In Schladming wurde die Steiermark zur Provinz

Kolumne10. Februar 2013, 19:04
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Mit der Eröffnungsfeier als Mix aus Musikantenstadl, Superstargefummel und Zeltfestübertreibung hat man "der Welt" ein Bild des angeblich Steirischen geliefert, das für das hinterste Graubünden genauso stimmig wäre

Was hat die Steiermark, deren Hauptstadt Graz 2003 Europas Kulturhauptstadt war, der Welt vorzuzeigen? Nikolaus Harnoncourt vor allem, den international renommierten Dirigenten, eine Oper, die zu den besten in Zentraleuropa zählt, Forschungsinstitute in Graz und Leoben, deren auch von der EU ausgezeichnete Leistungen visualisierbar wären, eine spektakuläre Design-Schule, die nicht nur Audis Entwurfsnachwuchs stärkt, eine Kunst- und Architekturszene von Weltformat, führende Literaten im deutschen Sprachraum.

Von all dem war bei der Eröffnung der WM in Schladming nichts zu sehen und nichts zu hören. Denn man hielt den eigenen Schmarrn für die Welt und suhlte sich im Speck der Folklore. Aufgetreten sind Herminator Hermann Maier und Terminator Arnold Schwarzenegger, Männer mit Leistungshintergrund, aber überschrittenem Zenit. Präsentiert wurde der Lederhosenrock in Form des Alpinexoten Andreas Gabalier. Und die Trachtenschneider hatten Hochbetrieb.

Weshalb, gewissermaßen als Höhepunkt der steirischen Provinzoperette, sich "zwölf Damen der Welt in steirischer Tracht mit Schürzen in den Medaillenfarben präsentieren" (O-Ton Landesregierung). Das Steirische Heimatwerk, ein Hüter der Tradition, müsste sich für diese "Einkleidung mit starkem regionalem Bezug" genieren. Man hat die Mädchen wenigstens nicht auch noch als "Uschis" für "Huschi Wuschi" in der Schladminger Arena eingespannt.

Mit der Eröffnungsfeier als Mix aus Musikantenstadl, Superstargefummel und Zeltfestübertreibung hat man "der Welt" ein Bild des angeblich Steirischen geliefert, das für das tiefste Bayern oder das hinterste Graubünden genauso stimmig wäre. Aus- und vertauschbar.

Der Schladminger Lodenrock geht als genuiner Ausdruck des Ennstals ja in Ordnung. Aber sonst gab's nur Schablonen zur Behübschung eines brutalen Wettkampfsports, wie man am ersten Tag am Beispiel des Sturzes von Lindsey Vonn sehen konnte. Das waren die bewegendsten Bilder, die man " der Welt" zu bieten hatte.

Eine ambitionierte Eröffnungsfeier hätte in Kombination mit Kunst und Show die Zukunft skizzieren können: Wohin entwickelt sich der Skisport noch? Klimawandel und Kunstschnee, Titan(en)-Material und Kunstgelenke, Beschleunigung bis an die Grenzen. Wie stellen sich Österreich und die Steiermark dieser Herausforderung?

Tatsächlich hat die Landesregierung auf allen Linien versagt. Eine Kulturpolitik, die diesen Namen verdient, hat die Steiermark schon längere Zeit nicht. Man hat sich "der Welt" auf einem Boulevard-Niveau präsentiert, das sich die Teilnehmer von Frühschoppen und lokalen Misswahlen wünschen.

Das mag für kitschversessene russische Oligarchen ein Anreiz sein. Und vielleicht ist das ja die eigentliche Absicht: endlich aufgekauft zu werden, endlich zu Kitzbühel aufzuschließen.

Mit Arnold Schwarzenegger als Held der Provinz und den beiden Landeshauptleuten als dessen Ministranten. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 11.2.2013)

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