Nimmer weit: Fastenzeit!

10. Februar 2013, 19:15
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Nicht nur die Bibel weiß: Erst im Verzicht gefallen wir Gott wirklich

Fast geschafft: noch zwei Tage bis Aschermittwoch. Dass der Fasching vorbei ist, mag viele erfreuen. Die Fastenzeit hingegen wird in einem Land prinzipienfester Charaktermenschen wie dem unsrigen geradezu herbeigesehnt. Nicht nur die Bibel weiß: Erst im Verzicht gefallen wir Gott wirklich.

Noch dazu, wo Fasten auch die Kreativität beflügelt. Das lässt sich anhand der Regeln studieren, die die Mönche des Mittelalters in ihrem Drang nach mehr und immer mehr Gottgefälligkeit aufstellten.

Manch ein Zeugnis dieses brennenden Willens ist heute fast vergessen: Um den Energiehaushalt trotz Fleischverzichts im Lot zu halten, musste etwa ein speziell kräftiges Fastenbier eingebraut werden - kräftig auch im Alkoholgehalt. Um des Verzichts willen war man sogar bereit, sich in Gottes Namen anzuflascheln. Damit der Fischverzehr nicht ausuferte, wurden Biber, Enten, Schwäne in aller Demut als Wassertiere eingestuft.

Konsequenter Verzicht konnte auch grausam sein: Selbst Kaninchenföten, auf Küchenlatein "laurices", wurden zu Fastenzwecken herangezogen, nachdem sie als fischähnlich erkannt wurden - immerhin schwammen sie bis zur Zubereitung in Fruchtwasser.

Fasten wurde so zu einer virtuosen Kunst des Verzichts. Dagegen nehmen sich die gewiss nicht unkreativen Heringsschmaustafeln heutiger Prägung wie amateurhafte Versuche aus, in der Kasteiung Erfüllung zu finden. (Severin Corti, DER STANDARD, 11.2.2013)

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