"Kommissarin Lund" im ZDF: Im finsteren Wäldchen

  • "Kommissarin Lund" ermittelt im ZDF.
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    "Kommissarin Lund" ermittelt im ZDF.

Lunds Fall ist nicht abgekoppelt von dieser Welt, sondern untrennbar mit ihr verwoben

Die Aussichten sind düster in der dritten und letzten Staffel der dänischen Erfolgs-TV-Serie Kommissarin Lund - Das Verbrechen: Nebelverhangener Hafen, finsteres Wäldchen, spärlichst beleuchteter Schiffsbauch - das sind die Orte, an denen Sofie Gråbøl als Kommissarin Sarah Lund fünf Folgen lang Sonntags, jeweils um 22.00 Uhr auf ZDF, ermittelt.

Der Fall beginnt mit einer zerstückelten, tätowierten Leiche, und das ist bezeichnend. Denn was Das Verbrechen zeigt, ist, wie sich die moderne, komplexe und kaum mehr verstehbare Welt in ihre Bewohner einschreibt. Und zerrissene Menschen zurücklässt.

Der Mord findet nicht im luftleeren Raum statt, nicht in einem Mikrokosmos, sondern in der Gegenwart mit all ihren Begleiterscheinungen: Finanzkrise. Globalisierung. Politisches Kalkül. Stress im Job, das Ringen um die Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft. Nicht zu vergessen die kaputten Beziehungen, über die man wie auf einem Schlachtfeld allerorten stolpert, die gescheiterten Ehen wie die sich vernachlässigt fühlende Kinder.

Gezeigt wird das in dem klugen Drehbuch ganz unaufgeregt, fast wie nebenbei. Weil es eben keine Betroffenheit fordernden Einzelfälle sind, sondern Alltäglichkeiten. Lunds Fall ist nicht abgekoppelt von dieser Welt, sondern untrennbar mit ihr verwoben.

Nach dem Fund der zerstückelten Leiche wird bald die Tochter eines Konzernerben entführt. Bei beiden Verbrechen sind Sicherheitssystem und Videoüberwachung ausgefallen. Es ist ein grausiger Moment, wenn das Licht auf den Monitoren ausgeht. Weil die Unsicherheit in eine vermeintlich kontrollierbare Welt einbricht. Und es finster wird. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 11.2.2013)

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