Eine Liederreise mit Lotte Lenya im Ohr

10. Februar 2013, 18:21
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Angela Denoke über Bayreuth, Salzburg und Kurt Weill

Wien - Man kennt Sopranistin Angela Denoke als intensive Advokatin von Charakteren wie Kundry oder Salome. Man vernahm auch ihre lyrischen Qualitäten als Marschallin. Und besonders bei Janácek (Katja Kabanova und Die Sache Makropulos) bezirzte ihr poetisch-dramatischer Rollenzugang. Nun, im Wagner-Jahr, wäre die Deutsche fast auch als Brünnhilde im neuen Bayreuther Ring zu erleben gewesen - hätte sie nicht die Notbremse gezogen. "Schweren Herzens musste ich nach drei Monaten Studium die Partien zurücklegen", so Denoke. "Man muss eben wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Es war nicht so sehr, dass ich gemerkt habe, ich würde müde. Die Stimme wurde schwerer, war aber zugleich an bestimmten Stellen für meine Vorstellung nicht dramatisch genug."

Wenn sie das weiter "verfolgt hätte - und das hätte ich noch über Monate hin tun müssen -, wären möglicherweise Türen zu anderen Partien zugeschlagen worden. Bei einer Rolle wie der Marschallin etwa würden vielleicht die nötigen Feinheiten fehlen." So muss man nun eben nach Rom reisen, um sie als Wagner-Sängerin zu erleben. "In Rom werde ich jetzt stattdessen den Adriano in Rienzi singen, denn durch die Absage in Bayreuth wurde Zeit frei. An diese Partie hatte ich bisher gar nicht gedacht." Zeit bleibt auch für Kurt Weill. Am Mittwoch wird Denoke an der Wiener Staatsoper einen Abend mit seinen Songs geben und ergänzt das Ganze mit Lesungen aus dem Briefwechsel von Weill und Lotte Lenya. " Zwischen den Songs lese ich Texte, die deren Beziehung, die große Höhen und Tiefen hatte, spiegeln. Der Wechsel vom Singen zum Sprechen erfordert hohe Konzentration, weshalb dieser Abend keinesfalls entspannter ist als eine Opernaufführung. Bei Konzerten bekommt man auch jede Regung des Publikum mit, ist dichter dran, was die Sache zunächst schwerer macht."

Bei der Interpretation der Lieder habe sie "am ehesten die junge Lotte Lenya im Ohr. Bewusst lehne ich mich nicht an die Rock- und Jazzversionen an, die es von den Weill-Songs gibt. Das ist viel rauer und geht nicht mit meiner ausgebildeten Stimme zusammen. Es soll aber auch nicht zu sehr nach klassischer Musik klingen. Wir haben versucht, einen ganz eigenen Zugang zu den Liedern zu finden." Die Musiker und Denoke "haben bei der gemeinsamen Arbeit viel voneinander gelernt. Ich kann mich auf ihre Improvisationen einlassen und mein klassischer Zugang hat daneben auch seinen Platz bei den Musikern, die vom Jazz herkommen."

Mit diesem Weill-Programm war Denoke schon bei den Salzburger Festspielen, wo übrigens in Zukunft nichts geplant ist. "Ist kein Problem. Jeder Intendant hat wohl seinen Kreis von Leuten, mit denen er gute Erfahrungen gemacht hat, mit denen er gerne zusammenarbeitet. So habe ich bisher auch nicht in Zürich gesungen, werde aber noch dieses Jahr dort debütieren. So ist das eben." (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 11.2.2013)

Wiener Staatsoper: 13. 2., 20.00

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    Angela Denoke widmet sich Kurt Weill.

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