugsbehörde am Montag den Firmensitz von mehreren Unternehmen in Frankreich kontrolliert. Räumlichkeiten der Firma Comigel in Metz sowie der Firma Spanghero in Südwestfrankreich würden unter anderem inspiziert, hieß es aus Ermittlerkreisen. Weitere Angaben zu anderen betroffenen Firmen wurden wegen laufender Ermittlungen zunächst nicht gemacht.

Comigel hatte Tiefkühlprodukte wie Lasagne hergestellt, die laut Etikett Rindfleisch enthalten sollten, tatsächlich aber laut Untersuchungen in Großbritannien bis zu hundert Prozent Pferdefleisch enthielten. Produkte von Comigel kamen unter anderem unter der Marke Findus in mehreren Ländern in den Handel. Comigel sowie Findus sehen sich selbst als Opfer eines großangelegten Betruges, Findus wollte am Montag Klage einreichen.

Comigel hatte das Fleisch von der Firma Spanghero in Südwestfrankreich erhalten, die dieses nach eigenen Angaben aus Rumänien bezog. Auch Spanghero versichert, Rindfleisch eingekauft zu haben. Doch auch die rumänischen Fleischlieferanten weisen jede Schuld von sich. Die französische Regierung berief angesichts des Lebensmittelskandals für Montagabend ein Krisentreffen ein.

Kontrollen bei französischen Firmen

Die französische Anti-Betrugsbehörde hat am Montag den Firmensitz von mehreren Unternehmen in Frankreich kontrolliert. Räumlichkeiten der Firma Comigel in Metz sowie der Firma Spanghero in Südwestfrankreich würden unter anderem inspiziert, hießes aus Ermittlerkreisen. Weitere Angaben zu anderen betroffenen Firmenwurden wegen laufender Ermittlungen zunächst nicht gemacht. Die französische Regierung berief angesichts des Lebensmittelskandals fürMontagabend ein Krisentreffen ein.(Schluss) kra

Rumäniens Landwirtschaftminister Daniel Constantin leitete Vorermittlungen gegen zwei von Frankreich benannte Schlachtbetriebe ein. Der rumänische Verband der Lebensmittelindustrie (FSIA) erklärte, da es sich um eine bedeutende Liefermenge handelte, müsse der französische Importeur "entweder mit dem rumänischen Produzenten unter einer Decke stecken" oder er habe das Fleisch "selbst umetikettiert". Nach Angaben der rumänischen Lebensmittelindustrie verarbeiten drei große Schlachthöfe in Rumänien Pferdefleisch und liefern einen Großteil davon ins Ausland - unter anderem nach Frankreich und Italien.

Rumänische Behörde: "Importeur wusste Bescheid"

Der Verband der rumänischen Lebensmittelhändler (Romalimenta) erklärte, der Importeur habe wissen müssen, dass es sich nicht um Rindfleisch handelte. Pferdefleisch sei anders in Geschmack, Farbe und Beschaffenheit. Der rumänische Präsident Traian Basescu erklärte, sollte ein rumänischer Hersteller in "Unregelmäßigkeiten" verwickelt sein, werde "Rumäniens Glaubwürdigkeit auf Jahre beschädigt". Basescu befürchtete einen weitreichen Imageschaden für sein Land.

Pferdefleischkonsum ist in Großbritannien ein Tabu. Umweltminister Owen Paterson erklärte, er schließe nicht aus, dass es sich "um ein grenzüberschreitendes kriminelles Komplott in betrügerischer Absicht" handle und nicht um grobe Fahrlässigkeit. "Ein Produkt als Rindfleisch zu verkaufen, das sehr viel Pferdefleisch enthält, ist Betrug." Forderungen nach einem Einfuhrverbot von Fleisch aus der EU wies er zunächst zurück. (APA/red, derStandard.at, 11.2.2013)

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    Pferd statt Rind in der Lasagne: Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt gegen den Tiefkühlkonzern Findus.

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