Umfrage: SPÖ und Grüne müssen um Mehrheit in Kärnten zittern

10. Februar 2013, 17:59
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SPÖ-Chef Kaiser hat deutlich bessere Umfragewerte als Landeshauptmann Dörfler - Das reicht vielleicht nicht

Klagenfurt/Linz - Bei der Kärnten-Wahl in drei Wochen könnten SPÖ und Grüne die bisher als sicher geltende Mehrheit für eine Wende knapp verpassen. Das geht aus der aktuellen Market-Umfrage für den STANDARD hervor.

Demnach käme die SPÖ auf 34 Prozent, die FPK würde sich bei 23 Prozent stabilisieren. Die Grünen kämen mit 15 Prozent auf den dritten Platz, die ÖVP mit 13 auf den vierten, und das Team Stronach könnte sich mit zehn Prozent in der Landespolitik etablieren. Bis zu neun Prozent könnten sich Stronachs Spitzenmann Gerhard Köfer als Landeshauptmann vorstellen (Interview: "Für die SPÖ bin ich jetzt ein Volksfeind"), die meisten direkten Stimmen bekäme allerdings Peter Kaiser (SPÖ) vor Gerhard Dörfler.

Wie die Kärntner Landtagsmehrheiten am 3. März aussehen könnten, hängt allerdings auch davon ab, ob die derzeit feststellbare Erholung des BZÖ bis zum Wahltag anhält: Market errechnet fünf Prozent für die Orangen, die bei der Wahl vor fünf Jahren die stärkste Kraft waren - ehe sich die Mehrheit der Partei als FPK abspaltete und der FPÖ annäherte.

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Im vergangenen Sommer hat es nach all den Skandalen so ausgesehen, als ob es in Kärnten eine klare Wende zu Rot-Grün geben würde: Damals errechnete das Linzer Market-Institut 34 bis 36 Prozent für die SPÖ und 16 bis 18 Prozent für die Grünen. Jetzt kommen die beiden Parteien zusammen nur auf 49 Prozent.

Aber damals war das Antreten des Team Stronach noch nicht beschlossene Sache, damals war die Erinnerung an die Skandale durch die eben ergangenen (nicht rechtskräftigen) Urteile im Birnbacher-Prozess frisch, damals war vor allem auch die beharrliche Aufdeckertätigkeit des Grünen-Chefs Rolf Holub allgemein bewusst. Und die FPK stemmte sich erfolgreich gegen Neuwahlen.

Das hat sich politisch offenbar gelohnt - die FPK konnte ihren Abwärtstrend bremsen und seit dem Herbst sogar wieder umkehren, wie die kleine Grafik zeigt.

Und das, obwohl Gerhard Köfer und das Team Stronach zu einer ernst zu nehmenden Kraft angewachsen sind. Um die Dimensionen beurteilen zu können, muss man sich das Wahlergebnis von 2009, wenige Monate nach dem Unfalltod von Jörg Haider, in Erinnerung rufen: Die Grünen hatten nur 5, 15 Prozent erreicht - dem Team Stronach sagt die Hochrechnung bis zum Doppelten voraus.

Auch die Grünen könnten sich laut Market kräftige Zuwächse erwarten - die in der Hochrechnung ausgewiesenen 15 Prozent entsprächen einer Verdreifachung und dem sicheren Einzug in die Landesregierung.

Fragliche Regierungsmehrheit

Zwar sagen immer mehr Kärntner, dass die Grünen erfolgreiche Aufklärungsarbeit geleistet hätten; ob es aber für eine Regierungsmehrheit mit der SPÖ reichen würde, hängt von mehreren Faktoren ab - vor allem von der Stärke der Kleinparteien.

Das BZÖ - unter dessen Marke vor fünf Jahren auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler, die Brüder Scheuch und ein Großteil der heutigen FPK angetreten waren - führt derzeit in Kärnten einen vielbeachteten Wahlkampf, die Market-Umfrage traut den Orangen bis zu fünf Mandate und damit einen Wiedereinzug in den Landtag zu. An der Mandatsverteilung hängt aber die Regierungsmehrheit.

Die ÖVP, nach der nicht rechtskräftigen Verurteilung ihres Ex-Obmanns Josef Martinz in den Umfragen schon unter zehn Prozent, hat sich inzwischen etwas stabilisiert - die neueste Umfrage traut ihr 13 Prozent zu, das wären aber immer noch rund vier Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Die große Grafik zeigt, dass nur ein Drittel der Kärntner glaubt, dass der ÖVP ein erfolgreicher Neustart gelingen wird.

72 Prozent der Kärntner sagen, sie seien von allen Parteien enttäuscht, 64 Prozent wünschen sich mehr politische Verantwortung für die SPÖ in Kärnten.

In der - theoretischen - Landeshauptmannfrage liegt SPÖ-Spitzenmann Peter Kaiser mit 25 Prozent deutlich vor Amtsinhaber Gerhard Dörfler, weitere drei Prozentpunkte ergeben sich aus der Nachfrage, wer am ehesten infrage käme. Kaiser war noch im Sommer gleichauf mit Dörfler gelegen.

Der amtierende Landeshauptmann Dörfler ist dagegen in der Gunst der Wahlberechtigten zurückgefallen, ihn würden 14 Prozent direkt wählen, zwei weitere Prozentpunkte kommen aus der Nachfrage. Rolf Holub von den Grünen könnte sich über einen dritten Platz (neun plus drei Prozent) freuen.

Und was sind die erwünschten Folgen der Wahl:

  •  80 Prozent wollen, dass die FPK, 68 Prozent dass die ÖVP für die Skandale abgestraft wird.
  •  Mitsprache für die Grünen in der Kärntner Landespolitik wünschen sich 60 Prozent.
  • Eine entscheidende Rolle für die SPÖ wollen 45 Prozent.
  • Dass Gerhard Dörfler am Ende doch Landeshauptmann bleibt, wollen 24 Prozent.

(Conrad Seidl, DER STANDARD, 11.2.2013)

  • Die Kärntner Sonntagsfrage seit Juli.
    grafik: der standard

    Die Kärntner Sonntagsfrage seit Juli.

  • Was die Kärtner von der Politik in ihrem Land halten.
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